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Der Diktator

Meinungen
8

4 Sterne aus 61 Bewertungen

Originaltitel: The Dictator
Kinostart: 17.05.2012
FSK: 12
Genre: Komödie
Tags: Diktator, Unterdrückung, Demokratie, Sadam Hussein

Beim Barte des Propheten

"Das wird dem Feind ein Lächeln ins Gesicht zaubern", ruft der oberste Führer der Volksrepublik Wadiya und könnte damit genauso gut die streitlustige Entlarvungskomödie seines Alter Ego Sacha Baron Cohen meinen. Deren aggressiver Humor zwingt selbst Antagonisten des britischen Stand-up Comedians ein anerkennendes Grinsen ins Gesicht. Feinde hat Cohen fast so viele wie Admiral General Shabazz Aladeen, zu nicht unbeträchtlichem Teil die verblendeten Opfer jener vorgespiegelten Pressefreiheit, auf die der Titelcharakter der hyperbolischen Politsatire Der Diktator in seiner persönlichen Gunstbezeugung an Medienbeobachter Bezug nimmt.

Ein Beweis für die Wahrhaftigkeit der besagten "einmaligen Zuneigung" ist das Embargo, dem Filmrezensenten unterworfen werden. Der Zweck, der bis zum Starttag verhängten Kritiksperre, ist zweifellos die Verbreitung von dessen Ruhm zu bremsen. Vermutlich ist die Präambel Zufall, vielleicht aber auch die letzte Finte des kontroversen Komikers in der Uniform des exemplarischen Despoten. Letzterer fällt während eines Staatsbesuchs im Feindesland USA einer Intrige seines obersten Truppenbefehlshabers (Ben Kingsley) zum Opfer. Statt auf den von aufgebrachten Demonstranten und nervösen Politikern empfangenen Kriegsverbrecher, richten sich die Augen der Welt auf dessen Doppelgänger. Der Ziegenhirt (ebenfalls Sacha Baron Cohen) ist noch tumber als das Original, das in der Folterkammer eines CIA-Agenten (John C. Reilly) zwar nicht sein Leben verliert, dafür aber seinen Bart. Ohne Osama-Bin-Laden -Gesichtsbehaarung und einer Sonnenbrille, die aussieht wie ein Erbstück Gaddafis, findet Aladeen Arbeit im Bioladen der burschikosen Zoe (Anna Faris).

Sie versucht Aladeen die westliche Lebenskultur nahezubringen, ohne zu ahnen, welcher politische Flüchtling tatsächlich sein Herz für sie entdeckt. In ihrem sozialen, politischen und ökologischen Engagement ähnlich radikal wie Aladeen, inkorporiert ihre Figur eine weitere Facette der intellektuellen Rigidität im kritischen Fokus des scharfkantigen Vexierspiegels. So marginal und simpel der Plot strukturell ist, macht es sich Regisseur Larry Charles dennoch nicht so leicht, ohnehin allseits verurteilten Terrorismus und Extremismus zu parodieren. In seiner Selbstbeweihräucherung und Impertinenz fungiert Admiral General Aladeen weniger als Vorzeigekarikatur eines islamistischen Fanatikers, denn als adäquates Pendant des verkappten Unrechtsstaates, der ihn als hochrangigen Gast hofiert.

Die Rechtsreform, die Aladeen unterzeichnen soll, ist dabei im eigenen Interesse der USA: eine ökonomische, die sich mit einer pro forma erklärten Demokratie begnügt, wenn es denn der eigenen Wirtschaft zuträglich ist. "Alles außerhalb der USA ist technisch gesehen ein Araber.", erklärt der CIA-Leibwächter, der Aladeen nicht dessen Menschenrechtsverletzungen nachträgt, sondern überlegene Foltermethoden neidet. Nebenher führt Cohen seinen in den Rollen chauvinistischer Rapper und schwuler Modereporter begonnenen Feldzug gegen die amerikanische Prüderie mit systematischen Respektlosigkeiten. Provokation und Ironie dieser prominenten Auftritte erreichen die cineastischen nur teilweise. Das Warten auf die nächste der bisweilen von betretenem Schweigen und halb unsicherem Kichern begleiteten Spitzen, mit deren wohl gelungenster Der Diktator gleich zu Beginn auftrumpft, überbrückt ein wechselhaftes Repertoire komödiantischer Routinen, gespickt mit genügend amüsanten Cameo-Auftritten von Stars, dass sich für jeden Zuschauer darunter ein Favorit findet.

"Hat der Wahnsinnige von Wadiya Nuklearwaffen?" Noch nicht, aber der politische Zündstoff, mit dem der Hauptdarsteller als versierter Stand-up-Comedian ostentativ ebenso leichtfertig hantiert wie mit der vermeintlichen Urne Kim Jong-Ils bei der Oscarverleihung, besitzt potentiell ähnliche Sprengkraft. Dass der Funken nur bedingt überspringt, liegt eher an zu viel Konsens mit dem Mainstream-Konzept guten Geschmacks als an dessen Mangel. Die medienwirksamen Aktionen des vorgeblichen Militärherrschers des ebenfalls vorgeblichen Wadiya im Vorfeld enthüllen sich nach Sichtung des Films als die eigentliche Satire. Ihr erklärtes Ziel ist die soziale und politische Demaskierung der USA vor dem Zerrspiegel ihrer eigenen Paranoia. Jenes Staatssystem, das sich kaum minder selbstherrlich aufführt als Aladeen, darf auf sich beziehen, was der Titelcharakter über Zoes Biogeschäft sagt: "Es ist nicht großartig. Es ist nur ein bisschen weniger scheiße."

(Lida Bach)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
Länge: 83 (Min.)
Verleih: Paramount Pictures Germany
Kinostart: 17.05.2012

Cast & Crew

Regie: Larry Charles
Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Jeff Schaffer, Alec Berg, David Mandel
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Eric Kissack, Greg Hayden
Musik: Erran Baron Cohen
Hauptdarsteller: Ben Kingsley, Anna Faris, Sacha Baron Cohen, Megan Fox, John C. Reilly, B. J. Novak

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 8)
Von: Jörg am: 09.06.12
Film aller unterster Schublade und Witze die einen lang anhaltenden Brechreiz auslösen. Von einem Besuch des Films kann ich nur abraten.
Von: Yeah am: 06.06.12
Wir es ein Junge oder eine Abtreibung?
Von: sara am: 01.06.12
Ich habe den Film gesehen. Lustig ist der schon. Manche Szenen hielt ich für übertrieben, manche zu unnatürlich und ohne Verknüpfung zum Inhalt.
Von: Anne Marie@ hans jakob am: 31.05.12
ich gebe dir fölig recht du bisch einfach voll korekt und @holger aldda sack eh schwöööööööööööööör
Von: hans jakob am: 31.05.12
@ Holger ganz ehrlich vielleichr hast du ja kein Humor aber der Film sollte lustig sein viele filme werden wo gedreht wo man das geld mehr braucht also bitte HALT DEINE GOSCH :DDDD

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