Die Reise der Pinguine
Originaltitel:
La Marche de l’Empereur
Kinostart:
13.10.2005
Leserbewertung:
Überleben in der Antarktis
Wenn jemals Bernhard Grzimeks gerne benutzte Wendung der „possierlichen Tierchen“ auf eine Gattung zugetroffen hat, dann mit Sicherheit auf Pinguine. Der Watschelgang und die unbeholfen wirkende Art der Fortbewegung an Land, die Erscheinung der Tiere, die aussehen, als würden sie einen Frack tragen, all das macht die Bewohner der Antarktis zu einem Sympathie- und Werbeträger ersten Ranges. Die andere Seite des Lebens der Pinguine, den rauen Kampf ums Überleben zeigt der französische Dokumentarfilmer Luc Jacquet in seinem wahrhaft atemberaubenden Film Die Reise der Pinguine, der pünktlich zum zumindest metereologischen Beginn der kalten Jahreszeit in die deutschen Kinos kommt.
Jedes Jahr aufs Neue im März, wenn sich der antarktische Sommer dem Ende zuneigt, verlassen die Kaiserpinguine scharenweise das eisige Wasser und sammeln sich zunächst in kleinen Gruppen, um schließlich wie eine gewaltige Pilgerschar zu den viele Hundert Kilometern entfernten Brutplätzen im landesinneren zu ziehen. Während des kurzen Sommers haben sich die Tiere eine gewaltige Fettschicht angefressen, von denen sie im kommenden harten Winter mit Temperaturen bis zu minus 80 Grad Celsius zehren müssen. Ein ebenso schweigender wie majestätischer Zug voller Gefahren und Entbehrungen beginnt, bis die Tiere schließlich Wochen später an ihrem Bestimmungsort eintreffen. Dort beginnt die Partnerwahl und die Paarungsrituale, bis schließlich die im Mai die Eier gelegt werden. Doch selbst dieser verhältnismäßig einfache Akt gerät in der Eiswüste der Antarktis zu einer Frage des Überlebens, denn das Ei, das die Mutter im Stehen legt, darf nicht allzu lange übers Eis rollen, da es dort binnen Sekunden erfroren wäre – ein echter Balanceakt.
Doch auch die Brutpflege und Futtersuche ist in den unwirtlichen Bedingungen der Antarktis ein gigantischer Kraftakt, denn die eigenen Fettreserven sind bald aufgebraucht, so dass sich die Männchen und die Weibchen abwechselnd auf den Weg zum Meer machen, um die eigenen Nahrungsspeicher wieder aufzufüllen und Futter für die Jungtiere zu besorgen – eine Reise, von der manche Eltern nicht mehr zurückkehren. Und doch wiederholt sich dieses lebenswichtige Ritual so oft, bis die Jungtiere schließlich selbst groß genug sind, um für sich selbst zu sorgen. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass gerade mal jedes zweite, manchmal sogar nur jedes fünfte Jungtier die ersten Lebenswochen überlebt. Diejenigen, die im Überlebenskampf als Sieger hervorgegangen sind, verlassen schließlich ihre Eltern und verschwinden im Meer, bis auch sie sich im Alter von drei bis vier Jahren auf den langen Weg zu den Brutplätzen machen, um eigene Kinder zu bekommen und für sie zu sorgen – ein Kreislauf des Lebens und Sterbens, wie er entbehrungsreicher nicht sein könnte...
