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Der Rote Kakadu

Meinungen
32

3 Sterne aus 256 Bewertungen

Kinostart: 16.02.2006
 

Der süße Duft der Freiheit

Im April 1961 ist die Welt im real existierenden Sozialismus noch in Ordnung. Der junge und etwas naiv-idealistische Siggi (Max Riemelt) ist ein begabter Zeichner und will unbedingt Bühnenbild an der Theaterhochschule studieren. Vier Monate vor dem Mauerbau kommt er nach Dresden, um am dortigen Theater erste Erfahrungen als Kulissenmaler zu arbeiten. Ein Job, dem ihm seine Tante Hedy (Ingeborg Westphal) besorgt hat, die ebenfalls am Theater arbeitet und bei der Siggi auch wohnen kann.

Doch es deutet sich bereits in jenen Tagen an, dass die Staatsführung in Zukunft weniger tolerant gegen „Andersdenkende“ sein wird, wie Siggi am eigenen Leib erfährt. Bei einem Spaziergang durch den Park schaut er fasziniert einer Gruppe Jugendlicher zu, die Rock ‚n’ Roll tanzen. Die Ausgelassenheit ist allerdings schnell vorüber, als urplötzlich ein Trupp Volkspolizisten auftaucht und wahllos auf die Jugendlichen einprügelt und den Plattenspieler sowie die Singles einfach zertrampelt. Zusammen mit der Lyrikerin Luise (Jessica Schwarz), die wie er das muntere Treiben beobachtet hat, kann Siggi fliehen und lernt schließlich Wolle (Ronald Zehrfeld) kennen, Luises Mann. Durch die beiden gerät Siggi schließlich den Roten Kakadu kennen, ein Tanzlokal, in dem sich die Rock ‚n’ Roll- begeisterte Jugend Dresdens regelmäßig trifft. Auch Siggi ist dort bald ein regelmäßiger und gern gesehener Gast.

Die Parteiführung ist äußerst misstrauisch ob der Umtriebe im Roten Kakadu, zumal sich dort auch immer wieder Parteiprominenz und Stasi-Funktionäre versammeln und immer häufiger kommt es zu Konfrontationen und Maßnahmen gegen den moralisch zersetzenden westlichen Rock ‚n’ Roll und seine „Jünger“. Und als wäre das nicht kompliziert genug, verliebt sich Siggi auch noch in Luise und versucht mit aller Macht, ihre als „dekadent“ geächteten Gedichte in Buchform zu veröffentlichen. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Zeit der relativen Freiheit ist bald vorüber...

Die Ostalgie-Welle rollt nach wie vor, doch in Dominik Grafs neuem Film Der Rote Kakadu sind es weniger die Siebziger oder Achtziger Jahre, die in den meisten anderen Filmen zum Thema DDR-Vergangenheit den zeitlichen Rahmen bilden, sondern die Zeit des Umbruchs kurz vor dem Mauerbau. Als wüssten sie, dass die Tage der Freiheit endgültig bald gezählt sind, feiern die Jugendlichen hier ihr Leben, versuchen zwischen wachsenden Repressionen, sozialistischer Spießigkeit und Auf- und Ausbruchsphantasien ihr Leben zu gestalten und ihre Träume zu leben, was angesichts der immer noch zerbombten Städte und der alltäglichen Lebensmittelknappheit befremdlich anmutet. Der Blick auf die Befindlichkeiten der deutschen Ostjugend erzählt dabei weitaus mehr über die Geschichte der DDR als so mancher wohlgemeinte Film aus seligen DEFA-Tagen, zumal der Geist der unschuldigen Revolte, verbunden mit einer melancholischen Liebesgeschichte packt und fesselt. Der Rote Kakadu macht wieder einmal klar, dass Dominik Graf einer der besten und vielleicht unterschätztesten deutschen Regisseure ist, dessen Arbeiten immer noch nicht den (auch quantitativen) Erfolg bekommen, den sie längst verdient haben. Vielleicht ändert ja dieser Film endlich etwas daran.

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2006
Länge: 128 (Min.)
Verleih: X Verleih
Kinostart: 16.02.2006

Cast & Crew

Regie: Dominik Graf
Hauptdarsteller: Jessica Schwarz, Max Riemelt, Devid Striesow, Ronald Zehrfeld, Ingeborg Westphal

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 32)
Von: maggi am: 16.11.06
ich bin eingeschlafen
Von: Marianne am: 16.10.06
Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden ist keine unabhängige Bewertungsinstanz. Ignorieren wir sie.
Von: Unfassbar am: 20.07.06
@Filmbewertungsstelle Wiesbaden: Habt ihr Tomaten auf den Augen?
Von: Nautilus am: 23.06.06
Mein Problem liegt nicht darin, wie fiktiv eine Kinogeschichte sein darf, sondern in der heutigen Darstellung der damaligen Realität. Im "Roten Kakadu" ist es eindeutig Meinungsmache, und das mit erfundenen Zutaten. Ich finde einen solchen Film einfach schlecht und wahnsinnig frech. In "Dresden" war ja kaum noch Realität erkennbar, gerade mal die brennenden Häuser im Hintergrund. Diese Bombardierung wurde völlig enstellt und mit der Zentrierung dieser dummen, unrealistischen Liebesgeschichte wurde wieder gezeigt, wie sehr wir doch der puren Unterhaltung verfallen sind. Dieser Fernsehfilm ist derart inakzeptabel, dass ich darauf verzichte, mich weiter darüber auszulassen. Zurück zum "Kakadu": Auf der Internetseite des Filmes kann man sich Material für den Schulunterricht bestellen--- Dass sich Lehrer, die die Geschichte nicht wahrhaft interessiert, dieses Angebots bedienen, geht mich nichts an. Nur ist die Voraussetzung nicht da, wird Kinder auch nicht Falsches gelehrt. Ich kann diesen Film nicht akzeptieren. Sicher ist es eine Gesprächsgrundlage - ich weiß, wo ich stehe.
Von: gast am: 22.06.06
@nautilus vom gast, wenn die lehrer so blöd sind und die falsche recherche und das verzerrte geschichtsbild nicht erkennen, muß man doch den lehrern den vorwurf machen, die diesen film zeigen und nicht den filmemachern die ihn gemacht haben. die verantwortung liegt doch bei denen die geschichte vermitteln, sonst müßte ja jeder filmemacher pädagoge sein. dies war sicher zu defa zeiten teilweise wirklich so...als diskussionsgrundlage ist der film gut, man kann ja drüber reden was nicht so war etc....und ich bleibe dabei: fiktion ist fiktion, da hingt gar nichts. der roman 1984 war 1948 auch fiktion und 1984 nicht mehr so sehr, oder was oder wie...eine künstlerische verarbeitung eines vielleicht realen grundstoffes wird nie abgebildete bzw. abgefilmte realität sein, das wäre auch dermaßen langweilig. (siehe auch den furchtbaren fernsehzweiteiler "dresden", wenn man da mit realitäten anfangen würde...)

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