Das traurige Leben der Gloria S.

Kinostart: 12.01.2012
FSK: 12
Genre: Komödie
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen Filmwecker stellen In Kinoprogramm finden

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Wieder mal pleite – für die leider nur mittelmäßig talentierte Schauspielerin Gloria Schneider (Christine Groß, eine der beiden Regisseurinnen) aus Berlin ist das schon beinahe ein Dauerzustand. Mühsam hält sie sich mit Auftritten in kleinen Off-Theatern über Wasser und bekommt, wenn sie mal wieder einen Vorschuss benötigt, voller Ernst ihren Anteil von 7,20 Euro in die Hand gedrückt. Kein Wunder, dass sie eines Abends übermüdet und gereizt nach Hause zurückkehrt und die Schlösser ihrer Wohnung ausgetauscht vorfindet – schließlich hat sie seit Monaten die Miete nicht bezahlt. Und nun steht sie da, vor verschlossenen Türen und muss zu ihrer Freundin fliehen, die sie bei sich aufnimmt, bis auch da binnen kurzer Zeit der Haussegen schief hängt.

Doch auch wer vermeintlich erfolgreicher ist, ist deshalb noch lange nicht glücklicher. Davon kann die Regisseurin Charlotte Weiss (Nina Kronjäger) so einiges berichten. Mit Müh und Not bekommt sie einen Film fertig, bei dem jeder der Beteiligten seine eigene Agenda verfolgt und sich wenig darum schert, was die Filmemacherin eigentlich will, die ihrerseits ihr Team mit kruden Anweisungen und ständig neuen Einfällen nervt. Und als dann ihr RAF-Drama bei der Premiere von einem Bekannten abgewatscht wird, steht der Regisseurin der Sinn nach dem echten Leben und nach einem Dokumentarfilm über den harten Überlebenskampf von Frauen, die mit HartzIV auskommen müssen. Weil Charlotte aber in ihrem Elfenbeinturm keinerlei Ahnung hat, wie das "echte Leben" solcher Frauen aussieht und wo man diese antrifft, veranstaltet sie ein Casting, bei dem (natürlich) die professionelle Schauspielerin Charlotte mit einer sagenhaften Lügengeschichte die "echten" Frauen aussticht. Dies ist der Auftakt zu Dreharbeiten, die schnell aus dem Ruder laufen...

Zu Zeiten, in denen sich ernsthaft jemand über die "scripted reality" des Nachmittags- und Abendprogramms bei diversen Privatsendern wundert, bzw. sich darüber mokiert, ist b]Das traurige Leben der Gloria S. längst schon einen Riesenschritt weiter und hält der Selbstbezogenheit und Blindheit der Filmszene (nicht nur jener in der Hauptstadt) den Narrenspiegel vor. Dass die beiden Filmemacherinnen Christina Groß und Ute Schall die Wechselbäder des freischaffenden Kulturlebens zwischen Film und kleinen Theaterproduktionen zu Genüge kennen und genau wissen, wovon sie erzählen, daran besteht angesichts der punktgenauen Dialoge und liebevoll überzeichneten Charakterstudien von Egomanen und Überspannten kein Zweifel. Außerdem knüpft der Film nahtlos an den Vorgänger Ich muss mich künstlerisch gesehen regenerieren (2010) an und stellt im Prinzip eine Langfassung dieses kürzeren Werkes dar. Darüber kann man trotz (oder wegen) der lustvoll zelebrierten Trash-Attitüde, die bisweilen an die frühen Filme Rosa von Praunheims erinnert, an einigen Stellen herzlich lachen. Und vermutlich tut man dies dann besonders heftig, wenn man selbst zu der Szene gehört, die der Film beschreibt.

Dennoch ist Das traurige Leben der Gloria S. nicht nur eine Komödie geworden, sondern auch ein Lehrstück darüber, wie es um den deutschen Film und die Hauptstadtkultur am Rande der prachtvollen Premieren aussieht – und das ist wahrhaftig nur selten komisch. Man sei halt "arm, aber sexy" – mit diesen Worten des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit, die mittlerweile zum Mantra der Kulturschaffenden Berlins geworden sind, die über so manche Durststrecke und viele Frustrationen hinweghelfen sollen, hat b]Das traurige Leben der Gloria S. nur wenig zu tun. Sondern vielmehr damit, dass diese ganz spezielle Mischung aus Verzweiflung und Ich-Bezogenheit, aus Größenwahn, Depression und Prekariat manchmal seltsame Blüten treiben lässt. Wenn es gelänge, diese ganz eigene Rezeptur in den einen oder anderen Film hineinzuretten, dann wäre das deutsche Kino vermutlich weniger langweilig und steif. Na ja, man wird ja noch träumen dürfen...

(Joachim Kurz)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Das traurige Leben der Gloria S.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2011
Länge: 75 (Min.)
Verleih: Salzgeber

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 12.01.2012

Trailer

Fotogalerie

 (7 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.

MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Bisherige Kommentare (Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: filmfatzke am: 17.01.12
Unbedingt reingehen! Das ist doch mal eine schräge Komödie!!!
Von: Jan am: 11.01.12
Sehr sehr lustiger Film. Irgendwie Underground und fast schon Kult. Mehr solche deutschen Filme bitte. Ich habe viel gelacht.
   
KINOSTARTS
24.05 Sharayet - Eine Liebe in Teheran Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Maryam Keshavarz
24.05 The Yellow Sea Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Na Hong-jin
24.05 Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Irina Probost
24.05 Moonrise Kingdom Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Wes Anderson
24.05 Act of Valor Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Mike McCoy, Scott Waugh
24.05 Ein ruhiges Leben Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Claudio Cupellini
CANNES 2012
26.05.12 The Taste of Money
26.05.12 Cosmopolis
26.05.12 Mud
25.05.12 A Respectable Family
25.05.12 Room 237
ARTHOUSE TOP 10
Quelle: AG Kino
1. Lachsfischen im Jemen Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
2. Ausgerechnet Sibirien Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 3
3. Ziemlich beste Freunde Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 21
4. Und wenn wir alle zusammenziehen? Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 8
5. Die Kunst zu lieben Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
6. Best Exotic Marigold Hotel Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 11
7. Barbara Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 12
8. Marley Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
9. Our Idiot Brother Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 2
10. My Week with Marilyn Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 6
Lesercharts TOP 5
1. Moonrise Kingdom Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Wes Anderson
2. Marley Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Kevin MacDonald
3. Frankfurt Coincidences Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Enkelejd Lluca
4. Bar25 - Tage außerhalb der Zeit Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Britta Mischer, Nana Yuriko
5. Hanni und Nanni 2 Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Julia von Heinz
PARTNER