Donnerstag, 24. Mai 2007, ARTE, 20:40 Uhr
Jan (Daniel Brühl), sein Freund Peter (Stipe Erceg) und dessen Freundin Jule (Julia Jentsch) sind drei junge, idealistische Rebellen, die sich dazu entschlossen haben, aktiv gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt vorzugehen und dabei ganz eigene Erziehungsmethoden anzuwenden: Sie brechen in Villen von Reichen ein, verrücken dort Möbel und erinnern durch diesen Affront daran, dass sich Vermögende ihrer Sache – der Anhäufung von Luxusgütern auf Kosten anderer Menschen – zukünftig nicht mehr sicher sein können. Mit gewaltfreier, aber wirkungsvoller Erzeugung von Angst inklusive der Botschaft vom "Ende der fetten Jahre" sollen gesellschaftliche Prozesse in Gang gesetzt werden, die nicht mehr zu stoppen sind. Als die Freunde aber bei einem der Einbrüche von einem Millionär (Burghart Klaußner) ertappt werden, eskaliert die Situation: es kommt zu einer unfreiwilligen Entführung – doch was soll nun mit dem Bonzen geschehen?
Es sind die sich gegenüberstehenden Welten und Anschauungen, die in diesem nachdenklich machenden Film faszinieren, weil sie beide gleichermaßen von Wahrheit und Notwendigkeiten berichten. Zwei Seiten, deren Vorzüge und Nachteile man als Zuschauer Stück für Stück kennen lernt und irgendwann feststellt, wie sich beide gegenseitig bedingen. Der gesetzte, etablierte, reiche Alt-68er versus eine desillusionierte kämpferische, aber idealistische Jugend, die nicht mehr weiß, wofür sie kämpfen soll: Eine spannende intellektuelle Auseinandersetzung entsteht, die zum Glück nicht in Schwafeleien und Klischees abgleitet. Dass eine Annäherung beider Seiten durch die Entführung bei einhergehender Entfernung vom Alltag schließlich doch eine Illusion bleiben muss, erscheint logisch und glaubwürdig: In unausgesprochener Übereinkunft wissen alle Parteien, dass sich die Welt nicht dauerhaft ändern lässt und kurzfristige Revolutionen nicht möglich sind - auch wenn die besten Ideen überleben sollten.
Passend zum diesjährigen Filmfestival von Cannes zeigt ARTE Hans Weingartners Gesellschaftsdrama, das im Jahre 2004 im Wettbewerb an der Croisette zu bestaunen war und das eindrucksvoll die Rückkehr des Politischen im deutschen Film repräsentierte. Weit entfernt von Sperrigkeit und Ödnis deutscher, politisch motivierter Betroffenheitsfilmer in der Nachfolge des Oberhausener Manifestes ist Weingartners Film auch eine Abrechnung mit den Lebenslügen der 68er-Generation und eine Bestandsaufnahme der „Generation Attac“. Dass schlussendlich das Gute in diesem Kampf gegen die Institutionen obsiegt, ist zwar ein Happy End, wie man es nur aus dem Kino kennen dürfte, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Neben Gegen die Wand ist Die fetten Jahre sind vorbei einer der wichtigsten deutschen Filme der letzten Jahre, ein Weckruf für engagiertes deutsches Kino, der nun anscheinend Früchte trägt.
Beim Deutschen Filmpreis 2005 bekam der Film die Lola in Silber als bester Spielfilm, beim Filmfest München den Preis für den besten Film und das beste Drehbuch. Die fetten Jahre sind vorbei war ein beachtlicher Erfolg an der Kinokasse, lief in fast allen Ländern Europas und wurde international etwa in den USA, Südamerika oder Japan gezeigt.
(Joachim Kurz)
Es sind die sich gegenüberstehenden Welten und Anschauungen, die in diesem nachdenklich machenden Film faszinieren, weil sie beide gleichermaßen von Wahrheit und Notwendigkeiten berichten. Zwei Seiten, deren Vorzüge und Nachteile man als Zuschauer Stück für Stück kennen lernt und irgendwann feststellt, wie sich beide gegenseitig bedingen. Der gesetzte, etablierte, reiche Alt-68er versus eine desillusionierte kämpferische, aber idealistische Jugend, die nicht mehr weiß, wofür sie kämpfen soll: Eine spannende intellektuelle Auseinandersetzung entsteht, die zum Glück nicht in Schwafeleien und Klischees abgleitet. Dass eine Annäherung beider Seiten durch die Entführung bei einhergehender Entfernung vom Alltag schließlich doch eine Illusion bleiben muss, erscheint logisch und glaubwürdig: In unausgesprochener Übereinkunft wissen alle Parteien, dass sich die Welt nicht dauerhaft ändern lässt und kurzfristige Revolutionen nicht möglich sind - auch wenn die besten Ideen überleben sollten.
Passend zum diesjährigen Filmfestival von Cannes zeigt ARTE Hans Weingartners Gesellschaftsdrama, das im Jahre 2004 im Wettbewerb an der Croisette zu bestaunen war und das eindrucksvoll die Rückkehr des Politischen im deutschen Film repräsentierte. Weit entfernt von Sperrigkeit und Ödnis deutscher, politisch motivierter Betroffenheitsfilmer in der Nachfolge des Oberhausener Manifestes ist Weingartners Film auch eine Abrechnung mit den Lebenslügen der 68er-Generation und eine Bestandsaufnahme der „Generation Attac“. Dass schlussendlich das Gute in diesem Kampf gegen die Institutionen obsiegt, ist zwar ein Happy End, wie man es nur aus dem Kino kennen dürfte, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen. Neben Gegen die Wand ist Die fetten Jahre sind vorbei einer der wichtigsten deutschen Filme der letzten Jahre, ein Weckruf für engagiertes deutsches Kino, der nun anscheinend Früchte trägt.
Beim Deutschen Filmpreis 2005 bekam der Film die Lola in Silber als bester Spielfilm, beim Filmfest München den Preis für den besten Film und das beste Drehbuch. Die fetten Jahre sind vorbei war ein beachtlicher Erfolg an der Kinokasse, lief in fast allen Ländern Europas und wurde international etwa in den USA, Südamerika oder Japan gezeigt.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Die fetten Jahre sind vorbei - TV-Tipp der Woche
Produktionsland:
Deutschland, Österreich
Produktionsjahr:
2004
Länge:
125 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Hans Weingartner
Hauptdarsteller:
Daniel Brühl, Stipe Erceg, Julia Jentsch, Burghart Klaußner, Peer Martiny
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: jenini am: 27.12.07
ich meine
das es nicht so fett bezeichtet werden sollte weil man darunter nix verstehn kann ich würde an meine stelle diesen film nennen
die schönste jahren sind vollbracht =)
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