Ein Jahr lang hat der Regisseur Luc Jacquet mit seinem Team den Weg der Kaiserpinguine begleitet und unter schwierigsten Bedingungen 120 Stunden Filmmaterial gedreht, die das entbehrungsreiche Leben der Kaiserpinguine auf beeindruckende Weise dokumentieren. Die Reise der Pinguine ist eine bildgewaltige Naturdokumentation im Stile von Mikrokosmos, Genesis, Deep Blue oder Zugvögel – Nomaden der Lüfte. Meisterhaft versteht es der Regisseur Luc Jacquet, selbst studierter Biologe mit dem Schwerpunkt „tierisches Verhalten“, aus dem alljährlichen Marsch der Kaiserpinguine ein bewegendes und erschreckend menschliches Drama um Liebe, Mut, Überlebenswille und Opferbereitschaft zu machen. Dabei kommt er den Tieren und ihrem Wesen so nahe, dass die Klagelaute einer Pinguinmutter, die vor ihrem toten Kind steht, unter die Haut gehen und ein übergreifendes Symbol für Verlust und Trauer werden. Überhaupt scheut der Film die großen Gefühle nicht, ohne dabei allerdings die Grenzen zum Kitsch zu überschreiten, er streift ihn nur gelegentlich. Neben den meisterhaften kadrierten Bildern ist es vor allem die Musik von Émilie Simon, die das Ihre das dazu tut, den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Und die Konzentration auf das Schicksal einer Pinguinfamilie wäre in einem anderen Kontext und mit einer weniger sensiblen Behandlung der Kommentare wahrscheinlich daneben gegangen, hier allerdings ist das Experiment gelungen und gibt dem Weg der Pinguine eine beinahe metaphysische Note. Ein episches Werk voller Poesie, Emotionalität und mit hohem Informationswert und ein neuer Meilenstein in der mittlerweile recht beachtlichen Reihe von aufregenden Tierdokumentationen, vor denen sich Die Reise der Pinguine wahrlich nicht zu verstecken braucht.
(c) des Bildes: Jérôme Maison / Bonne Pioche
Jedes Jahr aufs Neue im März, wenn sich der antarktische Sommer dem Ende zuneigt, verlassen die Kaiserpinguine scharenweise das eisige Wasser und sammeln sich zunächst in kleinen Gruppen, um schließlich wie eine gewaltige Pilgerschar zu den viele Hundert Kilometern entfernten Brutplätzen im landesinneren zu ziehen. Während des kurzen Sommers haben sich die Tiere eine gewaltige Fettschicht angefressen, von denen sie im kommenden harten Winter mit Temperaturen bis zu minus 80 Grad Celsius zehren müssen. Ein ebenso schweigender wie majestätischer Zug voller Gefahren und Entbehrungen beginnt, bis die Tiere schließlich Wochen später an ihrem Bestimmungsort eintreffen. Dort beginnt die Partnerwahl und die Paarungsrituale, bis schließlich die im Mai die Eier gelegt werden. Doch selbst dieser verhältnismäßig einfache Akt gerät in der Eiswüste der Antarktis zu einer Frage des Überlebens, denn das Ei, das die Mutter im Stehen legt, darf nicht allzu lange übers Eis rollen, da es dort binnen Sekunden erfroren wäre – ein echter Balanceakt.
Doch auch die Brutpflege und Futtersuche ist in den unwirtlichen Bedingungen der Antarktis ein gigantischer Kraftakt, denn die eigenen Fettreserven sind bald aufgebraucht, so dass sich die Männchen und die Weibchen abwechselnd auf den Weg zum Meer machen, um die eigenen Nahrungsspeicher wieder aufzufüllen und Futter für die Jungtiere zu besorgen – eine Reise, von der manche Eltern nicht mehr zurückkehren. Und doch wiederholt sich dieses lebenswichtige Ritual so oft, bis die Jungtiere schließlich selbst groß genug sind, um für sich selbst zu sorgen. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass gerade mal jedes zweite, manchmal sogar nur jedes fünfte Jungtier die ersten Lebenswochen überlebt. Diejenigen, die im Überlebenskampf als Sieger hervorgegangen sind, verlassen schließlich ihre Eltern und verschwinden im Meer, bis auch sie sich im Alter von drei bis vier Jahren auf den langen Weg zu den Brutplätzen machen, um eigene Kinder zu bekommen und für sie zu sorgen – ein Kreislauf des Lebens und Sterbens, wie er entbehrungsreicher nicht sein könnte...
