Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Originaltitel:
Le charme discret de la bourgeoisie- TV-Tipp der Woche
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Freitag, 8. Februar 2008, 3sat, 22:25 Uhr
Im Mittelpunkt der Retrospektive der diesjährigen Berlinale steht der spanische Meisterregisseur Luis Buñuel, dessen erster Film Ein andalusischer Hund / Un chien andalou im Jahre 1929 das Kino traf wie ein Faustschlag. Sein Werk, das Buñuel gemeinsam mit Salvador Dalí realisierte, ist bis heute von verstörender Intensität und rüttelt an Tabus, die nach wie vor bestehen. Von Anfang an verband der 1900 in Calenda Geborene die Möglichkeiten des neuen Mediums Film mit den Erkenntnissen der Psychoanalyse und den Techniken des Surrealismus, um in seinen Filmen nicht nur die Realität nachzubilden, sondern sie systematisch um die Dimensionen des Traums und des Unbewussten zu erweitern. Bis zum Ende seines Lebens blieb Buñuel seinen Einflüssen treu und attackierte in seinen Filmen immer wieder die Lethargie und Selbstgefälligkeit des Bürgertums und die Dogmen des Christentums – so auch in Der diskrete Charme der Bourgeoisie / Le charme discret de la bourgeoisie, seinem drittletzten Film, der 1973 den Oscar als bester ausländischer Film erhielt.
Don Rafaele Costa (Fernando Rey), der korrupte Botschafter der fiktiven Republik Miranda in Paris, schmuggelt neben seiner eigentlichen Beschäftigung Drogen und frönt ansonsten seinem Hang zum Luxusleben, an dem auch die beiden Ehepaare Thévenot (Delphine Seyrig und Paul Frankeur) und Sénéchal (Stéphane Audran und Jean-Pierre Cassel) teilnehmen. Doch die ausschweifenden Tafelrunden werden in letzter Zeit immer wieder durch merkwürdige Ereignisse und Angewohnheiten gestört: Da treffen die Gäste bei einer der Soireen allesamt am falschen Tag ein, ein anderes Mal stört die Leiche eines Restaurantbesitzers das Beisammensein und dann muss sich eines der Paare dringend dem ehelichen Beischlaf widmen. Die Reihe der Missverständnisse setzt sich immer weiter fort, und schließlich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Phantasie immer weiter. Denn zahlreiche der Episoden entpuppen sich im Laufe des Films als Träume der einzelnen Protagonisten, so dass sich am Ende niemand sicher sein kann, was er nun wirklich erlebt oder gesehen hat und was nicht…
Leichtfüßig und elegant, vertrackt und doppelbödig – wie kein zweiter verstand es Luis Buñuel, in seinen Filmen das Großbürgertum ins Visier seiner bärbeißig-absurden Kritik zu nehmen und genüsslich zu demontieren. In einer grandiosen Mischung aus Komödie, absurdem Theater, Horrorfilm und Gesellschaftskritik legt er gnadenlos die Ängste, Neurosen und die Dekadenz offen und schafft so seine ganz eigene Zwischenrealität, ohne die Regisseure wie David Lynch und viele andere schlichtweg nicht denkbar wären.
Wer in diesem Jahr nicht auf der Berlinale sein kann, dem sei ein Blick in das Programm von 3sat ausdrücklich empfohlen, denn anlässlich der Retrospektive widmet der Fernsehsender dem großen spanischen Regisseur eine kleine Filmreihe mit weiteren Meisterwerken.
(Joachim Kurz)
Don Rafaele Costa (Fernando Rey), der korrupte Botschafter der fiktiven Republik Miranda in Paris, schmuggelt neben seiner eigentlichen Beschäftigung Drogen und frönt ansonsten seinem Hang zum Luxusleben, an dem auch die beiden Ehepaare Thévenot (Delphine Seyrig und Paul Frankeur) und Sénéchal (Stéphane Audran und Jean-Pierre Cassel) teilnehmen. Doch die ausschweifenden Tafelrunden werden in letzter Zeit immer wieder durch merkwürdige Ereignisse und Angewohnheiten gestört: Da treffen die Gäste bei einer der Soireen allesamt am falschen Tag ein, ein anderes Mal stört die Leiche eines Restaurantbesitzers das Beisammensein und dann muss sich eines der Paare dringend dem ehelichen Beischlaf widmen. Die Reihe der Missverständnisse setzt sich immer weiter fort, und schließlich verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Phantasie immer weiter. Denn zahlreiche der Episoden entpuppen sich im Laufe des Films als Träume der einzelnen Protagonisten, so dass sich am Ende niemand sicher sein kann, was er nun wirklich erlebt oder gesehen hat und was nicht…
Leichtfüßig und elegant, vertrackt und doppelbödig – wie kein zweiter verstand es Luis Buñuel, in seinen Filmen das Großbürgertum ins Visier seiner bärbeißig-absurden Kritik zu nehmen und genüsslich zu demontieren. In einer grandiosen Mischung aus Komödie, absurdem Theater, Horrorfilm und Gesellschaftskritik legt er gnadenlos die Ängste, Neurosen und die Dekadenz offen und schafft so seine ganz eigene Zwischenrealität, ohne die Regisseure wie David Lynch und viele andere schlichtweg nicht denkbar wären.
Wer in diesem Jahr nicht auf der Berlinale sein kann, dem sei ein Blick in das Programm von 3sat ausdrücklich empfohlen, denn anlässlich der Retrospektive widmet der Fernsehsender dem großen spanischen Regisseur eine kleine Filmreihe mit weiteren Meisterwerken.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Originaltitel:
Le charme discret de la bourgeoisie- TV-Tipp der Woche
Produktionsland:
Frankreich
Produktionsjahr:
1972
Länge:
96 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
Regie:
Luis Buñuel
Hauptdarsteller:
Stephane Audran, Michel Piccoli, Bulle Ogier, Fernando Rey, Delphine Seyrig
FILMBEWERTUNG
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