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Apollo 18

Meinungen
3

4 Sterne aus 30 Bewertungen

Kinostart: 13.10.2011
FSK: 16
Genre: Thriller, Horror, Science Fiction, Mockumentary
Tags: Raumschiff, Mond, NASA, Apollo

Die dunkle Seite des Mondes

Captain Benjamin Anderson ist bei einer Trainingsübung für das Militär ums Leben gekommen. Seine sterblichen Überreste wurden nie gefunden. Commander Nathan Walker verunglückte tödlich während eines militärischen Flugeinsatzes. Seine Leiche blieb verschollen. Lieutenant Colonel John Grey fiel im Rahmen seiner Arbeit für die US-Armee einem tragischen Unfall zu Opfer. Sein Körper konnte nicht geborgen werden. So lautet die offizielle Version. Aber es gibt noch eine andere.

Nicht nur den Augen der Öffentlichkeit, sondern auch der Einsicht unmittelbar beteiligter Mitarbeiter blieb sie verborgen, verschlossen in einem militärischen Archiv. Jahrzehntelang. Bis heute. Bis Apollo 18. Selbst das sicherste System hat ein Leck und durch ein solches drangen die Videoaufnahmen der Weltraummission ans Licht, die das amerikanische Verteidigungsministerium im Dezember 1974 zum Mond sandte. Ein paar Stunden militärischer Dokumentarszenen, verwackelte Handkamerabilder und unscharfe Standaufnahmen, die irgendwer ins Netz gestellt hat. Als Timur Bekmambetov (Wächter der Nacht / Nochnoi Dozor; 2004) darüber stolperte, witterte der für Russlands größten Kinoerfolg verantwortliche Regisseur und Drehbuchautor das filmische Potential. Unter seiner Produktion schnitt Gonzalo López-Gallego das Material zu Apollo 18 zusammen, der die Grusel-Mockumentary dorthin bringt, wo das Found-Footage-Genre nie zuvor gewesen ist: in den Weltraum.

"18 steht wieder auf dem Programm", sagt Anderson, als er und seine Kollegen noch in der Basisstation sind. Gerne würde er seiner Familie davon erzählen, doch der Mondflug steht unter höchster Geheimhaltung. Selbst die Astronauten erfahren nicht alles. "Ihr müsst dort oben vorsichtig sein", rät ihnen Houston. Die grauenvolle Wahrheit hinter dieser Warnung erkennen die Astronauten zu spät. Dem Kinozuschauer deutet sie sich schon früher versteckt am Bildrand an. Die Bedrohung überfällt Nate und Ben, die auf dem von John im Kommandomodul umkreisten Erdtrabanten gelandet sind, nicht, sie umzingelt sie lautlos. "Ein Stück Mondstein" möchte er seinem Sohn mitbringen, lächelt Anderson in einer Szene, die später eine makabere Doppeldeutigkeit erhält.

"Dass etwas schiefgeht – das ist keine Option" sagt Walker in einem der einleitenden Interviews. Die knappen Vorstellungen der Protagonisten sind keine Charakterporträts, sondern professionelle Statements. Ihrem militärischen Entstehungsrahmen sind sie zweckdienlich, dem dramaturgischen Aufbau weniger. Die rudimentäre Figurenzeichnung ist ein Kompromiss, den Apollo 18 machen muss, damit der Balanceakt zwischen suggerierter Authentizität und psychologischer Komplexität gelingt. Erst im Orbit werden Anderson, Grey und Walker zu Ben (Warren Christie), John (Ryan Robbins) und Nate (Lloyd Owen). Kaum dass ihre Persönlichkeiten Kontur gewinnen, droht ihnen die Absorption durch das, was sie oben erwartet. Die seelische Auflösung wird zum Vorboten der physischen, das Dunkel des Alls zum Synonym für das Dunkel der Seele.

In seinem US-Debüt spielt Lopez-Gallego mit der Furcht vor Auslieferung und Dunkelheit an einem Ort, wo beide absolut sind. Die undurchdringliche Schwärze des Alls zwängt das Protagonisten-Duo Nate und Ben, zwischen denen sich die Haupthandlung abspielt, auf engstem Raum zusammen. Platz, Sauerstoff, Zeit – in der Unendlichkeit ist alles begrenzt. Das klaustrophobische Innere der Mondsonde und die Verlorenheit auf der Mondlandschaft sind äußerlich gegensätzliche Facetten eines Schreckens. Das innovative Setting und der in der Realität verankerte Plot kreieren ein effektives retro-futuristisches Märchen um Invasionsparanoia, alte und neuere Verschwörungstheorien. Der größte Makel der Weltraumtour mit Wackelkamera ist die voreilige Enthüllung des Unbekannten, das am spannendsten ist, solange es nur angedeutet wird oder scheinbar bewiesen in realen Begebenheiten.

270 Mondsteine wurden unter der Administration von Nixon und Ford an Würdenträger und Regierungsmitglieder auf der ganzen Welt verschenkt, berichtet der Schlusstext. 160 dieser Steine gelten als verloren oder gestohlen. Dass die NASA sie sich wieder angeeignet hat ist eine Schlussfolgerung, die das fahrige Bildmaterial zulässt. Die andere Interpretation ist weitaus weniger harmlos...

(Lida Bach)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
Länge: 86 (Min.)
Verleih: Senator Filmverleih
Kinostart: 13.10.2011

Cast & Crew

Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Cory Goodman, Brian Miller
Kamera: José David Montero
Schnitt: Patrick Lussier
Musik: Harry Cohen
Hauptdarsteller: Ryan Robbins, Warren Christie, Lloyd Owen, Ali Liebert, Andrew Airlie, Michael Kopsa

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 3 von insgesamt 3)
Von: Fabian am: 14.10.11
Sehr spannender und guter Film! Leider hat mir eine - meiner Meinung nach gravierende - klaffende Logiklücke den Filmspaß ein wenig eingetrübt. Aber mit etwas Fantasie kann man sich diese auch selbst wieder zurecht biegen. (---SPOILER---: Den ganzen Film über wird Wert darauf gelegt, dass die Kamera zum dokumentieren weiterläuft, bei der Flucht aus dem LM müssen extra alle Video-Bänder mitgenommen werden und die mehrfach fallengelassene Kamerea muss trotzdem immer wieder aufgehoben werden. Alle Astronauten sterben, die Raumfahrzeuge werden zerstört. Wie gelangt das Filmmaterial zurück auf die Erde ?! ---SPOILER ENDE---) Dennoch, meine Empfehlung bleibt für den Film bestehen. Es scheint zwar leider kein Kassenschlager zu werden (Es war schwer überhaupt ein Kino zu finden der den Film vorführt) , aber verschwendete Zeit ist der der Besuch im Kino keinesfalls.
Von: Lida Bach am: 11.10.11
Kleiner Tipp zur Frage OV oder Synchro: Für das Genre sind die Dialoge gut verständlich & da der Film nicht wortlastig ist und es auch mit den Raumfahrt-Fachjargon nicht übertreibt,lohnt es sich die Originalfassung zu probieren. Denn wenn die Synchronisation nicht sehr gut wird, leidet bei einer Mockumentary schnell die Spannung.
Von: Patrick am: 01.03.11
Ich bin auch schin gespannt auf diesen Film und kann kaum erwarten, dass er in die Kinos kommt. Also in de deutschen, auf englisch tu ich mir das natürlich nicht an! Das werden sicher berauschende 80-90 Minuten!

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