Das Leben geht weiter
Der gestrige Wettbewerbstag in Cannes stand ganz im Zeichen von Woody Allens neuem Film Match Point, der nur deshalb keiner der ganz heißen Favoriten auf die Goldene Palme ist, weil er außerhalb des Wettbewerbs läuft. Ein wenig droht dieser Glanz die Filme des Wettbewerbs zu überdecken.
„Bashing“ ist ein Slang-Ausdruck für die öffentliche Beschimpfung und Ausgrenzung von bestimmten Gruppen oder Einzelpersonen, und tatsächlich geht es auch in Masahiro Kobayashis Wettbewerbsbeitrag um das systematische Fertigmachen einer Person. In diesem Fall ist es das Mädchen Yuko (Fusako Urabe), das im Nahen Osten (vermutlich im Irak, auch wenn das niemals explizit erwähnt wird) an einer humanitären Mission teilnahm und als Geisel monatelang festgehalten wurde. Nach ihrer Rückkehr gerät sie ins Visier von Nachbarn, Freunden, aber auch von Fremden, die sie terrorisieren, Gerüchte über die angebliche Vaterlandsverräterin in die Welt setzen und schließlich sogar dafür sorgen, dass nicht nur sie, sondern auch ihr Vater (Ryuzo Tanaka) seine Arbeitsstelle verliert – in Japan unter normalen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit. Doch wie dem Vater sein Chef zu verstehen gibt, schadet seine Anwesenheit dem Ansehen der Firma. Die Familie gerät aus der Bahn und Yuko wird mehr und mehr zur Belastung, zum öffentlichen Ärgernis. Schließlich kann sie nicht einmal mehr normal einkaufen, sondern muss in die Anonymität einer McDonald’s-Filiale flüchten, weil das Geschäft um die Ecke ihr nichts mehr verkauft. So bleibt ihr fast als einziger Ausweg noch die Reise an jenen Ort übrig, wo sie möglicherweise die schlimmste und schönste Zeit ihres Lebens verbracht hat.
So erschreckend Kobayashis Film auch ist, so viele Frage lässt er andererseits offen. Zwar ist es offensichtlich, dass der Regisseur auf den Irak-Konflikt anspielt, doch ob Yuko mit ihrer Beteiligung an einer humanitären Hilfsaktion in Opposition zur offiziellen japanischen Haltung stand, wird beispielsweise niemals thematisiert. Worin also genau die Schande besteht, die Yuko über ihre Familie und ihr Land gebracht haben soll, bleibt im Ungefähren. Auch die Erlebnisse während der Geiselhaft bleiben im Dunkeln, so bleibt der Film eine Studie über die rigorosen Machtmechanismen der japanischen Gesellschaft, der aber genauso gut von einem anderen Opfer öffentlicher Ablehnung handeln könnte. Ein konkreter politischer Bezug zum aktuellen Geschehen unterbleibt. Trotzdem geht der Film unter die Haut, weil er eindringlich zeigt, wie wenig Wert Menschen besitzen, wenn sie erst einmal von der Gesellschaft zu Außenseitern abgestempelt worden sind.
„Bashing“ ist ein Slang-Ausdruck für die öffentliche Beschimpfung und Ausgrenzung von bestimmten Gruppen oder Einzelpersonen, und tatsächlich geht es auch in Masahiro Kobayashis Wettbewerbsbeitrag um das systematische Fertigmachen einer Person. In diesem Fall ist es das Mädchen Yuko (Fusako Urabe), das im Nahen Osten (vermutlich im Irak, auch wenn das niemals explizit erwähnt wird) an einer humanitären Mission teilnahm und als Geisel monatelang festgehalten wurde. Nach ihrer Rückkehr gerät sie ins Visier von Nachbarn, Freunden, aber auch von Fremden, die sie terrorisieren, Gerüchte über die angebliche Vaterlandsverräterin in die Welt setzen und schließlich sogar dafür sorgen, dass nicht nur sie, sondern auch ihr Vater (Ryuzo Tanaka) seine Arbeitsstelle verliert – in Japan unter normalen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit. Doch wie dem Vater sein Chef zu verstehen gibt, schadet seine Anwesenheit dem Ansehen der Firma. Die Familie gerät aus der Bahn und Yuko wird mehr und mehr zur Belastung, zum öffentlichen Ärgernis. Schließlich kann sie nicht einmal mehr normal einkaufen, sondern muss in die Anonymität einer McDonald’s-Filiale flüchten, weil das Geschäft um die Ecke ihr nichts mehr verkauft. So bleibt ihr fast als einziger Ausweg noch die Reise an jenen Ort übrig, wo sie möglicherweise die schlimmste und schönste Zeit ihres Lebens verbracht hat.
So erschreckend Kobayashis Film auch ist, so viele Frage lässt er andererseits offen. Zwar ist es offensichtlich, dass der Regisseur auf den Irak-Konflikt anspielt, doch ob Yuko mit ihrer Beteiligung an einer humanitären Hilfsaktion in Opposition zur offiziellen japanischen Haltung stand, wird beispielsweise niemals thematisiert. Worin also genau die Schande besteht, die Yuko über ihre Familie und ihr Land gebracht haben soll, bleibt im Ungefähren. Auch die Erlebnisse während der Geiselhaft bleiben im Dunkeln, so bleibt der Film eine Studie über die rigorosen Machtmechanismen der japanischen Gesellschaft, der aber genauso gut von einem anderen Opfer öffentlicher Ablehnung handeln könnte. Ein konkreter politischer Bezug zum aktuellen Geschehen unterbleibt. Trotzdem geht der Film unter die Haut, weil er eindringlich zeigt, wie wenig Wert Menschen besitzen, wenn sie erst einmal von der Gesellschaft zu Außenseitern abgestempelt worden sind.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Bashing - Cannes 2005
Produktionsland:
Japan
Produktionsjahr:
2005
Länge:
82 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
01.01.2005
CAST & CREW
Regie:
Masahiro Kobayashi
Hauptdarsteller:
Fusako Urabe, Ryuzo Tanaka, Nene Otsuka, Takayuki Kato, Kikujiro Honda
FILMBEWERTUNG
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