Berlinale 2009: Panorama
Wie lebt es sich als Frau in einer islamischen Gesellschaft wie in Indonesien? Fünf junge Regietalente – Iwan Setiawan, Muhammad Ichsan, Lucky Kuswandi, Ucu Agustin, Ani Ema Susanti – machen eine Bestandsaufnahme und zeigen in vier Episoden augenöffnende Probleme auf: Das Leben von indonesischen Hausmädchen in Hongkong, die weibliche Beschneidung, Prostitution und der schwierige Besuch des Frauenarztes in Indonesien.
Die erste Episode Effort For Love von Ani Ema Susanti beschäftigt sich mit Ruwati and Riantini, die sich als Hausmädchen ihr Geld in Hongkong verdienen, um sich und ihrer Familie zurück in Java ein besseres Leben zu ermöglichen. Beide führen ein ziemlich glückliches Leben in der Fremde. Sie geben einen sehr intimen Einblick in ihr privates Leben: Ruwati leidet an Gebärmutterkrebs. Ihr zukünftiger Ehemann daheim in Indonesien ist mit einer Operation nicht einverstanden, da diese ihre Jungfräulichkeit beeinträchtigen würde. Riantini lebt mit einer anderen indonesischen Frau zusammen – akzeptiert in Hongkong, ein Tabu in Indonesien.
Die zweite Episode What’s The Point? von Iwan Setiawan und Muhammad Ichsan nimmt die immer noch weit verbreitete weibliche Beschneidung von indonesischen Frauen unter Lupe. Selbst kleine Babys werden heute noch beschnitten, wobei dies in ländlichen Regionen viel gebräuchlicher ist als in Städten. Traditionelle Indonesier glauben, durch Beschneidung Frauen böse Geister auszutreiben und damit ein promiskuitives, "unsauberes" Leben zu verhindern. Wer glaubt, Beschneidung findet heute nur noch in Afrika statt, wird hier eines Besseren belehrt.
Dass es als unverheiratete Frau schwer ist, einen Frauenarzt für die Vorsorge zu finden, schildert die dritte Episode Miss. Mrs.? von Lucky Kuswandi. Selbst in der Hauptstadt Jakarta ist der Gynäkologen-Besuch für viele Frauen sogar noch ein Tabu. Wenn man sich jedoch als Single-Frau untersuchen lassen will, lehnen das viele Ärzte aus moralischen Gründen ab. Kuswandi filmt mit versteckter Kamera und begleitet die Frauen beim Arztbesuch.
Ucu Agustin beschäftigt sich in der vierten Episode Our Children’s Fund mit Frauen, die nachts einem zweiten Job nachgehen, weil ihr tagsüber verdientes Geld zum Leben nicht reicht. Mit Prostitution auf dem Friedhof Bolo verdienen sie sich ein paar Dollar dazu. Bei ihrer Arbeit und im Alltag beobachtet werden Nur und Mira, Mütter die tagsüber Steine zerschlagen und nachts auf den Friedhof gehen und ihren Körper für einen Dollar pro Akt verkaufen.
At Stake ist eine sehr investigative Dokumentation, die tief im Sumpf wühlt. Manche Szenen sind so brutal und knallhart, dass man gar nicht glaubt, dass es auf der anderen Seite der Welt noch so archaisch zugeht. Umso wichtiger ist es, dass es solche Filme gibt. Die Möglichkeit, sie auf dem Festival anzusehen, sollte man daher unbedingt nutzen!
(Katrin Knauth)
Die erste Episode Effort For Love von Ani Ema Susanti beschäftigt sich mit Ruwati and Riantini, die sich als Hausmädchen ihr Geld in Hongkong verdienen, um sich und ihrer Familie zurück in Java ein besseres Leben zu ermöglichen. Beide führen ein ziemlich glückliches Leben in der Fremde. Sie geben einen sehr intimen Einblick in ihr privates Leben: Ruwati leidet an Gebärmutterkrebs. Ihr zukünftiger Ehemann daheim in Indonesien ist mit einer Operation nicht einverstanden, da diese ihre Jungfräulichkeit beeinträchtigen würde. Riantini lebt mit einer anderen indonesischen Frau zusammen – akzeptiert in Hongkong, ein Tabu in Indonesien.
Die zweite Episode What’s The Point? von Iwan Setiawan und Muhammad Ichsan nimmt die immer noch weit verbreitete weibliche Beschneidung von indonesischen Frauen unter Lupe. Selbst kleine Babys werden heute noch beschnitten, wobei dies in ländlichen Regionen viel gebräuchlicher ist als in Städten. Traditionelle Indonesier glauben, durch Beschneidung Frauen böse Geister auszutreiben und damit ein promiskuitives, "unsauberes" Leben zu verhindern. Wer glaubt, Beschneidung findet heute nur noch in Afrika statt, wird hier eines Besseren belehrt.
Dass es als unverheiratete Frau schwer ist, einen Frauenarzt für die Vorsorge zu finden, schildert die dritte Episode Miss. Mrs.? von Lucky Kuswandi. Selbst in der Hauptstadt Jakarta ist der Gynäkologen-Besuch für viele Frauen sogar noch ein Tabu. Wenn man sich jedoch als Single-Frau untersuchen lassen will, lehnen das viele Ärzte aus moralischen Gründen ab. Kuswandi filmt mit versteckter Kamera und begleitet die Frauen beim Arztbesuch.
Ucu Agustin beschäftigt sich in der vierten Episode Our Children’s Fund mit Frauen, die nachts einem zweiten Job nachgehen, weil ihr tagsüber verdientes Geld zum Leben nicht reicht. Mit Prostitution auf dem Friedhof Bolo verdienen sie sich ein paar Dollar dazu. Bei ihrer Arbeit und im Alltag beobachtet werden Nur und Mira, Mütter die tagsüber Steine zerschlagen und nachts auf den Friedhof gehen und ihren Körper für einen Dollar pro Akt verkaufen.
At Stake ist eine sehr investigative Dokumentation, die tief im Sumpf wühlt. Manche Szenen sind so brutal und knallhart, dass man gar nicht glaubt, dass es auf der anderen Seite der Welt noch so archaisch zugeht. Umso wichtiger ist es, dass es solche Filme gibt. Die Möglichkeit, sie auf dem Festival anzusehen, sollte man daher unbedingt nutzen!
(Katrin Knauth)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
At Stake
Produktionsland:
Indonesien
Produktionsjahr:
2008
Länge:
107 (Min.)
VERÖFFENTLICHUNGEN
CAST & CREW
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Tjahjadi am: 24.11.09
der Film ist sehr gut, die Darstellung des Problems der Frauen ist sehr objektiv wiedergegeben worden.
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