Von Fischen und Menschen
In den fünfziger Jahren bekam ein Beamter der kenianischen Fischereibehörde die Erlaubnis, einige Exemplare des Nilbarsches im Viktoriasee auszusetzen. Eigentlich ein harmloses kleines Experiment, das lediglich dazu dienen sollte, eine Alternative zum zwar essbaren, aber grätenreichen Viktoriabuntseebarsch zu finden. Und tatsächlich schien das Vorhaben zu gelingen, denn schnell füllten sich die Netze der einheimischen Fischer, die alsbald gute Geschäfte machten. Rings um den See entstanden zahlreiche Fischfabriken, die die reiche Beute für den Export weiterverarbeiteten. Doch der gut gemeinte Versuch ging schnell nach hinten los, denn der gefräßige Räuber vom Nil vermehrte sich rapide und beherrschte bald den ganzen See. Binnen weniger Jahre hatte der Nilbarsch die gesamte Artenvielfalt des einstmals wegen seines Artenreichtums von Evolutionsbiologen geschätzten Viktoriasees vollkommen zerstört und das sensible ökologische Gleichgewicht ins Kippen gebracht. Aus dem ehemaligen Lieblingsobjekt von Evolutionsbiologen wurde so Darwins Alptraum.
Nun wäre es für die Verantwortlichen höchste Zeit gewesen, nach dem Entgleisen des Ökosystems schnelle und nachhaltige Gegenmaßnahmen zur Sicherung des Lebensraumes in die Wege zu leiten, doch es geschah nichts, denn die weißen Filets des Nilbarsches, der mittlerweile fast verschämt Viktoria-Barsch genannt wird, sind bis zum heutigen Tage ein echter Exportschlager – mit immensen Subventionen aus den Kassen der EU übrigens. Und so starten und landen Nacht für Nacht riesige Frachtmaschinen an den Ufern des Sees, die die Ware an Bord nehmen und im Austausch dafür beispielsweise Waffen für die zahlreichen Bürgerkriege weiter nach Süden befördern. Ein Kreislauf aus Ausbeutung, Bereicherung, Verelendung, Hunger, Prostitution und AIDS, der sich scheinbar unaufhaltsam auffächert. Und das wirkliche Entsetzliche ist, dass nahezu jeder der Betroffenen um die Missstände weiß, doch niemand etwas dagegen unternimmt.
Der österreichische Filmemacher Hubert Sauper hat sich mit einer kleinen Kamera und einem Begleiter auf eine filmische Reise mit ins Herz der Finsternis begeben und trifft dort an den Ufern des Viktoriasees auf eine seltsame Mischung aus reichen Fischfabrikbesitzern, Agenten der Weltbank, Straßenkindern, russische Piloten und Prostituierten aus Tansania. Behutsam und wohltuend wertneutral führt er Interviews mit den Menschen, lässt sie einfach sprechen, und sehr schnell bekommt der Zuschauer das Gefühl, dass hier verdammt viel schief läuft, doch dass niemand bereit ist, etwas gegen den Wahnsinn zu unternehmen, der mittlerweile so gut wie jeden Lebensbereich erfasst hat. Wie in den Gewässern des Sees, so geht es auch an seinen Ufern zu: die kleinen Fische werden gefressen, leben in unglaublicher Armut, während sich die großen Räuber an ihnen gütlich tun – eine kannibalische Gesellschaft. Es ist mehr als offensichtlich, dass die Aussetzung des Nilbarsches nicht nur das Ökosystem des Sees, sondern auch die Regeln und Möglichkeiten für ein normales Zusammenleben an den Ufern des Sees unmöglich gemacht hat. Ein ganz realer Horrorfilm, der schonungslos die hässliche Seite der Globalisierung offen legt. Schockierend und absolut empfehlenswert!
Nun wäre es für die Verantwortlichen höchste Zeit gewesen, nach dem Entgleisen des Ökosystems schnelle und nachhaltige Gegenmaßnahmen zur Sicherung des Lebensraumes in die Wege zu leiten, doch es geschah nichts, denn die weißen Filets des Nilbarsches, der mittlerweile fast verschämt Viktoria-Barsch genannt wird, sind bis zum heutigen Tage ein echter Exportschlager – mit immensen Subventionen aus den Kassen der EU übrigens. Und so starten und landen Nacht für Nacht riesige Frachtmaschinen an den Ufern des Sees, die die Ware an Bord nehmen und im Austausch dafür beispielsweise Waffen für die zahlreichen Bürgerkriege weiter nach Süden befördern. Ein Kreislauf aus Ausbeutung, Bereicherung, Verelendung, Hunger, Prostitution und AIDS, der sich scheinbar unaufhaltsam auffächert. Und das wirkliche Entsetzliche ist, dass nahezu jeder der Betroffenen um die Missstände weiß, doch niemand etwas dagegen unternimmt.
