Fahrenheit 9/11

Kinostart: 29.07.2004
Leserbewertung:
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Wahlkampf light

Eigentlich hat der Mann ja einen Orden verdient: Er schreibt Bücher, die Welt-Bestseller werden, er dreht Filme, bei denen sich die Verleiher erst verwundert die Augen und dann entzückt die Hände reiben. Und zwar vor allem deswegen, weil sie dem Genre des Dokumentarfilms eine solche Anziehungskraft auf das Publikum nicht zugetraut hätten. Und nun ist Michael Moore auch noch angetreten, um die Welt zu retten vor dem Übel in Gestalt seines Intimfeindes George Walker Bush. Fürwahr eine ganze Menge guter Gründe, um den Regisseur zu loben, dessen viel besprochenes und heftig umkämpftes Pamphlet Fahrenheit 9/11 sich nun aufmacht, den deutschen Markt zu erobern, nachdem er bereits in den USA für reichlich Wirbel und volle Kassen gesorgt hat.

Doch wirklich Neues ist in Michael Moores in Cannes mit der Goldenen Palme prämierten Film kaum zu entdecken – denn dies war freilich ohnehin mehr eine politische denn eine künstlerische Entscheidung und das Signal, dass das Empire des Old Europe nun zurückschlägt. Viele der "Fakten", die Moore präsentiert, sind hinlänglich bekannt wie etwa die Verstrickung der Bush-Administration ins Ölgeschäft, die enge Verbindung zur saudischen Königsfamilie oder die frühere Kooperation mit dem Erzschurken Osama Bin Laden. Manches in Moores Argumentationskette ist albern, weil Bush in seiner Naivität und Dummheit ein leichtes Ziel abgibt, anderes – wie etwa die Statistik, dass der amerikanische Präsident 42 Prozent seiner Amtszeit im Urlaub verbracht hat – schlichtweg unnötig oder verzerrend.

Überhaupt schert sich Moore herzlich wenig um einen logischen Aufbau, sondern setzt lieber ganz auf die Emotionen. Selten nur spürt man zwischen all dem Hohn und Spott über eine eigentlich todernste Sache wirkliche Betroffenheit – und zwar sowohl bei George W. Bush als auch bei Michael Moore. Beeindruckend und berührend etwa ist jene Szene, als der amerikanische Präsident die Nachricht vom Anschlag auf die Twin Towers ins Ohr geflüstert bekommt und mehrere quälend lange Minuten lang nicht in der Lage ist, auf die Botschaft zu reagieren. Ebenso erschreckend makaber sind Moores Versuche, einen Abgeordneten in Washington zu finden, der sein eigenes Kind in den Irak-Krieg schicken würde. Doch wo bleiben bei solchen manipulativen Taschenspielertricks die neuen Erkenntnisse, die Moore versprach? Und wo die einstmals so gerühmte Objektivität der Dokumentaristen? Ist dieser Film nicht eher der wirtschaftlich erfolgreichste Propagandafilm der Welt als eine ausgewogene Dokumentation? Allerdings stellt sich die Frage, wen das noch interessiert.

Ohne Frage wird der Film in Deutschland Erfolg haben, an einer objektiven Auseinandersetzung mit dem Cowboy im Weißen Haus ist nach den Folterbildern und der nun auch offiziellen Erkenntnis, dass es irakische Massenvernichtungswaffen eh nur im Wunschdenken der Bush-Administration gegeben hat, sowieso niemand mehr gelegen. Und sehr wahrscheinlich – so der Gott im Lande der Tapferen und Freien es will – wird Fahrenheit 9/11 auch dazu beitragen, dass George W. Bush die bevorstehende Wahl nicht für sich entscheiden kann. Michael Moores Film ist trotz aller Fehler und trotz seiner eindeutigen Absicht witzig, unterhaltend, fesselnd und in einigen Momenten auch aufklärerisch. Trotzdem ist es irgendwie schade, dass andere Dokumentationen wie etwa der sehenswerte Gunner Palace über US-Soldaten in Bagdad oder Outfoxed über die Manipulationen der Medien im Irak-Krieg angesichts dieses Medien-Gewitters kaum eine Chance haben, gesehen zu werden.

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Fahrenheit 9/11
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
Länge: 123 (Min.)
Verleih: Falcom Media /Central

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 29.07.2004

CAST & CREW

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FILMBEWERTUNG

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MEINUNGEN
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Bisherige Kommentare (Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: Betty am: 21.07.06
Great work! My homepage | Please visit
Von: Miry am: 25.04.06
Sehr spannend. Hier wird einem nichts verschwiegen. Tatsachen und Fakten + die nackte Wahrheit. Echt genial. Danke für diesen Film.
Von: Michael Mohrenkopf am: 02.03.06
Michael Moore forever! Der nutzt die heutigen Marktdiktate, um seine Kritik derselben an den Mann zu bringen. Köstlich.
   
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