Yi Yi – A One and a Two

DVD-Start: 21.12.2005
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Warum wir das Kino brauchen

Wenn das Leben aus glücklichen und traurigen Momenten besteht und Filme wie das Leben sind, warum lieben wir sie dann nur so sehr? Brauchen wir sie wirklich oder können wir nicht einfach Zuhause bleiben und leben? Nach einem gemeinsamen Kinobesuch versucht Dickie (Pang Chang Yu) gegenüber seiner Freundin Ting-Ting (Kelly Lee), die der Film eher gelangweilt hat, das Kino zu rechtfertigen. Er hat ganz simple, aber schlagkräftige Antworten auf ihre Fragen. Das Tolle am Kino ist, dass wir dreimal so lang leben, seit dem der Mensch den Film erfunden hat. Denn Filme geben uns doppelt soviel wie das Leben.

Von der ganzen Bandbreite des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen erzählt Regisseur Edward Yang in Yi Yi. Der Film beginnt mit einer bunten, turbulenten Hochzeit und endet nach epischen 173 Minuten Filmlänge mit einer Beerdigung. Dazwischen erzählt uns Yang die Geschichte einer in Taipeh lebenden taiwanesischen Mittelstandsfamilie, die von allerhand Sorgen und Nöten geplagt wird. Jedes Familienmitglied durchlebt gerade eine andere Lebensphase und so stecken in einer großen Geschichte viele kleine, individuelle Geschichten.

Zum Kern der Familie gehören NJ Jian (Wu Nianzhen) seine Frau Min-Min (Elaine Jin), ihre Tochter Ting-Ting und der kleine Sohn Yang-Yang (Jonathan Chang). Am Tag der Hochzeit von Min-Mins Bruder A-Di (Hsi-Sheng Chen) wird das Leben der Familie auf den Kopf gestellt. Erst taucht A-Dis Ex-Verlobte wieder auf und bringt Unruhe in die Festlichkeiten, dann erleidet die Großmutter einen Schlaganfall und fällt ins Koma. Keiner weiß, ob sie je wieder daraus erwachen wird. Aus dem Krankenhaus wird die bewusstlose Großmutter zurück in die vertraute häusliche Umgebung geholt, dorthin wo sie ihre Liebsten immer um sich hat. Die kommen täglich an ihr Krankenbett, reden mit ihr, teilen ihr ihre Sorgen und Gedanken mit. NJ Jian, der Schwiegersohn, ein eher verschlossener und ruhiger Charakter, spricht mit ihr über die Schwierigkeiten seiner Computerfirma, die kurz vor der Pleite steht. Min-Min berichtet ihrer Mutter die sich täglich abspielenden Dinge und stellt dabei fest, wie trostlos doch dieses alltägliche Leben ist. Ihr Bruder A-Di offenbart seiner Mutter, dass er hoch verschuldet ist. Nur dem Kleinsten in der Familie, Yang-Yang, ist es zunächst unmöglich mit seiner schlafenden Großmutter zu sprechen. Erst am Ende, als seine Großmutter tot ist, offenbart er ihr, warum er sich vorher dagegen gesträubt hat, mit ihr zu sprechen.

Yangs Film zeigt Panoramen des Alltags: die Rituale zwischen dem Ehepaar, zwischen Vater und Sohn/Tochter, zwischen Geschwistern, zwischen ehemaligen Geliebten. Es wird gestritten, getrauert, gelacht, geredet und geschwiegen. Yi Yi erinnert stark an die Filme von Yasujiro Ozu, der sich beständig mit den häuslichen Problemen von japanischen Mittelklassefamilien auseinander setzte und dabei mit einer relativ unbewegten Kamera arbeitete. Auch Yang arbeitet mit langen, statischen Einstellungen und perfekt komponierten Filmbildern. Seine Charaktere bewegen sich in luxuriös ausgestatteten Hotels, Restaurants und Appartements, in sauberen, ordentlichen Räumlichkeiten. Alles ist perfekt arrangiert und durchkomponiert, obwohl die Charaktere selbst heftige emotionale Konflikte bewältigen müssen. Yang ist ein Meister der Montage. Er erzählt viele, kleine Geschichten und verwebt sie so miteinander, dass ein zusammenhängender Film entsteht. So wechseln sich zur gleichen Zeit spielende Handlungen ständig ab. NJ Jian begegnet seiner ersten großen Liebe in Tokio, zur gleichen Zeit trifft sich seine Tochter mit Dickie im nächtlich glänzenden Taipeh.

In Shanghai geboren und in Taipeh aufgewachsen, zählt der heute 58jährige Regisseur neben Hou Hsiao-hsien und Tsai Ming-liang zu den Hauptvertretern des Neuen Taiwanesischen Kinos, das sich in den 80er Jahren etablierte. Der studierte Ingenieur träumte schon frühzeitig davon, Regisseur zu werden, glaubte aber selbst nicht daran, das nötige Talent dafür zu haben. Nach nur einem Semester an der kalifornischen Filmhochschule USC exmatrikulierte er sich wieder, um seinen Berufsweg in der Computerbranche fortzusetzen. Obwohl beruflich erfolgreich, war er dennoch unzufrieden und sehnte sich danach, seiner wahren Leidenschaft nachzugehen und Filme zu drehen. Als sich die Gelegenheit ergab, für einen Freund ein Drehbuch zu schreiben, wurde sein Traum endlich war. Es entstand der Film The Winter of 1905 (1981). Edward Yang kehrte nach Taiwan zurück, um dort zu bleiben und sein zweites Leben als Filmemacher zu beginnen. Mit Filmen wie The Terrorizers (1986) und A Brighter Summer Day (1991) avancierte er zu einem der weltweit wichtigsten Regisseure.

(Katrin Knauth)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Yi Yi – A One and a Two
Produktionsland: Taiwan
Produktionsjahr: 2000
Länge: 173 (Min.)
Erschienen bei: Pegasos Film
Extras: Keine Extras

VERÖFFENTLICHUNGEN

DVD-Start: 21.12.2005

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