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Der Himmel hat vier Ecken

Meinungen
1

4 Sterne aus 20 Bewertungen

Kinostart: 21.04.2011
FSK: 6
Genre: Drama, Familienfilm
Tags: Vampir, Teenager, Freundschaft, Kino, Eifersucht, Boxen

Der Hinterhof als Bühne des Lebens

"Hier also?", fragt Joschi (Moritz Jahn), der Junge mit der Wollmütze seinen Vater (Charly Hübner) ungläubig und sichtlichem Widerwillen in der Stimme. "Ja", antwortet dieser und fügt hinzu "ist ja nur vorübergehend, bis ich einen neuen Job habe." Aus einem besseren Viertel Hamburgs hat es die beiden nach der Trennung des Vaters von Joschis Mutter nun in jenen Hinterhof verschlagen, in dem sie nun stehen. Es ist ein Abstieg, daran besteht kein Zweifel. Und hier herrscht für den 13-jährigen Jungen ein anderer, rauerer Wind – das wird spätestens klar, als der ein Jahr ältere und wenig zimperliche Niko (Lukas Mrowietz) auftaucht, der nicht nur schräg gegenüber wohnt, sondern auch noch in die gleiche Klasse geht wie Joschi. Klar, dass da Ärger vorprogrammiert ist, zumal sich Jessica (Sophie Schirmer) für den Neuankömmling interessiert, obwohl Niko bereits "Besitzansprüche" auf das Mädchen erhebt.

Allen Unterschieden zum Trotz und obwohl sich beide für das gleiche Mädchen interessieren, werden Joschi und Niko schließlich doch Freunde und sehen sich bald schon einer Bewährungsprobe ausgesetzt, als sie dahinter kommen, dass Nikos Schwester Tatjana (Susianna Kentikian, amtierende Box-Weltmeisterin im Fliegengewicht) dazu genötigt werden soll, im Auftrag der Wettmafia einen Kampf absichtlich zu verlieren. Klar, dass das gegen die Ehre der Familie geht und den Zusammenhalt der beiden Freude erfordert. Doch die finsteren Verschwörer haben einiges zu verlieren...

Steht man inmitten des Hinterhofs und legt den Kopf in den Nacken, so wie dies Vater und Sohn am Anfang tun, dann sieht es tatsächlich so aus, als sei der Himmel auf ein kleines Viereck beschränkt. Die Ausschnitthaftigkeit beim Blick nach oben, die sich auch im Filmtitel und in der Gestaltung des Plakates widerspiegelt, setzt sich im Film selbst nahtlos fort. Wie auf einer Theaterbühne ist vor allem der Hinterhof der neuen Behausung von Joschi und seinem Vater Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, auf dem fast alle der Begegnungen und Konflikte, die das dramaturgische Gerüst des Filmes bilden, kulminieren.

Die Trennung der Eltern und die erste zarte Liebe, Freundschaft und Familienehre, aber auch Enttäuschungen und Ausgrenzung – in Klaus Wirbitzkys Der Himmel hat vier Ecken werden eine ganze Reihe von Problemen angeschnitten, die für sich genommen typisch sind für die Pubertät. Dass diese dann doch so geballt auftreten wie in diesem Film, ist zwar recht unwahrscheinlich, fügt sich aber dank der soliden Inszenierung Wirbitzkys und des engagierten Spiels seiner jungen Darsteller recht plausibel zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Dennoch sind die zahlreichen kleinen und großen Schwächen von Klaus Wirbitzkys Film unübersehbar: Recht rapide Sinneswandel der vor allem jugendlichen Darsteller, dazu stark überzeichnete und vereinfachte Nebenfiguren wie etwa der fiesen Hausmeister (Sven Walser), der sich am Schluss noch wenig glaubwürdig als Oberschurke entpuppt, sind nur einige der dramaturgischen Fallstricke des Films. Hinzu kommt die teilweise recht vorhersehbare Entwicklung der Charaktere, die sich zudem stark an bekannte Muster gerade aus dem Jugendfilmbereich anlehnt. Gut möglich, dass sich hier Wirbitzkys langjährige Erfahrungen im TV-Bereich, wo er die Fernsehserie Die Pfefferkörner verantwortete, bemerkbar machen. Tatsächlich erinnert der ganze Tonfall und die Figurenzeichnung stark an die KIKA-Serie und wirkt manchmal so, dass man bei Szenenwechseln förmlich auf die Schlusstitel wartet, die das Ende einer Episode markieren.

Das Erstaunliche ist, dass Der Himmel hat vier Ecken dennoch niemals langweilig wirkt, dass man den Figuren trotz ihrer nur bedingten Glaubwürdigkeit gerne durch sämtliche Unwahrscheinlichkeiten, Übertreibungen und vorhersehbaren Wendungen folgt. Weil man spürt, mit wie viel Herzblut sie und die Crew hier zu Werke gegangen sind. Und so ist Der Himmel hat vier Ecken zwar kein großer Wurf geworden, sondern ein sichtlich kleiner, aber dennoch sympathischer Film über das Abenteuer des Heranwachsens.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2011
Länge: 90 (Min.)
Verleih: Zorro Filmverleih
Kinostart: 21.04.2011

Cast & Crew

Regie: Klaus Wirbitzky
Drehbuch: Klaus Wirbitzky
Kamera: Michael Tötter
Schnitt: Sebastian Thümler
Musik: George Kochbeck
Hauptdarsteller: Hinnerk Schönemann, Udo Kier, Charly Hübner, Tom Jahn, Sandra Borgmann, Doris Kunstmann, Lukas Mrowietz, Susianna Kentikian, Sophie Schirmer

MEINUNGEN

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(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Reda am: 18.04.11
super schöner Film

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