Bedways

Kinostart: 03.06.2010
FSK: 16
Leserbewertung:
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Gewagt und gewonnen

Deutschland ist ja nun nicht gerade bekannt dafür sinnliche Erotikfilme zu drehen. Überhaupt ist Erotik im deutschen Film meist noch recht spröde und langweilig. Mit Bedways wurde jetzt ein Versuch gestartet, das zu ändern. Nachdem Filme wie 9 Songs oder Intimacy die Tür für "Arthouse-Pornographie" aufgestoßen haben, folgt jetzt der deutsche Filmemacher RP Kahl mit einer experimentelleren Variante des Themas.

In einem völlig heruntergekommenen Apartment in Berlin treffen sich Marie, Hans und Nina zu Probeaufnahmen. Nina will einen Film drehen, mit echtem Sex und Gefühl, aber ohne Drehbuch. Eine Idee hat sie auch nicht, so hofft sie auf Inspiration von Hans, ihrem Ex-Liebhaber und Marie, der jungen Schauspielerin. Von Anfang an brodelt es zwischen den Dreien. Nicht nur die von allen erwartete erotische Explosion ist im vollen Gange. Auch andere Gefühle wie Schmerz, Eifersucht und dem Bedürfnis nach Liebe reihen sich in die kalten Tage im Apartment mit ein. So wird aus den Aufnahmen ein emotionaler Minikosmos, in den sich alle nach und nach fallen lassen.

RP Kahls Low-Budget Film ist ein gewagtes Projekt. Ein kleines Kammerspiel mit experimentellem Erzählstil und drei Schauspielern, die nach und nach Körper und Seele entblößen. Die Ästhetik, die sich dabei zwischen Kamera und Schauspiel entwickelt, ist unprätentiös und schön zugleich, auch wenn man sich an das Unterkühlte des gesamten Filmes erst gewöhnen muss. Manchmal wirken die Dialoge ein wenig selbstgefällig, teils auch krude, doch der Film vermag es nach und nach die erotische Spannung aufzubauen. Dass RP Kahl den sexuellen Höhepunkt gleich an den Anfang des Filmes setzt, macht Bedways umso interessanter. Damit nimmt er dem Voyeurismus sofort den Wind aus den Segeln und verschiebt das Interesse auf die kleinen Zwischenmenschlichkeiten aus denen Begierde und Sexualität ebenfalls entstehen.

Bei aller Intimität, die Kamera bleibt immer ein wenig auf Abstand zum Geschehen. In sauberer, fast schon steriler Digitaloptik beobachtet sie gern aus überraschenden Blickwinkeln das Treiben der Protagonisten. Dabei wirkt sie erstaunlich unvoyeuristisch, fast schon dokumentarisch neutral. Wie sehr Bedways mit Medialität und deren Grenzen spielt, zeigt sich vor allem in der letzten Szene. Nina und Hans masturbieren vor einander. Dabei sind sie getrennt in zwei verschiedenen Räumen, sehen einander nur über Monitore. Sie masturbieren vor der Kamera, in die Technik hinein und weit entfernt von der Menschlichkeit, die sie doch die ganze Zeit suchen. Die Entblößung findet mit Abstand statt und als schließlich ihre selbst gewählten Grenzen aufgehoben werden und beide zueinander finden, schwenkt die Kamera ab. Sie ist nicht mehr nötig.

(Beatrice Behn)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Bedways
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2010
Länge: 76 (Min.)
Verleih: Reverse Angle

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 03.06.2010

Trailer

Fotogalerie

 (6 Bilder)

FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 5)
Von: Renato am: 28.05.11
Ich finde den Film sehr gelungen und philosophisch! Starkes Machwerk
Von: Kim_T am: 30.12.10
Ich fand den Film Klasse. Gute Musik. Tolle klare Bilder. Intelligent. Berlin-Style. Und Sex. Den man auch direkt sehen kann. Also ich habe mir gerade die DVD auf Amazon vorbestellt. Klar ist das ein Film, der entweder gehasst oder geliebt wird. Bei Spiegel Online wird er geliebt. Da ist er unter den Top8 für das Jahr 2010 als einziger deutscher Film.
Von: czesna am: 23.09.10
Niveauloses Rumgefummel. Schlicht und gefühllos, dazu sinnentleerte Phrasen. Es ist tatsächlich Kunst, 78 Minuten so rumzukriegen, dass der Zuschauer nicht die Kinoflucht ergreift.
Von: Giancarlo am: 19.07.10
"Überhaupt ist Erotik im deutschen Film meist noch recht spröde und langweilig. Mit "Bedways" wurde jetzt ein Versuch gestartet, das zu ändern." -> leider ist es bei einem kläglich gescheiterten versuch geblieben. die handlung ist etwa gleich spannend wie in einem po rno-film, aber da gibts wenigstens po rno...
Von: anilo am: 07.07.10
Selten einen dermaßen flachen Film gesehen!!! Die Intention nach Innovation wurde einem nicht auf einem Silbertablett serviert, sondern quasi mit einem Küchentablett ins Gesicht gehauen. Ohne Erfolg! Der Film kriegt einfach nicht die Kurve, auch wenn ich wirklich offen für alles bin, aber Fehlanzeige. Der absolute Höhepunkte dieser auf pseudo-psychogogisch getrimmten Inszenierung aus nicht tiefsinnigen Einzelaussagen, noch weniger ästhetischen Close-ups und "Ich klau mal was beim Trier" ist das plakative Zitat von Foucault am Ende des Films. Der ist ja, wie wir wissen, seit einiger Zeit unter der Erde und wenn auch ein Klassiker, so gibt es doch Ausgereifteres zum Thema Sexualität, Begierde und deren konsumhafter Aneignung heutzutage. Aber gur, Foucault ist irgendwie auch ein Name, der dankbar genommen wird, um jede Form von fehlender eigener Erkenntnis zu kaschieren. Ich habe keine Idee, aber Dingsda sagte ja mal ... Für mich war der Film eine totale Enttäuschung, nur für den Mut der Hauptdarstellerin hab ich eventuell ein anerkennendes Lächeln übrig.
   
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