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Adams Äpfel

Meinungen
30

4.3 Sterne aus 525 Bewertungen

Originaltitel: Adams Aebler
Kinostart: 31.08.2006

Eine brilliante Variante des ewigen Duells zwischen Gut und Böse

Wenn Adam einen Apelkuchen backen will, benötigt er Äpfel. Das klingt zunächst zwingend logisch und wenig aufregend. Doch wenn Adam ein straffällig gewordener Neonazi ist und diese Äpfel auf einem Baum im Garten des Landpfarrers hängen, bei dem der gewalttätige Mann resozialisiert werden soll, dann befinden wir uns in der spannenden und aber-witzigen Szenerie des neuen Films vom dänischen Regisseur Anders Thomas Jensen.

Ivan (Mads Mikkelsen) ist ein Pfarrer jener fanatischen Natur, die missionarischen Eifer mit nahezu sich selbst karikierender, unbedingter Güte und grenzenlosem Verständnis für die sündhafte Welt und ihre Geschöpfe in sich vereint. Auf seinem kleinen ländlichen Anwesen hat er es sich zur Aufgabe erhoben, ehemalige Straftäter auf Bewährung zu bekehren, wobei sein Realitätssinn offensichtlich von seiner grenzenlosen Naivität verdrängt wird, mit der er allen Schwierigkeiten und jeder Provokation durch seine Schützlinge als Versuchung des Bösen begegnet, der er mit unerschütterlich milder Besessenheit standhält. Zu Gunnar (Nicolas Bro), einem Vergewaltiger mit Alkoholproblemen, und Khalid (Ali Kazim), einem notorischen Tankstellenräuber, gesellt sich schließlich höchst widerwillig der bösartige Adam (Ulrich Thomsen), ein Anhänger übelster rechter Ideologie. Auf die Frage des Pfarrers, welche Aufgabe er im Zuge seiner Resozialisierung erfüllen wolle, antwortet Adam voller Sarkasmus, einen Apfelkuchen backen zu wollen, nicht ahnend, dass der Geistliche ihn ungerührt beim Wort nehmen wird und dieses scheinbar banale Vorhaben den Neonazi selbst auf geradezu mystische Weise berühren wird. Es beginnt ein derber und nicht minder amüsanter Kampf zwischen Ivan und Adam, der nichts unversucht lässt, die Grenzen der Güte des Pfarrers auf eine immer härtere Probe zu stellen, und im Laufe des Gefechts um Gut und Böse offenbart sich, dass es im Grunde der Hirte selbst ist, der am dringendsten Hilfe benötigt. Derweil wachsen die Ereignisse in der Pfarrei zu dramatischen Turbulenzen an, und es ist ausgerechnet Adam, der sich zunehmend für das Schicksal der gestrandeten Existenzen um ihn herum verantwortlich fühlt, während das Projekt des Apfelkuchens geradezu übermächtige Bedeutung gewinnt.

Mag Adams Äpfel /Adams Aebler für die einen schlicht eine abgefahrene, irr-witzige und geniale Komödie sein, für andere hingegen eine tiefsinnige theologisch-philosophische Parabel mit hintergründigem Symbolismus und abgründigem Humor, so ist dabei unbestritten, dass der neue Film des Dänen Anders Thomas Jensen (Dänische Delikatessen) einen Höhepunkt seines inspirierten Schaffens darstellt – und diese Qualität betrifft das handwerkliche Geschick des Filmemachens ebenso wie die Installation der außergewöhnlichen Geschichte mit all ihren Handlungssträngen sowie nicht zuletzt das Spiel der aus dänischen Filmen vertrauten Darsteller-Crew.

Neben einem begeisterten Publikum in Dänemark und einigen Prämierungen wie dem dänischen Filmpreis Robert in drei Kategorien sei besonders die Auszeichnung von Adams Äpfel / Adams Aebler mit dem Kulturpreis der dänischen Pastoren erwähnt – sicherlich ein Kuriosum für eine erfolgreiche, rasante Komödie. Doch jenseits der offensichtlich religiösen Assoziationen von Adam, Äpfeln und dem ewigen Gerangel zwischen Gut und Böse lässt sich der Film durchaus auch als moderne Variation der Geschichte des biblischen Hiob verstehen, die das jüdische Vergeltungsdogma in seinen Grundfesten erschüttert.

