Batman Begins

Kinostart: 16.06.2005
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Am Anfang war die Angst

„Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?“ Im ersten Buch Moses, Kapitel 18, 23 stellt Abraham diese Frage seinem Gott, einem rächenden Gott. Doch auch nach einer langwierigen Argumentationsreihe kann er lediglich verhindern, dass sein Bruder Lot und dessen Familie mit allen anderen Bewohnern von Sodom und Gomorra vernichtet wird. Es ist also eine uralte, eine biblische Frage, mit der sich Batman im großen Showdown von Batman Begins konfrontiert sieht. Eine jahrhunderte alte, mächtige Vereinigung, die Schattenliga, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gotham City, einen Moloch in dem Korruption und Kriminalität an der Tagesordnung stehen, zu vernichten. Und wie Abraham entsetzt an die unschuldigen Seelen unter den Bewohnern Sodoms und Gomorras erinnert, so erinnert auch Batman an die guten Menschen unter den Bewohnern seiner Stadt. Dass er diesen Disput ausgerechnet mit seinem Lehrmeister Ducard (gespielt von einem ungewohnt schurkigen Liam Neeson) führt, dem Mann, der unter anderem dafür verantwortlich ist, dass aus Bruce Wayne schließlich Batman werden kann, scheint Ironie des Schicksals. Immerhin ist Ducard derjenige, der den haltlosen, orientierungslosen und vor Wut, Schuldgefühlen und Rachegelüsten innerlich berstenden Bruce Wayne (eindringlich gespielt von einem beeindruckenden und sehr präsenten Christian Bale) eine Richtung aufzeigt. Er schult ihn darin seine Gefühle in Stärke zu verwandeln, lehrt ihn sogar seine (Ur-)Ängste zu kanalisieren. Von ihm geleitet trainiert Bruce Wayne unterschiedliche geistige und körperliche Kampftechniken, so auch die uralte Kunst der Ninja, stets getrieben von dem Ziel jenen Furcht ein zu flößen, die selbst Furcht und Schrecken in Gotham City verbreiten.

Doch die eigentliche Frage, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film zieht, lautet: Wann spricht man von Gerechtigkeit, wann von Rache, wann von Strafe und wann von Selbstjustiz? Die Antwort ist der Grund, warum sich Bruce von der Schattenliga abwendet und sich sogar über seinen Mentor erhebt: „Beim Recht geht es um Ausgleich und Harmonie, bei der Rache geht es um die eigenen Gefühle.“ Gesagt hat diese weisen Worte ursprünglich Bruce Waynes Jugendliebe Rachel Dawes (Katie Holmes). Um diese Weisheit für sich als Lösung zu akzeptieren, dafür muss Bruce Wayne einen weiten Weg gehen. Einen Weg, den Batman Begins sehr eindringlich schildert: „Es gibt keinen genauen Bericht darüber, wie Batman zu dem wurde, der er ist. Aber in den verschiedenen Varianten der Heldenchronik gibt es eine Reihe von Meilensteinen, von Schlüsselerlebnissen, die Batman geprägt und zur Legende geformt haben. Und es gibt eine Reihe höchst interessanter Lücken im Mythos, die wir jetzt selbst interpretieren“, erklärt Regisseur Chris Nolan – bisher bekannt geworden durch seine eindrucksvollen Filme Memento und Insomnia – seine Herangehensweise an den Stoff.

Das Resultat: Nach einer achtjährigen Leinwandabstinenz meldet sich Batman zurück. Nichts erinnert noch an das quitschig bunte Popcorn-Kino von Joel Schumachers Batman und Robin mit einem allzu glatten George Clooney als Batman und einem fast schon pubertierenden Robin, gespielt von Chris O`Donnell. In Batman Begins kehrt Batman als der zurück, als der er einst in den Comics angetreten war – als Schwarzer Ritter. Von der ersten Sekunde an verfolgt der Film ein Ziel - zu zeigen, wie aus Bruce Wayne Batman wurde. Der Zuschauer wird Zeuge wie zwei schwerwiegende Traumata das Leben des jungen Bruce Wayne dramatisch verändern. Allen voran prägt ihn die Ermordung seiner Eltern, bei der er dazu verdammt ist alles ohnmächtig mit ansehen zu müssen. Danach fristet er ein Zombie gleiches Dasein – zahlreiche Flashbacks zeigen, wie sehr ihn Alpträume, Selbstvorwürfe und blanker Zorn quälen. Der einzige Mensch, der ab und an noch zu diesem in sich selbst verkapselten jungen Bruce Wayne durchdringen kann, ist sein Butler und Vormund Alfred. Michael Caine brilliert in einer Paraderolle als fürsorglicher und väterlicher Freund, die er mit einer ordentlichen Prise britischen Humor würzt. Ganz behutsam wird das besondere Verhältnis zwischen den zwei Bewohnern des Wayneschen Anwesens porträtiert.

Und genau das ist wohl das Besondere am neuesten Batman-Streifen – die Menschen stehen im Vordergrund, mit all ihren Stärken und Schwächen. Sie verharren nicht als eindimensionale Figuren auf der Leinwand, sondern entfalten sich, nehmen Raum ein, erwachen zu Leben. Da gibt es die prinzipientreue Jugendfreundin von Bruce Wayne Rachel Dawes (tough interpretiert von Katie Holmes). Sie arbeitet für die Staatsanwaltschaft und stellt sich unerschrocken den Ganoven der Stadt entgegen. Sie fürchtet sich weder vor dem berüchtigten Unterweltboss Carmine Falcone (überraschenderweise besetzt mit Tom Wilkinson) noch vor dem offensichtlich korrupten Psychiater Dr. Jonathan Crane (Cillian Murphy – ein Name, den man sich merken sollte). Einzig der von Gary Oldman überzeugend zu Leben erweckte Jim Gordon scheint der letzte noch Recht schaffende Polizist in diesem Sumpf des Verbrechens zu sein. Somit ist er es auch, dessen Zusammenarbeit Batman konsequenter Weise sucht.