Ein Jahr lang hat der Regisseur Luc Jacquet mit seinem Team den Weg der Kaiserpinguine begleitet und unter schwierigsten Bedingungen 120 Stunden Filmmaterial gedreht, die das entbehrungsreiche Leben der Kaiserpinguine auf beeindruckende Weise dokumentieren. Die Reise der Pinguine ist eine bildgewaltige Naturdokumentation im Stile von Mikrokosmos, Genesis, Deep Blue oder Zugvögel – Nomaden der Lüfte. Meisterhaft versteht es der Regisseur Luc Jacquet, selbst studierter Biologe mit dem Schwerpunkt „tierisches Verhalten“, aus dem alljährlichen Marsch der Kaiserpinguine ein bewegendes und erschreckend menschliches Drama um Liebe, Mut, Überlebenswille und Opferbereitschaft zu machen. Dabei kommt er den Tieren und ihrem Wesen so nahe, dass die Klagelaute einer Pinguinmutter, die vor ihrem toten Kind steht, unter die Haut gehen und ein übergreifendes Symbol für Verlust und Trauer werden. Überhaupt scheut der Film die großen Gefühle nicht, ohne dabei allerdings die Grenzen zum Kitsch zu überschreiten, er streift ihn nur gelegentlich. Neben den meisterhaften kadrierten Bildern ist es vor allem die Musik von Émilie Simon, die das Ihre das dazu tut, den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Und die Konzentration auf das Schicksal einer Pinguinfamilie wäre in einem anderen Kontext und mit einer weniger sensiblen Behandlung der Kommentare wahrscheinlich daneben gegangen, hier allerdings ist das Experiment gelungen und gibt dem Weg der Pinguine eine beinahe metaphysische Note. Ein episches Werk voller Poesie, Emotionalität und mit hohem Informationswert und ein neuer Meilenstein in der mittlerweile recht beachtlichen Reihe von aufregenden Tierdokumentationen, vor denen sich Die Reise der Pinguine wahrlich nicht zu verstecken braucht.
(c) des Bildes: Jérôme Maison / Bonne Pioche
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die Reise der Pinguine
Originaltitel:
La Marche de l’Empereur
Produktionsland:
Frankreich
Produktionsjahr:
2005
Länge:
80 (Min.)
Verleih:
Kinowelt
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
13.10.2005
CAST & CREW
Regie:
Luc Jacquet
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
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Von: mfG am: 03.01.06
Grandiose Aufnahmen - Grausamer Text, abscheuliche Musik. Eine Frechheit gegenüber diesen Tieren. Kein Wunder wenn der Regisseur sich gegen amerikanische ultrakonservative Christen wehren muss - selber Schuld! "Oase der Liebe", "oh, spürst Du wie das Eis unter den Füssen kitzelt" usw. 85Min. lang ist eine unverschämtheit. Genauso Robben und Raubvögel "Monster" zu nennen. Der gute Luc hat wohl zu lange im Eis gelebt - mein Tipp: die DVD lautlos anschauen.
Von: am: 16.12.05
Schön aber zu kindisch, etwas mehr Zurückhaltung wäre mehr gewesen.
Von: Gast am: 29.11.05
Schade um den schönen Film, die Kommentare machen vieles kaputt, deshalb nicht so das große Ding, als das es gehypt wird.
Von: pief am: 27.11.05
wunderbare bilder mit unerträglichen texten - kinderunverträglich. eltern völlig überfordert, denken, es wäre ein 'tierfilm für kinder' - viele weinten und mussten rausgebracht werden! tonlos wäre es ein wunderbares erlebnis, diesen film sehen zu dürfen.
Von: Helmar am: 04.11.05
Stellenweise werden mir zu viele menschliche Attribute auf die Tiere übertragen. Das macht es wiederum nicht zu einer ernstzunehmenden Dokumentation, sondern zum docutainment.
Aber ich schätze der Film will auch nicht mehr und versteht so, mehr als die "üblichen Verdächtigen" in die Säle zu locken. Ich eindrucksvollen Aufnahmen, fantastischen Szenerien und mit stimmiger Musik werden einmalige Eindrücke vermittelt. Und so shaut mensch sich gerne 1,5 h Pinguine an, die's echt nicht leicht haben.
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