Der österreichische Filmemacher Hubert Sauper hat sich mit einer kleinen Kamera und einem Begleiter auf eine filmische Reise mit ins Herz der Finsternis begeben und trifft dort an den Ufern des Viktoriasees auf eine seltsame Mischung aus reichen Fischfabrikbesitzern, Agenten der Weltbank, Straßenkindern, russische Piloten und Prostituierten aus Tansania. Behutsam und wohltuend wertneutral führt er Interviews mit den Menschen, lässt sie einfach sprechen, und sehr schnell bekommt der Zuschauer das Gefühl, dass hier verdammt viel schief läuft, doch dass niemand bereit ist, etwas gegen den Wahnsinn zu unternehmen, der mittlerweile so gut wie jeden Lebensbereich erfasst hat. Wie in den Gewässern des Sees, so geht es auch an seinen Ufern zu: die kleinen Fische werden gefressen, leben in unglaublicher Armut, während sich die großen Räuber an ihnen gütlich tun – eine kannibalische Gesellschaft. Es ist mehr als offensichtlich, dass die Aussetzung des Nilbarsches nicht nur das Ökosystem des Sees, sondern auch die Regeln und Möglichkeiten für ein normales Zusammenleben an den Ufern des Sees unmöglich gemacht hat. Ein ganz realer Horrorfilm, der schonungslos die hässliche Seite der Globalisierung offen legt. Schockierend und absolut empfehlenswert!
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Darwin's Nightmare - Darwins Alptraum
Produktionsland:
Frankreich, Österreich, Belgien
Produktionsjahr:
2004
Länge:
107 (Min.)
Verleih:
Arsenal
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
10.03.2005
CAST & CREW
Regie:
Hubert Sauper
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 16)
Von: Mike am: 19.03.11
alles erstunken und erlogen. Sauper will mit simpel klingenden Verschwörungstheorien nur wieder die Menschen aufwiegeln.
Lest die Wahrheit nach und mißtraurt allem, was auf den ersten Blick so logisch klingt...
Von: otten am: 19.07.06
perverse menschen
Von: Reinhardt am: 19.07.06
Ich habe den Film am 18.07.06 im ARD gesehen. Freilich zu einer Sendezeit, die für die Normalbevölkerung vollkommen inakzeptabel ist.
So wie der Film vom filmischen Standpunkt her gemacht wurde, gibt es keine Schwachpunkte. Das was gezeigt wurde, hat mich zu tiefst erschüttert. So viel Wahnsinn kann man nicht begreifen. Die schlimmsten Szenen waren für mich die, in denen deutlich wurde dass eigene Bevölkerung nichts vom Ertrag abbekommt und die mit Maden befallen Fischreste als scheinbar einzeige Nahrungsgrundlage verzehren muss. Es braucht wohl eine ganze Reihe mehr solcher Filme, damit die Welt erfährt auf welchen Rücken unser Wohlstand beruht. Den Preis bezahlen unschuldige Menschen auf einem vergessenen Kontinent.
Von: UNICEF Junior Botschafterin Nana Yaa am: 19.07.06
Der Film hat mich sehr traurig gemacht. Ich wünsche mir, dass die Regierung in Tansania und die verantwortlichen Industrie-Länder sehr schnell etwas zur Verbesserung der Mißstände, der dort lebenden Kinder und Erwachsene tun. Denn wir Kinder sind die Zukunft und das weltweit.
Von: Dagmar am: 05.05.06
Ob dargestellte Lebensgeschichten, Zeitdokumente wahr sind, spürt ein denkender, fühlender, bewusst handelnder Mensch während des Betrachtens.
Realität ... Illusion ... wer hier noch immer behauptet: "ICH habe nichts damit zu tun!" möge sich des weit verbreiteten Spruchs erinnern: "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht" Ich möchte dazu sagen -> "auch Unbewusstheit nicht vor deren Auswirkungen"
auf dass jede/r einzelne Mensch sich seiner selbst bewusst wird und mit Courage, Einsatzbereitschaft seine Wahrheiten, Wahrnehmungen offen und ehrlich in die Welt der Erscheinung bringt und endlich rechtliche Richtigkeit ersetzt wird durch richtige Gerechtigkeit und Teil unserer aller Lebenserfahrung.
Alles Liebe
benamses
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