Eine hinreißende Komödie
Jaeckie Zucker (Henry Hübchen), geboren als Jakob Zuckermann, ist ein deutscher Jude, der allerdings schon seit dem Mauerbau nichts mehr mit dem „Club“ seiner Glaubensgemeinschaft zu tun haben will. In jener Zeit floh seine Mutter mit dem Erstgeborenen Samuel (Udo Samel) nach Frankfurt am Main, während Jaeckie in der DDR zurückblieb und dort als Sportreporter einer des Stars des DDR-Fernsehens wurde. Doch nach der Wende hatte Jaeckie kein Glück mehr, er ist ein Zocker vor dem Herrn, hat eine Menge Schulden und selbst um seine Ehe mit Marlene (Hannelore Elsner) ist es nicht zum Besten bestellt. Doch damit nicht genug, denn über Nacht drängt sich auch noch seine jüdische Verwandtschaft in sein Leben, das sowieso ein einziges Chaos ist. Seine Mutter ist nämlich gestorben, und in ihrem Testament hat sie verfügt, dass sich die beiden Brüder, der durch und durch atheistische und weltlichen Dingen zugetane Jaeckie und sein orthodoxer Bruder Samuel versöhnen sollen. Nur dann wird geerbt, und zwar nicht zu knapp, so dass Jaeckie mit einem Schlag alle Schulden loswäre. Die Einhaltung der Gebote obliegt natürlich einem waschechten Rabbi (Rolf Hoppe), der während der siebentägigen Schiva, der Totenwache, im Hause Zucker weilt. Aber was zum Donnerwetter bedeutet es eigentlich, jüdisch zu sein?
Eifrig wird der Kühlschrank in „milchig“ und „fleischig“ unterteilt, um einen streng koscheren Haushalt vorzuspielen, und nachts unter der Bettdecke werden heimlich die Gebote studiert, die Jaeckie so vertraut sind wie chinesische Vokabeln. Außerdem plagen ihn ganz andere Probleme: Wie kann er sich von der Totenwache abseilen, um bei einem großen Billard-Turnier teilzunehmen, bei dem 100.000 Euro Preisgeld winken? Die Ereignisse überschlagen sich alsbald, und Jaeckies Weg zum Glück und dazu, ein guter Jude zu werden, ist steinig und mit allerlei Fettnäpfchen und Fallstricken ausgestattet, von denen der smarte Zocker kaum eins auslässt.
Einen Film über jüdisches Leben in Deutschland und noch dazu eine Komödie? – Nicht gerade die naheliegendste Option für einen Arthouse-Hit, befanden wohl potenzielle Co-Produzenten und sorgten dafür, dass Dani Levy drei Jahre lang Klinken putzen musste, bis der WDR in die Produktion von Alles auf Zucker! einstieg. Doch die Odyssee hat sich gelohnt, denn der Film ist eine Perle im tristen deutschen Filmeinerlei und zugleich eine scharfsinnige und manchmal bemerkenswert rotzfreche Annäherung an ein immer noch als „schwierig“ empfundenes Thema, das in seinen nicht gerade wenigen brillanten Momenten an die beste Tradition britischer Sozialkomödien erinnert. Gut möglich, dass der Film aufgrund seines Themas in den Kinos trotzdem floppt, in diesem Fall allerdings verlassen wir den Pfad der wohlwollenden Neutralität und wünschen uns einen Überraschungserfolg.
Eifrig wird der Kühlschrank in „milchig“ und „fleischig“ unterteilt, um einen streng koscheren Haushalt vorzuspielen, und nachts unter der Bettdecke werden heimlich die Gebote studiert, die Jaeckie so vertraut sind wie chinesische Vokabeln. Außerdem plagen ihn ganz andere Probleme: Wie kann er sich von der Totenwache abseilen, um bei einem großen Billard-Turnier teilzunehmen, bei dem 100.000 Euro Preisgeld winken? Die Ereignisse überschlagen sich alsbald, und Jaeckies Weg zum Glück und dazu, ein guter Jude zu werden, ist steinig und mit allerlei Fettnäpfchen und Fallstricken ausgestattet, von denen der smarte Zocker kaum eins auslässt.
Einen Film über jüdisches Leben in Deutschland und noch dazu eine Komödie? – Nicht gerade die naheliegendste Option für einen Arthouse-Hit, befanden wohl potenzielle Co-Produzenten und sorgten dafür, dass Dani Levy drei Jahre lang Klinken putzen musste, bis der WDR in die Produktion von Alles auf Zucker! einstieg. Doch die Odyssee hat sich gelohnt, denn der Film ist eine Perle im tristen deutschen Filmeinerlei und zugleich eine scharfsinnige und manchmal bemerkenswert rotzfreche Annäherung an ein immer noch als „schwierig“ empfundenes Thema, das in seinen nicht gerade wenigen brillanten Momenten an die beste Tradition britischer Sozialkomödien erinnert. Gut möglich, dass der Film aufgrund seines Themas in den Kinos trotzdem floppt, in diesem Fall allerdings verlassen wir den Pfad der wohlwollenden Neutralität und wünschen uns einen Überraschungserfolg.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Alles auf Zucker!
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2004
Länge:
90 (Min.)
Verleih:
X-Verleih
VERÖFFENTLICHUNGEN
Kinostart:
06.01.2005
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 5 von insgesamt 10)
Von: H. Scheublein am: 03.02.09
wenn selbst Juden die Kommödie genial finden, spiegelt der Film den Alltag wider. Geld verdrängt die Trauer. Mir hat die Story Spass gemacht
Von: Harald am: 30.04.06
Eine rundum gelungene Komödie mit großartigen Schauspielern!
Von: Heinz am: 28.02.06
Überdrehtes Tempo, abgedroschene Story (Bedingungen für eine Erbschaft müssen eingelöst werden), flache Charaktere (sogar für eine Komödie), flaues Ende, logische Brüche, Drehbuch lässt viele Chancen ungenutzt, die das Thema bietet.
Von: am: 28.11.05
Hervorragend gespielt. Tolle Kamera! Ein Kinospaß für Erwachsene.
Von: Miriam am: 26.09.05
Ich finde den Film einfach genial!
(Ich bin selbst gläubige Jüdin )
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