Die Träume Neapels
Originaltitel:
Dreaming by Numbers
Kinostart:
01.06.2006
Leserbewertung:
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Hellseherei auf Neapolitanisch
Mitten in der Altstadt Neapels liegt eine Lotterieannahmestelle der besonderen Art – eine „ricevitoria“. Hier trifft sich die vornehmlich betagte und wenig betuchte Kundschaft der beiden Schwestern Anna und Maria und tauscht sich über ihre Träume aus – und zwar im buchstäblichen Sinne. Denn in Träumen und Erlebnissen verbergen sich geheime Botschaften, die wertvolle Hinweise auf Erfolg versprechende Lottozahlen geben können. Mittels des in Italien weit verbreiteten Buchs der Zahlen „Grimas“, in dem jeder Situation und jedem Symbol eine Zahl zugeordnet ist, werden die abstrusesten Ausgeburten des Unbewussten auf Hinweise nach der richtigen Zahlenkombination abgeklopft – selbst wenn manche Träume wie etwa die von hinkenden Küchenschaben und dreibeinigen Hühnern die findigen Interpretatoren der Traumwelt vor Rätsel stellen. Allerdings gilt es erst noch herauszufinden, ob die geträumten Zahlen Glück oder Pech bringen, denn selbst das steht keineswegs fest. Bislang hat sich selbst für das bizarrste Produkt der Phantasie eine Entsprechung gefunden, wenngleich das Glück in der Lotterie hier in einem der ärmeren Viertel der quirligen süditalienischen Metropole eher selten gesät ist. Wer hier geboren und aufgewachsen ist, ist zumeist arm und bleibt es auch – Träume und Numerologie hin oder her.
Was auf den ersten Blick wie Aberglauben erscheinen mag, hat auch viel mit der Situation der einfachen Leute zu tun: Die Macht der Zahlen ist eine Selbstversicherung gegen die Welt, ein Versuch, das eigene Schicksal zu interpretieren und Gesetzmäßigkeiten in einem Leben zu entdecken, das die meisten als nicht gerade günstig empfinden. Und zugleich leben in den Zahlen auch die Erinnerungen an glücklichere Tage weiter: Die Geburts- oder Todestage naher Verwandter und Freunde sorgen dafür, dass sich die Menschen ihnen nahe fühlen, auch wenn sie noch nie mit den zahlen etwas gewonnen haben.
In stimmigen Schwarz-Weiß-Bildern hat die Regisseurin Anna Bucchetti ein Stück Alltagsleben Neapels festgehalten, das nur auf den ersten Blick befremdlich wirkt. Sehr bald schon merkt der Zuschauer allerdings, dass die normalen Kriterien von Aberglauben nicht greifen. Die kleine Welt in der „ricevitoria“ ist ein Ort der Begegnung, an dem Schicksale, Träume und Hoffnungen, aber auch Schmerz und Erinnerungen zusammenkommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
(Joachim Kurz)
Was auf den ersten Blick wie Aberglauben erscheinen mag, hat auch viel mit der Situation der einfachen Leute zu tun: Die Macht der Zahlen ist eine Selbstversicherung gegen die Welt, ein Versuch, das eigene Schicksal zu interpretieren und Gesetzmäßigkeiten in einem Leben zu entdecken, das die meisten als nicht gerade günstig empfinden. Und zugleich leben in den Zahlen auch die Erinnerungen an glücklichere Tage weiter: Die Geburts- oder Todestage naher Verwandter und Freunde sorgen dafür, dass sich die Menschen ihnen nahe fühlen, auch wenn sie noch nie mit den zahlen etwas gewonnen haben.
In stimmigen Schwarz-Weiß-Bildern hat die Regisseurin Anna Bucchetti ein Stück Alltagsleben Neapels festgehalten, das nur auf den ersten Blick befremdlich wirkt. Sehr bald schon merkt der Zuschauer allerdings, dass die normalen Kriterien von Aberglauben nicht greifen. Die kleine Welt in der „ricevitoria“ ist ein Ort der Begegnung, an dem Schicksale, Träume und Hoffnungen, aber auch Schmerz und Erinnerungen zusammenkommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Träume Neapels
Originaltitel:
Dreaming by Numbers
Produktionsland:
Italien, Niederlande
Produktionsjahr:
2005
Länge:
75 (Min.)
Verleih:
Salzgeber
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.06.2006
CAST & CREW
Regie:
Anna Bucchetti
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Filmfreund am: 02.06.06
Das Leben kann so einfach sein. Große & kleine Schicksale und eine Hoffnung: die Lotterie. Ein wunderbar eingefangener, rundum gelungener Querschnitt durch die neapolitanischen Spielernaturen. Zauberhafte Schwarz-Weiß-Bilder eines Stadtteils und seiner Bewohner mit stimmigem Soundtrack und ganz viel italienischem Lebensgefühl.








