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Den Menschen so fern

Meinungen
2

3.5 Sterne aus 4 Bewertungen

Originaltitel: Loin des hommes
Kinostart: 09.07.2015
FSK: 12
Genre: Drama
Tags: Albert Camus, Algerienkrieg, Begegnung, Rotterdam 2014, Toronto 2014, Venedig 2014, Filmfest München 2015

Des Mörders Hüter

Das Arabische, das spreche er aber nicht wie ein Siedler, bemerkt Mohamed (Reda Kateb). Er sei auch kein Siedler gewesen, antwortet ihm Schulmeister Daru (Viggo Mortensen), er und seine Familie hätten mit den Arabern gearbeitet. Was sie denn gearbeitet hätten, fragt Mohamed weiter. Da spuckt der Schulmeister nur aus, wie kein Schulmeister ausspucken würde, und man ahnt, dass der so ruhig beginnende und dann leise verstörende Film Den Menschen so fern um einen Mörder und seinen unfreiwilligen Hüter noch so manche Wendung und seelische Häutung vor sich hat.

1954, in Algerien, am Rande des Atlasgebirges. Während sich die Araber gegen die französische Kolonialherrschaft erheben, unterrichtet der stille Daru ihre Kinder auf Französisch. Bis auf den morgendlichen Unterricht verlaufen die Tage ruhig, ja eintönig. Da kommt ein Nachbar mit einem gefesselten Araber vorbei, Mohamed, der seinen Cousin ermordet hat. Daru solle ihn bitte bei der Polizei abgeben. Er will nicht. Der Nachbar lässt Mohamed einfach da.


Den Menschen so fern einen Western zu nennen, ist schon ganz richtig. Von einem existenziellen Western zu sprechen, ist nicht nur deshalb zutreffend, weil sich Regisseur und Autor David Oelhoffen von einer Kurzgeschichte von Albert Camus inspirieren ließ, sondern auch, weil sein Film Klassikern des Genres aus den 1950er und 1970er Jahren ähnelt: Menschen werden von ihrer Vergangenheit eingeholt und sehen plötzlich keine Zukunft vor sich. Wie in Winchester´73 oder Valdez kommt zeichnet die karge Landschaft hoch paradox in ihrer klaustrophobischen Weite unerbittlich den Weg der Konfrontation mit sich selbst vor. Viggo Mortensen zeigt den Menschen, dem das zustößt.

Wie in A History of Violence, Eastern Promises und zuletzt in Die zwei Gesichter des Januar bringt seine Figur in einer Mischung aus Schmerz und Gleichmut einen anderen Menschen zum Vorschein als sie sein will. Der zivilisierte Schulmeister fällt auf ein früheres Leben zurück, dass er hinter sich lassen wollte, um endlich Gutes zu tun. Aber er hat noch so viel Lebensenergie, dass er damit andere anstecken kann, und nicht weniger eindringlich spielt Reda Kateb den Opferungswilligen, der wankelmütig wird. Einer verliert sich, einer gewinnt sich. Ein reicher Film.

Daten & Fakten

Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2013
Länge: 110 (Min.)
Verleih: Arsenal Filmverleih
Kinostart: 09.07.2015

Cast & Crew

Regie: David Oelhoffen
Drehbuch: David Oelhoffen
Kamera: Guillaume Deffontaines
Schnitt: Juliette Welfling
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Hauptdarsteller: Viggo Mortensen, Reda Kateb, Jérémie Vigot

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: Ingo Knochenhauer am: 09.07.15
Die Beschreibung, den Film einen Western zu nennen, ist möglicherweise auch aus einem weiteren Aspekt vollkommen richtig. So drängt sich aus der Sicht des Handlungsortes gesehen, die Beschreibung der geografischen Region mit in den Blick zu nehmen als einen weitereren Aspekt auf. Dieser rundete die Beschreibung ab, wenn man in Betracht zieht, dass diese Region der Maghreb ist, die arabische Bezeichnung für die dem Sonnenaufgang entgegengesetzte Himmelrichtung.
Von: Suzanne and Leonard C. am: 03.07.15
Wir sind ergriffen von der Camus´schen Epik und die transformationelle Bebilderung im Film, kein leichtes Unterfangen, aber es wurde alles in allem ausgeschöpft, was das Medium hergibt. Eine wunderbare humanistische Parabel über die kleinen und grossen Gefängnisse in uns. wat we call the beginning is often the end and to make an end is to make a beginning. The end is where we start from.

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