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Columbus Circle

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Genre: Thriller
Tags: Wohnung, Erbin, Agoraphobie, Fantasy Filmfest 2012

Room at the Top

"Ist das nicht seltsam?", fragt Mr. Klandermann (Kevin Pollak) die neuen Mieter in dem vornehmen Hochhaus, dessen Concierge er ist. Seltsam, wie die alte Dame aus einem der beiden Penthouses auf der obersten Etage ums Leben gekommen ist und seltsam, dass die neuen Mieter Lilian (Amy Smart) und Charles (Jason Lee) ausgerechnet diese Wohnung beziehen werden. "Man sagt, sie sei die Treppe heruntergefallen.", erzählt Klandermann dem jungen Paar. Was die alte Dame, die er in ihrem Apartment fand, ihm vor ihrem Tod noch sagte, erzählt er nicht. Er erzählt nur, dass ihre Tür unverschlossen war und fragt: "Ist das nicht seltsam?"

Es hausen noch mehr Mysterien am Columbus Circle. In der noblen Wohngegend in New York liegt der Punkt, von dem aus die offiziellen Wegstrecken der Stadt gemessen werden. Der Columbus Circle ist auch der Ort, an dem die Handlungsstränge von George Gallos gleichnamigem Thriller zusammenlaufen. Dort steht das Apartmentgebäude, das Abigail Clayton (Selma Blair) seit fast zwei Jahrzehnten nicht verlassen hat, und dessen Innenräumen die Kamera kaum entkommt. Seltsam, dass Abigail aus dem benachbarten Penthouse ihre Tür nicht einmal dem ermittelnden Inspektor Frank Giardello (Giovanni Ribisi) öffnen will und noch seltsamer, dass die neurotische Autorin bezüglich der Wohnung der Toten Kaufabsichten hegte. Das verschlungene Intrigenspiel, dass sich in dieser Wohnung vor dem Zuschauer entspinnt, gibt sich so blankpoliert und kühl wie die mondäne Kulisse. Der Handlungsort ist nicht nur in gesellschaftlichem Sinne exklusiv; für die psychisch kranke Abigail ist er es auch im praktischen.

Seitdem ihr Vater ihr als sie 18 Jahre alt war ein Vermögen hinterließ, führt die Erbin ein Leben ganz oben: oben in der Elite, oben in ihrem Apartment und ganz oben auf dem Gipfel ihrer eigenen Paranoia. Die Existenz der einzelgängerischen Hauptfigur könnte sorglos sein. Stattdessen ist sie bestimmt von Angst. Agoraphobie, Furcht vor offenen Plätzen und Menschenmassen, macht Abigail zur Gefangenen ihrer eigenen Behausung, in die sie nur ihren Arzt und einzigen Vertrauten Dr. Fontaine (Beau Bridges) lässt. Ihre Selbstisolation durchbricht sie abrupt in der Nacht, als sie Zeugin einer brutalen Auseinandersetzung zwischen Lilian und Charles wird. Die Apartmenttür, die stets verschlossen blieb, öffnet Abigail nun für ihre Nachbarin. Deren von Gewalt und unerfüllten Träumen geprägtes Dasein, von dem Lilian bei einem späteren Treffen erzählt, erinnert Abigail an die eigene Jugend. Irgendwo in ihrer Kindheitserinnerung schlummert das Trauma, das sie veranlasste, sich fast zwanzig Jahre in ein privates Gefängnis zu sperren und irgendwo in Abigails Hintergrundgeschichte ruht das Potential für einen fesselnden Mystery-Thriller wie es „Columbus Circle“ hätte sein können.

An die großen Vorbilder Hitchcock und Polanski, deren klaustrophobischen Meisterwerken der Plot huldigt, reicht der lückenhafte Krimi nicht heran. Gallo und Co-Drehbuchautor Kevin Pollack, der als Concierge quasi eine Schlüsselrolle spielt, verschachteln ihre Geschichte unnötig und verschenken somit die Möglichkeiten des vielversprechenden Ausgangsszenarios. Gediegener als ein durchschnittlicher Fernsehkrimi, aber fadenscheiniger als ein respektabler Kinofilm, genügt Columbus Circle zumindest als glatt und mit solidem Ensemble inszenierter Psychokrimi, in dem es um viel Geld und noch mehr Geheimnisse geht.

Die entscheidende Schwäche liegt darin, dass letztere entweder zu durchschaubar sind oder bis zum Ende ungelöste Rätsel bleiben - wie das Rätsel, was dieser ganz und gar un-phantastische Film auf einem Fantasy Filmfestival verloren hat.

(Lida Bach)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
Länge: 82 (Min.)

Cast & Crew

Regie: George Gallo
Drehbuch: George Gallo, Kevin Pollak
Kamera: Anastas N. Michos
Schnitt: Malcolm Campbell
Musik: Brian Tyler
Hauptdarsteller: Giovanni Ribisi, Jason Lee, Kevin Pollak, Amy Smart, Beau Bridges, Selma Blair

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