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Der große Trip - Wild

Meinungen
3

2 Sterne aus 213 Bewertungen

Originaltitel: Wild
Kinostart: 15.01.2015
FSK: 12
Genre: Drama
Tags: Selbstfindung, Drogensucht, Wanderung, Vergangenheitsbewältigung, Pacific Crest Trail, Toronto 2014
 

Eine Frau!

Kino, das ist zu 90 Prozent der Blick des Mannes auf die Frau. Ausgerechnet in der Männerdomäne Abenteuer-Drama macht sich Reese Witherspoon als Hauptdarstellerin und Mitproduzentin von Der große Trip - Wild um eine weibliche, fast feministische Perspektive verdient – weil sie den Erfahrungsbericht einer Frau auf die Leinwand bringt und obwohl sie mit Jean-Marc Vallée einen männlichen Regisseur verpflichtet hat. Die Haltung wird dabei oft wichtiger als der Inhalt.

Es ist absolut keine Nebensache, dass Reese Witherspoon ihre Figur an einer Stelle entzückt und erleichtert ausrufen lässt: "Eine Frau!" Die von Witherspoon verkörperte Cheryl Strayed sitzt dabei sonnenverbrannt, abgezehrt und schmutzig in einem Café, das nüchtern wie eine Kantine eingerichtet ist. Es liegt am Rande eines berühmten amerikanischen Wanderwegs, dem Pacific Trail Crest, der über fast 2000 Kilometer von der Grenze zu Mexiko durch Wüste, Berge und Wälder bis hinauf nach Kanada reicht. So eine Strecke trauen sich nur Männer zu – und Cheryl, die nach Wochen nun eine weibliche Mitstreiterin zu Gesicht bekommt.

Das feiern die Frauen mit einem Gläschen bei Sonnenuntergang. Und wenn Cheryl erfährt, das ausgerechnet Greg (Kevin Rankin), dem sie viele wertvolle Tipps verdankt, die Wanderung abgebrochen hat, weiß man, dass hier ein Genre behutsam aber entschieden gegen den Strich gebürstet wird. Dabei ist Der große Trip weder ein Film gegen die Männer noch eine Kraftprobe im Geschlechterkampf. Er erobert der Thematisierung weiblicher Probleme und Sehnsüchte jedoch ein neues Terrain.

Die Strapazen des Trails sollen Cheryl helfen, Halt zu finden und wieder stark zu werden. Das erzählen fragmentarische, sich nur allmählich und nie ganz vervollständigende Rückblenden. Den Krebstod ihrer unerschütterlich optimistischen Mutter Bobbi (Laura Dern) hat sie nicht verwunden. Die Ehe mit Paul (Thomas Sadoski) hat sie durch ihre Seitensprünge ruiniert. Dass er sie aus dem Drogensumpf fischt, nimmt sie ihm fast übel. Nun will sie sich selbst retten auf einer dreimonatigen Tour de Force. Sie trotzt Hunger, Kälte und Durst. Sie kämpft mit dem Begehren, als sie Greg nackt beim Baden sieht. Sie hat Angst vor den beiden Jägern, denen sie begegnet – aber sie lässt sich nicht einschüchtern.

An dem energischen Kinn, das bei ihr so spitz zuläuft, und dem schönen Gesicht, das ebenso anmutig wie verhärtet erscheinen kann, erkennt man in Reese Witherspoon das physiologische Muster der beiden Power-Frauen des US-Kinos der Endsiebziger und frühen Achtziger, Jane Fonda und Sally Fields. So wie Jean-Marc Vallée schon mit Dallas Buyers Club ein Film gelang, wie er Hal Ashby nicht mehr vergönnt war, inszeniert er auch Der große Trip im Stil und nach dem progressiven Frauenbild jener Epoche. Aber bemüht, ihre Vorgängerinnen noch ein Stück weit zu übertreffen, vergisst Reese Witherspoon, die Erwartungen an die innere Wandlung ihrer Heldin zu erfüllen, die der Beginn des Films so glänzend zu schüren weiß.

(Andreas Günther)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
Länge: 116 (Min.)
Verleih: Twentieth Century Fox
Kinostart: 15.01.2015

Cast & Crew

Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Nick Hornby, Cheryl Strayed
Kamera: Yves Bélanger
Schnitt: Jean-Marc Vallée, Martin Pensa
Hauptdarsteller: Reese Witherspoon, Laura Dern, Charles Baker, Michiel Huisman, Brian Van Holt, Gaby Hoffmann, Kevin Rankin, Thomas Sadoski

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: lesbomat am: 26.01.15
Der Film hat durchaus Spaß gemacht, obwohl er ein wenig vorhersehbar ist. Aber es muss ja auch nicht immer total tiefschürfend sein, schöne Landschaftsbilder sind doch auch mal was.
Von: Hartmut T. am: 26.01.15
Mag sein, dass Frauen den Film mögen. Mich hat er eher gelangweilt, weil emotional nicht berührt. Reese W. spielt meist zu stereotyp. Cheryls Mutter war die interessantere Persönlichkeit, die vielleicht eine interessantere Story hergegeben hätte. Einen Vergleich mit "Spuren" will ich nicht machen.
Von: Kristina am: 18.01.15
Phantastischer Film!!!!!!

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