Die Große Depression – Eine Komödie zur Lage der Nation

Kinostart: 01.09.2005
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Kein Trailer vorhanden Galerie anzeigen Filmwecker stellen In Kinoprogramm finden

Sind wir noch zu retten?

Gartenzwerge, Kuckucksuhren, Currywürste, Schnauzbärte - alles deutsche Eigenheiten, die gern mit unserem Volk in Verbindung gebracht werden. Doch sind wir Deutschen auch permanent pessimistisch, depressiv und ständig am Jammern? Jungregisseur Konstantin Faigle ist davon überzeugt und versucht in seinem neuen Dokumentarfilm Die Große Depression der Sache ordentlich auf den Grund zu gehen. Bereits der Untertitel weist darauf hin, dass er sich dem Thema alles andere als auf miesepetrige Weise nähert. Humor und Ironie durchziehen den Film über die Lage der Nation und stellen damit womöglich, die einzige Lösung dar, der deutschen Schwermut erfolgreich Abhilfe zu verschaffen.

Faigle weiß, wovon er spricht, weil er selbst bereits als Kind der Gemütskrankheit zum Opfer fiel und unter eingebildeten Allergien und Schwermutsattacken litt. Geheilt wurde er damals nicht ganz, denn noch heute neigt er zum Schwarzsehen und Lamentieren. Er befürchtet und zweifelt, dass nun auch sein bald geborenes Kind unter Trübsal leidet, verursacht durch die gesamtdeutsche Weltuntergangsstimmung oder gar vererbt als deutsches Schwermutsgen durch ihm. Um seine Zweifel aus dem Weg zu räumen, begibt er sich mit seinem Team und einem Kleinbus auf Deutschlandreise.

Was folgt, ist ein buntes, ethnologisches, historisches und soziologisches Potpourri, das immer wieder um die deutsche Kultur des Jammerns, die deutsche Mentalität und die Gründe der deutschen Schwermut kreist, angereichert mit TV-Ausschnitten, Landschaften, Stadtansichten, Spielszenen und Kommentaren. Die Briten meinen, uns Deutschen fehlt der Humor. Die Asiaten halten uns für arrogant. Experten wie Alice Schwarzer, Prof. Walter Jens und Prof. Dr. Ortwin Renn kommen zu Wort. Letzter ist Sozialpsychologe und Risikoforscher und konstatiert, dass die Deutschen die Proportionen im Krisenfall nicht mehr richtig einschätzen und belegt exemplarisch seine These. „Ein Beispiel ist die BSE-Krise: Wir hatten insgesamt etwa 135 Tote europaweit durch BSE in den letzten 25 Jahren. Das entspricht genau der Zahl von Toten, die durch das unachtsame Trinken von Lampenöl gestorben sind“.

Faigle reist in die Region, in der laut einer wissenschaftlichen Studie, die glücklichsten Menschen Deutschlands wohnen und dorthin, wo die unglücklichsten Landsleute zu hause sind. Er mischt sich unter Leipziger Hartz-IV-Demonstranten und hört sich das Leid afrikanischer Asylbewerber an. Er chauffiert seinen Vater mit einem Porsche durch sein schwäbisches Heimatdorf, da er vermutet, dass auch Neid eine der besonders stark ausgeprägten negativen Eigenschaft der Deutschen ist. Faigle spart nicht mit Ausschnitten aus seinem eigenen Leben und legt uns somit einen sehr persönlichen Film vor. Er erinnert an den Stil von Michael Moore, ist jedoch fern von dessen Polemik, Polarisierung und Propaganda. Faigle hält uns Deutschen ein Spiegel vor die Augen und ist selbst erstaunt, wie viel Sympathie und Optimismus er darin findet.

Die Große Depression ist der zweite lange Dokumentarfilm von Konstantin Faigle. Für seinen Debütfilm Out of Edeka wurde er 2002 mit dem Bayrischen Dokumentarfilmpreis geehrt. Seine Filmographie ist eine vielfältige Melange aus Kurzfilmen, Hörspielen, Musikvideos und Puppentrickfilmen. Wir können gespannt sein, was er als nächstes fabriziert.

(Katrin Knauth)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Die Große Depression – Eine Komödie zur Lage der Nation
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2004
Länge: 88 (Min.)
Verleih: timebandits films

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 01.09.2005

Fotogalerie

 (2 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.

WEITERE INHALTE AUF kino-zeit.de

MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Anfang     <     1     2     >     Ende
Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 7)
Von: am: 18.09.06
Top Sache das, genau so sieht es aus in good old Germany!!!
Von: Fay Grambart am: 07.02.06
Klasse Film, hat mir sehr gut gefallen!
Von: berthold am: 09.09.05
ein Film, den man nicht so schnell vergisst. Ich freue mich darauf, den Film ein zweites Mal im Fernsehen (wann?) zu sehen!
Von: Helga am: 07.09.05
Michael Moore und sein schwäbischer Musterschüler.
Von: luca am: 30.08.05
ich fand den film nicht besonders. die freundin spielt schlecht, letztendlich fehlt mir der faden und eine quintessenz. eher für den film sprechen die typen, die zu wort kommen.... der matrix-mönch, die mem-expertin...einfach geil, auch die eltern wirken sehr sympathisch. aber ob so ein film dann wirklich in die kinos muss, ist die frage. als homevideo hätte es auch gereicht.
Anfang     <     1     2     >     Ende
   
KINOSTARTS
09.02 Der Junge mit dem Fahrrad Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
09.02 Für immer Liebe Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Michael Sucsy
09.02 Hugo Cabret Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Martin Scorsese
09.02 Die Unsichtbare Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Christian Schwochow
09.02 Black Gold Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jean-Jacques Annaud
09.02 In Darkness - Eine wahre Geschichte Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Agnieszka Holland
BERLINALE 2012
12.02.12 Interview mit "This Ain´t California"-Regisseur Marten Persiel
12.02.12 This Ain´t California
12.02.12 Die Wand
12.02.12 Kleiner Kino-Knigge
12.02.12 Marina Abramović The Artist is Present
ARTHOUSE TOP 10
Quelle: AG Kino
1. Ziemlich beste Freunde Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 6
2. The Artist Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 3
3. Dame, König, As, Spion Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
4. The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 3
5. Kriegerin Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 4
6. Der Gott des Gemetzels Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 12
7. Die Summe meiner einzelnen Teile Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
8. J. Edgar Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 4
9. Der atmende Gott - Reise zum Ursprung des modernen Yoga Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 6
10. Faust Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 4
Lesercharts TOP 5
1. Tage, die bleiben Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Pia Strietmann
2. Drive Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Nicolas Winding Refn
3. Ziemlich beste Freunde Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Eric Toledano, Olivier Nakache
4. The Help Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Tate Taylor
5. Meek´s Cutoff Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Kelly Reichardt
PARTNER