Die Presseschau zum Eröffnungsfilm des Filmfestivals von Cannes
Gestern Abend wurde das Filmfestival von Cannes mit Die Stadt der Blinden / Blindness von Fernando Meirelles (City of God, Der Ewige Gärtner / The Constant Gardener) eröffnet. Neu an der Wahl des diesjährigen Eröffnungsfilms ist die Tatsache, dass dieser erstmals am Wettbewerb teilnimmt, während es bislang Usus war, zum Auftakt einen Film zu wählen, der mit dem Rennen um die Goldene Palme nichts zu tun hatte.
Der Film nach einem Roman von José Saramago erzählt die Geschichte einer geheimnisvollen Epidemie, die in der Zukunft eine namenlose Metropole befällt und zahlreiche Menschen erblinden lässt. Um eine Ausbreitung der Epidemie unbekannter Herkunft zu vermeiden, werden die Infizierten in ein Lager gesteckt und weitestgehend ihrem Schicksal überlassen – bald schon herrscht in dem Lager Hunger und der Kampf um das nackte Überleben.
Kein leichter Stoff also, so dass es wenig verwundert, dass die Kritiken sehr gemischt ausfallen: „Blindness ist vor allem eine soziale Metapher, die in grellen Farben ausmalt, wie unter den sich selbst überlassenen Ausgeschlossenen die zivilisatorischen Schranken zusammenbrechen, Sitte und Anstand vor die Hunde gehen. Ein - u.a. durch eine Massenvergewaltigung - schockierender, ungewöhnlicher Eröffnungsfilm, der am Ende eine plötzliche Kurve ins sentimentale Happy End nimmt - davor aber auf der Klaviatur verschiedenster Gefühle spielt“, so schreibt Rüdiger Suchsland in artechock.de
„Meirelles hat die Geschichte dann auch noch so beschleunigt, dass sie vieles verschleudert, die Bedeutung des Hungers beispielsweise - ein enttäuschender Auftakt. Und in manchen Momenten hat man den Eindruck, dass der Film selbst die Fühllosigkeit an den Tag legt, die er geißelt“, findet Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen Zeitung. Und weiter heißt es, dass der Film „mit großem Triumphgeheul loslegt und dann leise untergeht.“
Auch international sind die Kritiken eher gemischt: „Despite a characteristically strong performance by Julianne Moore as a lone figure who retains her eyesight, bearing sad but heroic witness to the horrors around her, Fernando Meirelles' slickly crafted drama rarely achieves the visceral force, tragic scope and human resonance of Saramago's prose“, konstatiert Justin Chang von Variety.
Fionnuala Halligan von Screen International zeigt sich ebenfalls enttäuscht: „Meirelles seems to struggle to find a tone, and Blindness fatally lacks tension before it tips over into bizarre final-act sentimentality.“ Und später heißt es: „... audiences may find the result not sufficiently illuminating to justify watching the degredations onscreen.“
Sehr viel versöhnlicher schließt James Rocchi von cinematical.com seine Kritik des Filmes mit den Worten: „ But while Blindness can be faulted for many things, it also has to be respected for its ambition, craft, and effort; Blindness shows us a world of wide-eyed sightlessness, and it does so through a fierce vision that only occasionally loses focus.“
Die Stadt der Blinden / Blindness startet am 23. Oktober diesen Jahres in den deutschen Kinos.
(Red.)
Der Film nach einem Roman von José Saramago erzählt die Geschichte einer geheimnisvollen Epidemie, die in der Zukunft eine namenlose Metropole befällt und zahlreiche Menschen erblinden lässt. Um eine Ausbreitung der Epidemie unbekannter Herkunft zu vermeiden, werden die Infizierten in ein Lager gesteckt und weitestgehend ihrem Schicksal überlassen – bald schon herrscht in dem Lager Hunger und der Kampf um das nackte Überleben.
Kein leichter Stoff also, so dass es wenig verwundert, dass die Kritiken sehr gemischt ausfallen: „Blindness ist vor allem eine soziale Metapher, die in grellen Farben ausmalt, wie unter den sich selbst überlassenen Ausgeschlossenen die zivilisatorischen Schranken zusammenbrechen, Sitte und Anstand vor die Hunde gehen. Ein - u.a. durch eine Massenvergewaltigung - schockierender, ungewöhnlicher Eröffnungsfilm, der am Ende eine plötzliche Kurve ins sentimentale Happy End nimmt - davor aber auf der Klaviatur verschiedenster Gefühle spielt“, so schreibt Rüdiger Suchsland in artechock.de
„Meirelles hat die Geschichte dann auch noch so beschleunigt, dass sie vieles verschleudert, die Bedeutung des Hungers beispielsweise - ein enttäuschender Auftakt. Und in manchen Momenten hat man den Eindruck, dass der Film selbst die Fühllosigkeit an den Tag legt, die er geißelt“, findet Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen Zeitung. Und weiter heißt es, dass der Film „mit großem Triumphgeheul loslegt und dann leise untergeht.“
Auch international sind die Kritiken eher gemischt: „Despite a characteristically strong performance by Julianne Moore as a lone figure who retains her eyesight, bearing sad but heroic witness to the horrors around her, Fernando Meirelles' slickly crafted drama rarely achieves the visceral force, tragic scope and human resonance of Saramago's prose“, konstatiert Justin Chang von Variety.
Fionnuala Halligan von Screen International zeigt sich ebenfalls enttäuscht: „Meirelles seems to struggle to find a tone, and Blindness fatally lacks tension before it tips over into bizarre final-act sentimentality.“ Und später heißt es: „... audiences may find the result not sufficiently illuminating to justify watching the degredations onscreen.“
Sehr viel versöhnlicher schließt James Rocchi von cinematical.com seine Kritik des Filmes mit den Worten: „ But while Blindness can be faulted for many things, it also has to be respected for its ambition, craft, and effort; Blindness shows us a world of wide-eyed sightlessness, and it does so through a fierce vision that only occasionally loses focus.“
Die Stadt der Blinden / Blindness startet am 23. Oktober diesen Jahres in den deutschen Kinos.
(Red.)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Stadt der Blinden / Blindness – Cannes 2008
Produktionsjahr:
2008
Länge:
120 (Min.)
Verleih:
Kinowelt Filmverleih
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Fernando Meirelles
Hauptdarsteller:
Mark Ruffalo, Gael Garcia Bernal, Julianne Moore, Danny Glover, Alice Braga
FILMBEWERTUNG
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