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Ein Augenblick Liebe

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2 Sterne aus 134 Bewertungen

Originaltitel: Une rencontre
Kinostart: 07.08.2014
FSK: o.Al.
Genre: Komödie, Romanze
Tags: Liebe, Schriftstellerin, Anwalt, Begegnung, Dilemma, Filmfest München 2014

Eine konjunktivische Affäre

Von Liebesaffären erzählen viele Filme – und wenn der Eindruck nicht täuscht, dann sind es vor allem (natürlich) die Franzosen, die dem erzählerischen Charme amouröser Verwicklungen immer wieder verfallen. Auch Lisa Azuelos' Film Ein Augenblick Liebe widmet sich der zufälligen Begegnung (nicht umsonst lautet der Originaltitel des Filmes genau so - Une rencontre) zwischen einem verheirateten Mann und einer alleinstehenden Frau – und doch ist bei diesem Film alles anders, weil er weitestgehend im Konjunktiv bleibt. Ein schlichter Trick, der sich in diesem Fall aber als ungeheuer wirkungsvoll erweist.

Elsa (Sophie Marceau) ist eine bekannte Schriftstellerin, berühmt, dank ihrer Bestseller auch wohlhabend und damit finanziell unabhängig. Aus einer früheren Beziehung hat sie zwei Kinder, zudem einen deutlich jüngeren Liebhaber, mit dem sie gelegentlich ihre knapp bemessene Zeit und das Bett teilt, ohne dass daraus Besitzansprüche aneinander erwachsen würden. Dann steht plötzlich bei einer Buchmesse Pierre (François Cluzet) vor ihr, ein erfolgreicher und glücklich verheirateter Anwalt, der ihr von dem gemeinsamen Freund Julien (Arthur Benzaquen) vorgestellt wird. Dass die beiden je für sich genommen etwas besonderes sind, scheint auch Julien schon zu wittern, denn die Art und Weise, wie er sie einander vorstellt, bricht schnell das Eis zwischen ihnen. Sowohl Elsa wie auch Pierre finden sichtlich Gefallen aneinander und ihnen ist schnell klar, dass sie sich so attraktiv finden, dass es eigentlich nur auf eine Weise enden kann – in einer Affäre. Aber sollen sie den Schritt wirklich wagen? Sind sie dafür nicht schon erfahren genug, um zu wissen, wie es nun weitergeht – und vor allem, wie es dann enden wird? Noch widerstehen die beiden der Versuchung und dem ungeheuren Reiz, dem Kribbeln und der Neugier auf den anderen, bauen Sicherungen ein, indem sie eben keine Handynummern austauschen – und doch werden sie sich immer wieder begegnen...

Geschickt versteht es Lisa Azuelos (LOL), in ihrem neuen Film mit den Erwartungen der Zuschauer zu spielen. Denn der kennt natürlich Situationen wie diese - und vielleicht sogar aus dem eigenen Leben... Und sofern man noch einen Funken Romantik im Leibe verspürt, gibt es kaum etwas Vergnüglicheres, als anderen Menschen dabei zuzuschauen, wie sie sich in den Fallstricken der Liebe verfangen. Denn im Gegensatz zu den Menschen auf der Leinwand läuft man ja selbst nicht Gefahr, in einen ähnlichen Schlamassel zu geraten. Wie überhaupt im Kino (am deutlichsten wird das mit Sicherheit beim Actionfilm), so besteht auch beim Liebesfilm die Motivation vor allem in dem Versprechen, das auf der Leinwand Erlebte und die damit verbundenen Emotionen (nach)empfinden zu könne, ohne selbst Schaden an Leib und / oder Seele zu nehmen.

Vergnügen bereitet der Film aber nicht nur deswegen, sondern auch aufgrund einiger Tricks und Spielereien, die sich Lisa Azuelos erlaubt. Die Durchlässigkeit zwischen Tagträumereien und der Realität der beiden Protagonisten ist so fluide, dass immer wieder waghalsige und zum Teil überaus sehenswerte Übergänge der Geschichte Tempo und augenzwinkernden Charme verleihen. So steht Elsa beispielsweise an einem Abend vor ihrem Kleiderschrank, um sich zu einem abendlichen Clubbesuch mit ihren Freundinnen fertigzumachen, schiebt mit beherztem Griff die Kleiderbügel auseinander, macht einen Schritt nach vorne und befindet sich just in der Discothek. Ein anderes Mal ertappt man sich als Zuschauer gar dabei, die "Errungenschaften" des digitalen Kinos zu verfluchen, weil plötzlich das Bild zu stehen scheint und ein Icon einen Ladevorgang anzeigt, wie man ihn von Internet-Videos kennt. Bis im nächsten Augenblick klar wird, dass hier kein Festplattenfehler des Kinos vorliegt, sondern dass das seltsame Icon durchaus seinen Anker in der Geschichte hat.

Bei allem Witz und aller Sympathie aber bleibt ein Manko bestehen: Zur Gänze überzeugend ist die Anziehung zwischen Elsa und Pierre nicht geraten – obwohl sich Sophie Marceau und Francois Cluzet, der Star aus Ziemlich beste Freunde, redlich Mühe geben, diesen Eindruck zu vermitteln. Durch die charmanten Einfälle, die kleinen Spielereien und Tricks und entzückenden Fallstricke und Holzwege gelingt es der Regisseurin aber dennoch, eine sommerlich-leichte Liebeskomödie auf die Leinwand zu zaubern, deren Thematik auch nach Tagen noch erstaunlich präsent ist – vielleicht ja genau deshalb, weil sie Situationen und Dilemmata schildert und auf sehenswerte Weise durchdekliniert, die den meisten der Zuschauer vertraut sein dürften. Und vielleicht ist es auch ein wenig erleichternd zu sehen, dass man von der Liebe und einer kleinen Affäre auch träumen kann, ohne deshalb gleich als unmoralischer Wüstling zu gelten.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2014
Länge: 83 (Min.)
Verleih: Alamode Film
Kinostart: 07.08.2014

Cast & Crew

Regie: Lisa Azuelos
Drehbuch: Lisa Azuelos
Kamera: Alain Duplantier
Schnitt: Stan Collet
Hauptdarsteller: François Cluzet, Sophie Marceau, Niels Schneider, Alexandre Astier, Jonathan Cohen, Lisa Azuelos, Stéphanie Murat, Arthur Benzaquen

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