Gabrielle - Liebe meines Lebens - TV-Tipp der Woche
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Mittwoch, 9. Januar 2008, ARTE, 22:20 Uhr
Patrice Chéreau ist zweifelsohne der Meister des Beziehungsdramas, das er mit Intimacy auf einen vorläufigen, von manchem Zuschauer als Skandal empfundenen Höhepunkt getrieben hat. Mit Gabrielle – Liebe meines Lebens / Gabrielle widmet sich der Regisseur nun von neuem der Liebe als Schlachtfeld und seziert die Kälte und Entfremdung der gutbürgerlichen Gesellschaft zu Anfang des Jahrhunderts nach einer Erzählung von niemand Geringerem als Joseph Conrad. Ein beklemmendes Drama, dessen Ambiente zwar beinahe hundert Jahre zurückliegt, doch das genauso gut heute spielen könnte.
Das Ehepaar Jean und Gabrielle Hervé (Pascal Greggory und Isabelle Huppert) gehört zum arrivierten Bürgertum der französischen Metropole am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Dinnerparties und ausgedehnte Soiréen beherrschen ihren Alltag, geistreiche Gespräche gehören ebenso zum guten Ton wie Gastfreundschaft und Diskretion. Doch hinter der Fassade der Wohlanständigkeit und Kultiviertheit hat sich das Paar längst auseinander gelebt, sofern die beiden überhaupt jemals mehr als eine reine Zweckgemeinschaft waren. Nach wie vor pflegen die beiden das distanzierte „Sie“ als Form der gegenseitigen Ansprache und auch sonst hat man das Gefühl, dass sie nicht mehr verbindet als der gemeinsam errungene Status und die Wahrung des Scheins nach außen. Eines Tages aber, als Jean nach Hause zurückkehrt, ist das ganze selbst errichtete Lügengebäude zusammengebrochen, denn Gabrielle hat das Haus verlassen, um mit einem anderen Mann zusammenzuleben. Binnen weniger Stunden kehrt sie zwar nach Hause zurück, doch das Idyll und die scheinbare Harmonie sind ein für alle Mal zerstört...
Auf den ersten Blick ist Gabrielle – Liebe meines Lebens / Gabrielle ein sehr statisches und beinahe klassisch wirkendes Werk, das an Chéreaus Herkunft vom Theater gemahnt. Allzeit gefasst und nach außen beherrscht brodeln hinter der Fassade die Emotionen, die sich allenfalls im gelegentlichen Austausch von spitzen Bemerkungen und kleinen Gemeinheiten entladen. Nicht von ungefähr erinnert der Film an Strindbergs und Ibsens psychologisch geschultes Theater, was manchen Kritiker bereits im Vorfeld sichtlich irritierte. Wer sich allerdings auf diese recht eigene Art der Inszenierung einlassen mag, der wird mit einem ebenso spröden wie charaktervollen Filmkunstwerk belohnt, bei dem vor allem die beiden Hauptdarsteller Isabelle Huppert und Pascal Greggory eine Meisterleistung abliefern, die man gesehen haben sollte. Selten haben sich auf scheinbar beherrschten Gesichtern solche Dramen abgespielt wie bei diesen beiden. Und somit ist dieser Film nicht nur die messerscharfe Analyse einer Beziehung, die am Ende ist, sondern auch eine Ode an die Schauspielkunst.
(Joachim Kurz)
Das Ehepaar Jean und Gabrielle Hervé (Pascal Greggory und Isabelle Huppert) gehört zum arrivierten Bürgertum der französischen Metropole am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Dinnerparties und ausgedehnte Soiréen beherrschen ihren Alltag, geistreiche Gespräche gehören ebenso zum guten Ton wie Gastfreundschaft und Diskretion. Doch hinter der Fassade der Wohlanständigkeit und Kultiviertheit hat sich das Paar längst auseinander gelebt, sofern die beiden überhaupt jemals mehr als eine reine Zweckgemeinschaft waren. Nach wie vor pflegen die beiden das distanzierte „Sie“ als Form der gegenseitigen Ansprache und auch sonst hat man das Gefühl, dass sie nicht mehr verbindet als der gemeinsam errungene Status und die Wahrung des Scheins nach außen. Eines Tages aber, als Jean nach Hause zurückkehrt, ist das ganze selbst errichtete Lügengebäude zusammengebrochen, denn Gabrielle hat das Haus verlassen, um mit einem anderen Mann zusammenzuleben. Binnen weniger Stunden kehrt sie zwar nach Hause zurück, doch das Idyll und die scheinbare Harmonie sind ein für alle Mal zerstört...
Auf den ersten Blick ist Gabrielle – Liebe meines Lebens / Gabrielle ein sehr statisches und beinahe klassisch wirkendes Werk, das an Chéreaus Herkunft vom Theater gemahnt. Allzeit gefasst und nach außen beherrscht brodeln hinter der Fassade die Emotionen, die sich allenfalls im gelegentlichen Austausch von spitzen Bemerkungen und kleinen Gemeinheiten entladen. Nicht von ungefähr erinnert der Film an Strindbergs und Ibsens psychologisch geschultes Theater, was manchen Kritiker bereits im Vorfeld sichtlich irritierte. Wer sich allerdings auf diese recht eigene Art der Inszenierung einlassen mag, der wird mit einem ebenso spröden wie charaktervollen Filmkunstwerk belohnt, bei dem vor allem die beiden Hauptdarsteller Isabelle Huppert und Pascal Greggory eine Meisterleistung abliefern, die man gesehen haben sollte. Selten haben sich auf scheinbar beherrschten Gesichtern solche Dramen abgespielt wie bei diesen beiden. Und somit ist dieser Film nicht nur die messerscharfe Analyse einer Beziehung, die am Ende ist, sondern auch eine Ode an die Schauspielkunst.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Gabrielle - Liebe meines Lebens - TV-Tipp der Woche
Produktionsland:
Frankreich, Italien
Produktionsjahr:
2005
Länge:
90 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Patrice Chéreau
Hauptdarsteller:
Isabelle Huppert, Pascal Greggory, Claudia Coli, Thierry Haneisse, Chantal Neuwirth
FILMBEWERTUNG
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