Deutschland privat - Im Land der bunten Träume

Kinostart: 21.06.2007
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen Filmwecker stellen In Kinoprogramm finden

Retroporno für die Spaßgesellschaft

Ende der siebziger Jahre inserierte der Filmregisseur Robert van Ackeren in diversen Zeitungen und bat um Zusendungen privat gefilmten Super-8-Materials, die – von ihren Machern autorisiert – zu einem intimen Einblick in das ganz private und gefilmte Leben der Deutschen werden sollten. Die Resonanz auf den ungewöhnlichen Aufruf war überwältigend, so dass für den geplanten Film Deutschland privat reichlich Material vorhanden war, das erfreulicherweise – zumindest für manche Zuschauer – mit Frivolitäten und Pornografischem nicht gerade geizte. Nun setzt Robert van Ackeren, der die mittlerweile wohl größte Sammlung privater Schmalfilme besitzt, das Konzept fort und zeigt erneut, was sich zwischen den Sechzigern und den Achtzigern in Deutschlands Schlafzimmern und anderswo so abspielte. Das Ergebnis ist – wie immer, wenn es um Erotik geht – reine Geschmackssache, spricht aber tendenziell nicht cineastische Feingeister an, denn hier geht’s ans Grobe und Eingemachte, und subtile Beobachtungen teutonischer Lebensart und –freude sind eher die Ausnahme.

Vielfach trägt der Film auch einen heimlichen Filmtitel wie "Die deutsch-deutsche Peinlichkeitsrolle" vor sich her, denn was zu sehen ist, ist oft weniger erhellend als vielmehr trivial und häufig – je nach Perspektive – exhibitionistisch oder voyeuristisch: Merkwürdige Turnübungen in Reizwäsche, Sex in allen Variationen, keck in die Kamera gehaltene Brüste, aber auch Lady Di’s Besuch in Berlin, in dem der rosa Hut der Königin der Herzen die wichtigste Rolle spielt, oder die Bekenntnisse eines Mannes, der noch bei Mutti wohnt und davon träumt, mit mühsam zusammengespartem Geld eine Frau aus Fernost zu holen.

Vielleicht ist das knallbunte-schrille und frivol-peinliche Sammelsurium der Super-8-Filme ja ein Therapeutikum für den Filmemacher Robert van Ackeren, dessen Filme so ganz anders daher kommen als die hier zusammengestellten Werke. Während van Ackeren stets das Glatte, oft auch Geleckte und Stilisierte bevorzugte, sind jene Eigenschaften bei Deutschland privat - Im Land der bunten Träume selten bis nie zu finden – sie sind in vielerlei Hinsicht ein Gegenentwurf zum Oeuvre des Regisseurs, mit dessen Filmen lediglich durch die Ausrichtung auf Erotik und Sex als Triebfedern des Lebens verbunden. Und nicht zuletzt ist Deutschland privat – Im Land der bunten Träume auch eine Art Rückkehr zu den eigenen filmischen Wurzeln, wie sich Robert van Ackeren erinnert. Denn auch er unternahm seine ersten Schritte selbstredend mit einer Schmalfilmkamera und begann seine Karriere als versierter Kameramann und Dokumentarist mit großem Interesse für die ganz normalen Menschen nebenan. Und was den bewegt, daran lässt die Auswahl van Ackerens kaum einen Zweifel: Natürlich geht es zumeist um Sex, und entgegen der landläufigen Meinung ist der deutsche Michel kein verklemmtes Würstchen und seine Gefährtin/Ehefrau/Freundin zu jeder Schandtat bereit, solange die Kamera bereitsteht.

Doch Hand aufs Herz: In Zeiten, in denen professionelle Pornofilm-Produktionen die Welt des Amateursex für sich entdeckt haben und allzeit bereite Männer und Frauen finden, die von einer Karriere als Sternchen des Erotikfilms träumen und sich dementsprechend freizügig vor der Kamera geben, dient Deutschland privat – Im Land der bunten Träume allenfalls einer Schenkel klopfenden Belustigung, die man sich am besten in ausgelassener Stimmung und unter Zuhilfenahme einiger alkoholhaltiger Getränke anschauen sollte – wenn überhaupt. Im Prinzip erinnert der Film an Sendungen wie "Deutschlands peinlichste Homevideos" oder Ähnliches, die selbst bei den Privatsendern nur als Pausenfüller dienen. Der einzige Unterschied liegt vielleicht in der Qualität und dem speziellen Look der Super-8-Filme sowie manchem Flashback à la "So eine hässliche Tapete hatten wir auch mal im Wohnzimmer" und einer Haltung, die zwischen voyeuristischem Vergnügen, ungläubigem Staunen, nacktem Entsetzen und stupidem Ablachen schwankt. Der versprochene Erkenntnisgewinn mag sich jedenfalls nicht so recht einstellen, denn dass es in den eigenen vier Wänden ziemlich zur Sache geht, haben wir längst geahnt – nur sehen muss man das nicht unbedingt.

(Joachim Kurz)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Deutschland privat - Im Land der bunten Träume
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2007
Länge: 84 (Min.)
Verleih: Kinowelt

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 21.06.2007

CAST & CREW

Trailer

Fotogalerie

 (9 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.

MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Bisherige Kommentare (Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: CenTroniX am: 20.05.10
Nun ja, die ARD hat gesendet - Sendet die ARD nun auch P*rno-Filme? Oder gilt das heute nicht mehr als P*rnografie - sind wir so abgestumpft? Interessant ist, das zumindest eine Szene wohl aus einem kommerziellen Film stammt bzw. später als Fotostrecke in dem kommerziellen P*rno-Magazin (Teenage S*x, zweite oder dritte Ausgabe?) des Silwa-Verlages abgedruckt wurde.
Von: Matthias Krieghoff am: 21.06.07
Ich möchte für mein Heimkino beide Folgen erwerben.Bitte um INfo.
Von: Markus am: 19.06.07
Der Trailer geht nicht zum Download. Schade
   
KINOSTARTS
24.05 Sharayet - Eine Liebe in Teheran Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Maryam Keshavarz
24.05 The Yellow Sea Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Na Hong-jin
24.05 Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Irina Probost
24.05 Moonrise Kingdom Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Wes Anderson
24.05 Act of Valor Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Mike McCoy, Scott Waugh
24.05 Ein ruhiges Leben Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Claudio Cupellini
CANNES 2012
26.05.12 The Taste of Money
26.05.12 Cosmopolis
26.05.12 Mud
25.05.12 A Respectable Family
25.05.12 Room 237
ARTHOUSE TOP 10
Quelle: AG Kino
1. Lachsfischen im Jemen Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
2. Ausgerechnet Sibirien Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 3
3. Ziemlich beste Freunde Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 21
4. Und wenn wir alle zusammenziehen? Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 8
5. Die Kunst zu lieben Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
6. Best Exotic Marigold Hotel Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 11
7. Barbara Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 12
8. Marley Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
9. Our Idiot Brother Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
10. My Week with Marilyn Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 6
Lesercharts TOP 5
1. Moonrise Kingdom Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Wes Anderson
2. Marley Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Kevin MacDonald
3. Frankfurt Coincidences Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Enkelejd Lluca
4. Bar25 - Tage außerhalb der Zeit Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Britta Mischer, Nana Yuriko
5. Hanni und Nanni 2 Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Julia von Heinz
PARTNER