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Dirigenten - Jede Bewegung zählt!

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Kinostart: 28.01.2016
FSK: keine Angabe
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Klassische Musik, Dirigent, Wettbewerb, Frankfurt

Ganz allein vor dem Orchester

Der Konkurrenzkampf in der E-Musik ist hart: Um internationale Beachtung, die nur wenigen Spitzenmusikern vergönnt sein kann, kämpfen unzählige hoch talentierte Nachwuchskünstler. Das gilt für Pianisten, Opernsänger, aber auch für Dirigenten. Der Filmemacher Götz Schauder (Bob's Place) hat sich beim Internationalen Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in Frankfurt umgesehen, für den sich alle zwei Jahre Hunderte junger Menschen unter 35 Jahren bewerben. Eine Jury lädt ganze 24 von ihnen zur Vorrunde nach Frankfurt ein. Neun werden es bis in Halbfinale schaffen, drei ins Finale. Was aber macht einen guten Dirigenten aus? Die Veranstalter zitieren auf ihrer Webseite genüsslich das Bonmot des Maestros: "Letztlich bleibt es ein Geheimnis, warum die einen dirigieren können und die anderen nicht."

Muss ein guter Dirigent das Publikum mit wilden Gesten beeindrucken? Ein Juror sagt, er versuche zu unterscheiden zwischen Bewegungen, die wie vor dem Spiegel ausgeführt wirken, und solchen, die einen echten Kontakt zum Orchester herstellen. Eine schöne Einleitungsmontage illustriert die individuellen Grade körperlicher Emphase mit feinem Sinn für Humor, bevor der Dokumentarfilm die fünf Kandidaten vorstellt, die er durch den Wettbewerb des Jahres 2008 begleitet. Die Amerikanerin Alondra de la Parra ist eine der wenigen Frauen in dieser Männerdomäne - selbst im Kreis der Juroren lokalisiert die Kamera nur eine weibliche Person, die wie eine Minderheitenvertretung wirkt. Die Jungdirigentin scheidet, ebenso wie der Brite James Lowe, vor dem Halbfinale aus. Der 19-jährige Usbeke Aziz Shokhakimov kommt eine Runde weiter, wie der Deutsche Andreas Hotz und der Japaner Shizuo Z Kuwahara.

Besonders spannend verläuft die Vorrunde, in der die Teilnehmer zum ersten Mal auf das Orchester treffen. Sie haben 30 Minuten Zeit, um mit ihm zu proben. Die Veranstalter haben die Musiker extra darum gebeten, so zu spielen, wie die Dirigenten das vorgeben. Die Beobachtung der Kandidaten-Auftritte und die unaufdringliche Einflechtung von Kommentaren der Teilnehmer selbst, aber auch der Musiker oder der Jury, folgen einer Vielzahl von Themen. Da sind zum Beispiel die Fragen, ob mit oder ohne Taktstock dirigiert werden soll, oder wie stark der Dirigent das Orchester steuert. Der junge Shokhakimov, der sich zur zentralen Figur des Films entwickelt, will sich den "Respekt" des Orchesters erarbeiten, weil er davon ausgeht, dass ihn die erfahrenen, viel älteren Musiker nicht ernst nehmen. Fehlende Sprachkenntnisse sind an sich kein Hindernis, denn die Dirigenten sind es gewohnt, sich lautmalerisch und gestikulierend zu erklären: weicheres Spiel, mehr Stakkato, anschwellende Lautstärke. Gelegentlich führt ein solcher pantomimischer Vortrag aber auch zu Heiterkeit im Orchester. Erklärt ein Dirigent allerdings zu intellektuell, wie die Partitur zu lesen ist, läuft er wiederum Gefahr, die Musiker zu langweilen.

Die einzelnen Dirigenten werden recht intensiv im Austausch mit dem Orchester beobachtet. Allerdings sind die Schnitte nicht immer mit Bedacht gesetzt: Wenn zum Beispiel die Jury einmal einen Auftritt unterbricht, fehlt der einordnende Kontext. An anderer Stelle ist die Kamera jedoch sehr aufmerksam dabei: Shokhakimov reagiert zunächst gekränkt auf sein Ausscheiden nach dem Halbfinale und braucht eine Weile, um sich zu sammeln. Am Schluss hat er seinen frischen Witz wiedergefunden. Das dezente Gespür von Dirigenten - Jede Bewegung zählt! für Humor passt nicht nur zum jungen Alter der Teilnehmer, sondern lockert die ernste Materie auch unterhaltsam auf. So vertreiben sich der Usbeke und sein neuer Freund James Lowe die Zeit mit einem Dirigentenquiz, bei dem aus den Bewegungen eines Arms das Musikstück erraten werden soll. Die beiden sind wirklich gut darin. Insgesamt bietet der kurzweilige Film interessante Einblicke in das Zusammenspiel von Musikern und Dirigent, ohne ihm jedoch tiefere Geheimnisse zu entlocken.

(Bianka Piringer)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2015
Länge: 81 (Min.)
Verleih: mindjazz pictures
Kinostart: 28.01.2016

Cast & Crew

Regie: Götz Schauder
Drehbuch: Götz Schauder
Kamera: Nina Werth, Mark Liedtke, Cornelia Schendel
Schnitt: Andreas Wodraschke, Dirk Grau, Götz Schauder
Musik: Igor Stravinsky, Johannes Brahms

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