Die beachtliche Stärke von Adams Äpfel / Adams Aebler liegt sowohl in seinen unerwarteten Wendungen, seinem mal filigranen, mal krachendem Humor wie auch in seiner aufrüttelnden Ernsthaftigkeit und der Weigerung, den gefälligen Klischees von Gut und Böse auf den Leim zu gehen – ein Film, der dazu geeignet ist, diesen Kino-Sommer zu krönen.

(Marie Anderson)

Daten & Fakten

Produktionsland: Dänemark
Produktionsjahr: 2005
Länge: 89 (Min.)
Verleih: Delphi Filmverleih
Kinostart: 31.08.2006

Cast & Crew

Regie: Anders Thomas Jensen
Hauptdarsteller: Mads Mikkelsen, Nicolas Bro, Ulrich Thomsen, Paprika Steen, Ali Kazim

MEINUNGEN

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Bisherige Meinungen

(Anzeige: 5 von insgesamt 30)
Von: Papillo am: 28.12.10
einer der besten filme, die ich je gesehen hab. alter, in dem film wird man von einer emotionalen Stimmungslage in die nächste getrieben. das is einfach nur jenseits von gut und böse. in der einen szene lach ich noch aus vollem herzen, in der anderen bin ich zu tode betrübt und muss heulen. sowas sollte verboten werden. aber dieser film gibt mir auch mut, immer an das gute zu glauben, denn es wird siegen. kann mich sehr gut mit ivan indentifizieren. er wird stets schlecht behandelt, aber das beeindruckt ihn nicht. er geht schnur stracks seinen ihm von gott vorgegebenen weg. allerdings hat er auch eine verwundbare stelle. wenn gott ihn jemals verlassen sollte, dann ist auch er verlassen und alles um ihn herum bricht zusammen. als adam ihm klar machen will, dass ivan sich einer illusion hingibt und ivan kurz davor ist, dies zu glauben, steht die "welt", in der dieses kleine verückte pack lebt, vor dem abgrund. vorher dachte man, es kann gar nicht schlimmer kommen. bis dahin dachte ich, die leute wie gunnar der säufer oder khalid der zwanghafte raubüberfaller sind vollkommen kaputt und so tief gesunken, dass man gar nicht mehr tiefer sinken kann, aber nach ivans selbstaufgabe kam alles noch schlimmer. die kleine gemeinde hat ihren halt, ihren glauben an das gute verloren. gunnar ist dabei seine dahergelaufene liebschaft im vollrausch zu vergewaltigen und khalid fängt an, wild um sich zu schießen. zum glück fängt sich ivan wieder und es gibt ein glückliches ende in dem jeder sein glück findet. dieser film würde eine figur als werbefilm des papstes abgeben, denn er ist in tiefstem maße religöis, das sollte man bei aller herausragenden begeisterung nicht vergessen.
Von: Martin Zopick am: 11.09.08
Es ist eine intelligente Groteske. Mit vielen Anleihen an das Alte Testament wie z. B. das Buch Hiob, die Plagen, die den Apfelbaum heimsuchen, der brennende Apfelbaum (Dornbusch) etc...Im Grunde ist es der Kampf Gut gegen Böse, hier vertreten durch Ivan den Pfarrer – ein Gutmensch – und Adam ein Neonazi. Ivan scheint etwas weltfremd, vielleicht sogar verlogen zu sein – aber von Herzen gut, obwohl vom Leben extrem gebeutelt. Adam ist pragmatisch, abweisend und behält den Durchblick. Beide versuchen das Weltbild des anderen zu erschüttern und haben Erfolg. Der leicht surrealistische Touch und die latente Komik machen den Film interessant und man begreift das gedankliche Konstrukt des Regisseurs und Drehbuchautors. Vor allem ist bemerkenswert, dass er sich dabei völlig weg vom Mainstream bewegt, also ein Lichtblick im dunklen Dschungel des Aktion-Trash.
Von: Marmelade am: 14.11.07
Einer der besten Filme, die ich je gesehen habe!
Von: Trankilo am: 18.06.07
Sehr geil gemacht. Absolute Empfehlung
Von: am: 16.05.07
bissig, bissiger, dänisch.

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