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Fifty Shades of Grey

Meinungen
3

3 Sterne aus 607 Bewertungen

Kinostart: 12.02.2015
FSK: 16
Genre: Drama, Romanze
Tags: Studentin, Obsession, Milliardär, S/M, Interviews, Berlinale 2015, Berlinale 2015 Special
 

Züchtige Liebesspiele

Fast 50 Schattierungen von Grau sind schon in dem ersten Bild von Sam Taylor-Johnsons Verfilmung von E.L. James’ Bestseller 50 Shades of Grey zu sehen. Und der Himmel über Seattle wird im weiteren Verlauf des Films wolkenverhangen bleiben, denn er ist ebenso düster wie Christian Greys (Jamie Dornan) Seele. Der 27-jährige begehrte Junggeselle ist erfolgreich, vermögend und stets kontrolliert. Er hat keinen Sinn für Romantik, Blumen und Kinodates, sondern "besondere Vorlieben", die der Zuschauer schon kennt, die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) aber erst noch kennenlernen wird. In adretter Kleidung steht sie eines Tages in seinem Büro, um ihn in Vertretung für ihre Mitbewohnerin zu interviewen. Sie ist hübsch, unsicher und neigt dazu, sich auf die Unterlippe zu beißen. Das spricht Christian sehr an – und so entwickelt sich aus dieser ersten Begegnung eine Liebesgeschichte, die vor allem von Christian Greys Verlangen nach Unterwerfung und Anastasia Steeles Unschuld bestimmt ist.

Ebenso wie dem Buch liegt auch der Verfilmung von Sam Taylor-Johnson nach einem Drehbuch von Kelly Marcel eine erschreckend einfache und konservative Konzeption von Liebe – er ist ein reicher, beschädigter Mann, der von einer jungfräulichen Unschuld geheilt werden kann – zugrunde, auch wird Romantik mit Besitzdenken, Kontrollsucht und Unterwerfung gleichgesetzt. Hier bleibt der Film nah am Buch, auch ein Großteil der furchtbaren Dialoge stammt aus der Vorlage. Beispielsweise kommentiert Christian Grey Anastasia Steeles Jungfräulichkeit mit den Worten "Where have you been all my life?" und manche Wortwechsel führen unbeabsichtigt zu Lachern. Hier hätte sich der Film weitaus mehr von der Vorlage entfernen und einen düsteres Psychodrama werden können, aber mit ihm sollen die Anhänger der Vorlage ins Kino geholt werden – und sie werden mehrheitlich Gefallen an dem Film finden.

Denn nach Aussage von Autorin E.L. James waren die vielen LeserInnen des Romans schon immer mehr von der Liebesgeschichte als dem SM-Aspekt fasziniert – und auf diesen vermeintlich romantischen Kern der Geschichte, der fast märchenhaft von der Unschuld erzählt, die ihren Prinzen erobert, konzentriert sich der Film. Deshalb sind zum einen Christian Greys Kontrollwahn, seine Wutausbrüche und sein stalkerhaftes Verhalten stark reduziert, stattdessen taucht er auf, wenn er meint, Anastasia retten zu müssen. Das ist nicht weniger bedenklich, immerhin dringt er beständig in ihre Privatsphäre ein, aber es fügt sich in das Liebeskonzept dieses Films ein. Zum anderen sind alle körperlichen Spuren der Züchtigungen ausgespart. Hier hat Anastasia Steele keine blauen Flecken am Körper, sie schwitzt noch nicht einmal, sondern abgesehen von der letzten Sex-Szene sind sie eine erstaunliche glatte, fast klinische Angelegenheit, der viel zu viel Zeit in diesem Film gewidmet wird und an der einzig der Einsatz der Musik auffällt. Zum dritten erscheint der Sado-Maso-Sex nicht als Weg zur "inneren Göttin" – der ist immerhin so populär, dass es sogar Fifty Shades of Grey-Innere-Göttin-Tagebücher gibt – und mehr Selbstbewusstsein, sondern in ihm kumulieren die verschiedenen Welten und Lebenskonzepte der hilfsbereiten, unsicheren und lebensneugierigen Anastasia sowie des kontrollierten, emotional erkalteten Christian. Diese verschiedenen Welten sind sehr deutlich in den hochstilisierten, glatten Bildern des Kameramanns Seamus McGarvey (Abbitte) zu erkennen. Christian Grey trägt seinem Namen gemäß vornehmlich graue Anzüge und fährt protzige Autos, Anastasia Steele trägt anfangs Blümchenkleider und fährt einen alten Käfer. Erst nach und nach nähert sie sich seiner Welt aber an und trägt weitaus vornehmere Kleidung. Ihre Wohnungen sind designer-unterkühlt und studentenhaft warm; einzig bei ihrem Aufenthalt in Anastasias Heimat Savannah wird auch die Umwelt in wärmeren Farben gezeigt.

Immerhin erweist sich Dakota Johnson als gute Besetzung. Durch ihr Erröten, ihr – leider manchmal enervierendes – Kauen auf der Unterlippe und ihre Mimik bringt Anastasias verführerische Unschuld und widerstreitende Gefühle beim Sex gut auf die Leinwand, indem sie über die Anweisungen kichert, zugleich aber auch erkennen lässt, dass sie ihr gefallen. Leider wird sie aufgrund der Konzentration des Drehbuchs auf den Liebesaspekt rein in der Funktion als potentielle Freundin gezeigt. Hier setzt der Film der Ich-Perspektive des Buchs Bilder entgegen, in denen sie allzu oft in den Hemden und T-Shirts ihres Christians herumläuft. Auch ihre Karriere treibt sie nach dem Abschluss jedenfalls nicht voran, allenfalls ihre körperlichen Erfahrungen.

Außerdem fehlt ihr ein ausdrucksstarker Widerpart. In keiner Szene zeigt Jamie Dornan, was er in der Serie The Fall beherrscht: die düstere, sadistische Seite eines psychopathischen Mannes. Stattdessen sitzt er verloren am Klavier in seiner unterkühlten Wohnung. Daher stellt sich am Ende dieses Films die Frage, wer – gemäß des Eröffnungssongs "I put a spell on you" – in diesem Film wen in seinen Bann zieht. Nur einer ist es gewiss nicht: der Zuschauer.

(Sonja Hartl)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015
Länge: 124 (Min.)
Verleih: Universal Pictures International Germany
Kinostart: 12.02.2015

Cast & Crew

Regie: Sam Taylor-Johnson
Drehbuch: Kelly Marcel
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Lisa Gunning
Musik: Danny Elfman
Hauptdarsteller: Marcia Gay Harden, Jennifer Ehle, Luke Grimes, Max Martini, Dakota Johnson, Aaron Taylor-Johnson, Eloise Mumford, Jamie Dornan, Rachel Skarsten

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: katinka am: 21.02.15
Sehr schön inszenierter Film, der den eher bescheidenen Inhalt aufwertet.
Von: Alex am: 21.02.15
Super schön
Von: Wolfgang Mellein am: 15.02.15
Langweilig schlecht.

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