Zurück zur Übersicht

Wer Gewalt sät... (Uncut)

Meinungen
0

Noch nicht genügend Bewertungen

Originaltitel: Straw Dogs
DVD-Start: 12.07.2012
FSK: 16
Genre: Drama, Thriller
Tags: Gewalt, Vergewaltigung

In der Falle

Eigentlich haben sie nur Ruhe und Frieden gesucht, doch ausgerechnet in ihrer neuen Heimat irgendwo auf dem Lande in England, dort wo die Welt noch in Ordnung scheint, geraten der amerikanische Mathematiker David Sumner (Dustin Hoffman) und seine englische Frau Amy (Susan George) in eine Falle, die nicht nur sehr konkret, sondern zudem auch von durchaus moralischer Natur ist. Die Frage, mit der sie wider Willen konfrontiert werden, lautet: Wie lange kann man der Gewalt begegnen, ohne selbst Gegengewalt auszuüben? Oder mit anderen Worten: Ist in einer Welt wie der von Sam Peckinpah meisterhaft beschriebenen ein gewaltfreies Miteinander überhaupt möglich? Wer den Regisseur kennt, ahnt schnell die Antwort, sie ist niederschmetternd. Doch der Reihe nach...

Auf der Suche nach etwas Ruhe, um sich seinen Forschungen und der Arbeit an einem Buch hinzugeben, dessen Fortschritt ins Stocken geraten ist, hat es David und Amy in die Abgeschiedenheit des Dorfes verschlagen, in der sie großgeworden ist. Doch von Anfang an haftet der vermeintlichen Idylle etwas Bedrohliches und zutiefst Unheimliches an – so als würden hinter den Mauern aus unbehandelten Natursteinen archaische Kräfte schlummern, die nur darauf warten, ins Leben gerufen zu werden.

Der linkische David wird schnell zur Zielscheibe des Spottes der Dörfler, und wird von ihnen ein ums andere Mal gedemütigt und vorgeführt, während die Blicke, die Amy streifen, mehr als nur anzüglicher Natur sind. Als die Sumners einen Trupp von Männern aus dem Dorf anheuern, der von Amys Ex-Freund Charlie (Del Venner) angeführt wird, um die Garage neu zu decken, nehmen die Drangsalierungen zu und führen schließlich zu Vergewaltigung Amys.

Als schließlich ein junges Mädchen verschwindet und die Sumners völlig arglos den zurückgebliebenen Henry Niles (David Warner) bei sich aufnehmen, der aufgrund seiner Neigungen als Hauptverdächtiger im Dorf gilt, wird ihr Haus nachts von einer Horde Betrunkener belagert. David aber ist nicht gewillt, den Mann so einfach der Willkür des Mobs auszuliefern – bis die Situation eskaliert...

Es war damals in den frühen 1970er Jahren vor allem die Vergewaltigungsszene, die viel Aufsehen und einen regelrechten Skandal verursachte, der die Filmkritikerin Pauline Kael unter anderem dazu veranlasste, Wer Gewalt sät... / Straw Dogs als "faschistisches Kunstwerk" zu bezeichnen. Der Grund für die Empörung ist auch heute nicht ganz von der Hand zu weisen, denn die erste Vergewaltigung Amys durch Charlie geht so nahtlos von Abscheu in erotische Spannung und schließlich Harmonie über, dass diese Szene auch heute noch zutiefst irritierend wirkt. Gleiches gilt auch für die gesamte Charakterzeichnung Amys, die man wahrscheinlich als Reaktion auf die zunehmende Emanzipation der Frau in den Sechzigern und frühen Siebzigern verstehen, aber keineswegs entschuldigen muss. Schwach, verführbar, leichtfertig mit ihren Reizen spielend und am Ende gar verräterisch – nein, auf solche eine Gefährtin kann man wahrlich nicht bauen, so scheint es der Film vermitteln zu wollen. Doch ehrlich gesagt hätte alles andere bei einem Regisseur wie Peckinpah auch erstaunt.

Es ist eine harte, raue und brutale Männer-Welt, von der Wer Gewalt sät erzählt, Frauen sind hier buchstäblich schmückendes Beiwerk und vor allem Opfer, selten Heilige, aber immer ein bisschen Hure. Und sie sind der Grund, warum selbst der friedfertige David am Ende zum skrupellosen Mörder wird, dessen schlussendlicher Sieg über die tumbe Gewalt der Dörfler dadurch korrumpiert wird, dass er seine schützende Hand über jemanden gehalten hat, der tatsächlich das getan hat (wenngleich, so suggeriert es der Film, eher aus Versehen), wofür er vom wütenden Mob belangt werden sollte.

Sieht man von diesem stark misogynen Zug ab, der durchaus kennzeichnend für Peckinpahs Werk ist, ist Straw Dogs auch heute noch eine eindringliche Parabel über die Mechanismen der Gewalt, deren Brutalität und Hoffnungslosigkeit nach wie vor bis ins Mark trifft. Ein Horrorfilm über die Bestie Mensch, die immer wieder wie eine Neuinterpretation des Western-Genres anmutet, virtuos montiert, bildgewaltig inszeniert und mit der atemberaubenden Musik Jerry Fieldings kongenial untermalt.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA, Großbritannien
Produktionsjahr: 1971
Länge: 112 (Min.)
Erschienen bei: EuroVideo
Bildformat: 16:9
Ton/Sprache: Dolby Digital 2.0, Deutsch, Englisch
DVD-Start: 12.07.2012
Extras: Audiokommentar von Filmhistoriker Michael Siegel

Cast & Crew

Regie: Sam Peckinpah
Drehbuch: David Zelag Goodman, Sam Peckinpah
Kamera: John Coquillon
Schnitt: Tony Lawson, Paul Davies, Sam Peckinpah
Musik: Jerry Fielding
Hauptdarsteller: Dustin Hoffman, Peter Vaughan, Susan George, Del Henney, T. P. McKenna

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Cineplex Kinos