Chris Nolan, der gemeinsam mit David S. Goyer an dem Drehbuch schrieb, gelingt es den unterschiedlichen Charakteren ebenso viel Raum zu lassen, wie den Aktionsszenen. Der ganze Film ist bestimmt von dunklen Farben, einer fast schon bedrückenden Düsternis. In eindrucksvollen und spannungsgeladenen Einstellungen fliegen Gebäude in die Luft, wirbeln Ninja-Kämpfer in aufwendig choreographierten Martial-Art-Szenen über die Leinwand, liefern sich Polizeikarossen ein fesselndes Rennen mit dem Batmobil. Alles in einem atemberaubenden Tempo geschnitten und mit einer Kamera gefilmt, die immer ganz dicht dran ist. Sie verschweigt auch nicht, dass Batman stets mit Blessuren aus seinen Kämpfen herausgeht. Batman ist nicht unverwundbar, er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Psychologische Authentizität ist wohl die größte Stärke des Films. Denn Batman taucht nicht einfach in Gotham City auf und sorgt für Recht und Ordnung. Es ist vielmehr ein langsamer Entwicklungsprozess. Ganz allmählich nähert sich Bruce Wayne der Verwirklichung seines Plans. Dabei berät er sich immer wieder mit seinem Vertrauten Alfred. Aber auch mit Lucius Fox (spitzbübisch gespielt von Morgan Freeman), der in der Abteilung für angewandte Wissenschaften bei Wayne Enterprises arbeitet und diverse Prototypen, neu entwickelte Hightech-Materialien sowie neuartige Waffen verwaltet. Er ist es auch, der einem begeisterten Bruce Wayne den Prototyp eines Militärfahrzeuges, das schließlich zum legendären Batmobil wird, präsentiert. Es zeigt sich schnell: Jede Entscheidung ist wohl überlegt, jede Entwicklung, jedes Equipment genauestens durchdacht. Ganz bewusst wählt Bruce Wayne das Fledermaus Kostüm. Er trainiert und arbeitet wie ein Besessener sowohl an seinem Furcht einflößenden Alter Ego als auch an seinem Image als oberflächlicher Playboy.

Am Ende wird Batman für die Bewohner von Gotham City zum Symbol für Recht und Ordnung. Er hat sein Amt eindrucksvoll und erfolgreich angetreten, hat die Angst bekämpft, den Schrecken für einen kurzen Augenblick abgewendet. Dass dies erst der Anfang ist, darauf wird sehr elegant hingewiesen. Aufmerksame Zuschauer können ahnen, welchem Schurken Batman als nächstes entgegentreten wird. Alles in allem ist Chris Nolan mit seinem beeindruckenden Stab an durchweg überzeugenden Darstellern – allen voran sei noch einmal Christian Bale erwähnt, dem wohl die bisher überzeugendste und eindrucksvollste Batman-Darstellung geglückt ist – ein grandioses Batman-Regie-Debüt gelungen. Man darf gespannt sein auf die nächsten grandiosen Heldentaten des schwarzen Ritters, Heldentaten für die guten Seelen seiner Stadt, Gotham City.

(Jasmin Haery)

© des Bildes und des Trailers: Warner Bros. Ent.

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Batman Begins
Produktionsjahr: 2004
Länge: 141 (Min.)
Verleih: Warner Bros. Pictures

VERÖFFENTLICHUNGEN

Kinostart: 16.06.2005

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FILMBEWERTUNG

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 5 von insgesamt 10)
Von: laserburn am: 20.07.08
nolan erzieht den massengeschmack, und ich bin froh darüber.Nach ein Paar hervorragenden "MAinstream"- Streifen wird er kann er dann seinen Giftschrank öffnen und dabei auf ein enorm Gewachsenes Publikum mit geschaerftem GEschmack zurückgreifen.
Von: Vigilant am: 02.12.06
Der bisher beste Batman Film. Hyperrealistisch und perfekt umgesetzt. Dazu noch ein wirklich gutes Starensemble. Was will man als Batmanfan mehr?
Von: Der Redaktör am: 14.07.05
Doch doch, unser Excel- Programm stimmt schon. Wenn du weiter schaust, sind 61 Stimmen mit sechs Sternen abgegeben worden, die sorgen für den guten Schnitt, der sich in einem Resultat von 5,19 Sternen niederschlägt. Und wenn er unserer Kritikerin halt gefallen hat, dann findet sich das eben auch in der Kritik nieder. Mein Cup of Tea war Batman noch nie, aber so gehen eben die Meinungen auseinander.
Von: Clemens Jenaczek am: 14.07.05
Mir hat der Film nur ausreichend gefallen, da er von der "martial-arts" welle profitiert, ohne wirklich durch Brillianz (Matrix I z.B.)zu überzeugen. Ich finde Ihre kritik zu gefällig und verstehe nicht die Vergabe von 5 Sternen (!) wenn nur 11 von 85 Bewertungen positiv waren. Stimmt Ihr excel-Programm nicht mehr oder ist es von der Schattenliga unterwandert? Mit enttäuschten Grüßen Clemens Jenaczek
Von: Rächer mit dem Becher am: 02.07.05
Absolut geil ! Glatte 1 + , spannend , glaubwürdig , düster und bedrohlich zugleich. Highlight 2005...schreit nach Teil 2.
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