Der Tragödie zweiter Teil
Der immense Erfolg von Steig Larssons Millenium-Trilogie und der folgende Erfolg des ersten Films Verblendung an den Kinokassen in Schweden, Frankreich und anderswo gehört mit Sicherheit zu den überraschendsten Geschichten der letzten Jahre. Wobei die erhöhte publizistische Aufmerksamkeit sicher auch daher rührte, dass die Geschichte um den Autor, der den Erfolg seines eigenen Werkes nicht mehr erleben durfte, dem eiskalten Plot ein zutiefst menschliches und anrührendes Element hinzufügte.
Im zweiten Teil der Filmtrilogie kommt der investigative Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) dank seines Kollegen Dag Svensson (Hans-Christian Thulin) einem Ring russisch-schwedischer Mädchenhändler auf die Spur, deren Verbindungen sich bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft ziehen. Und ebene jene Kreise haben anscheinend ein gewaltiges Interesse daran, die ganze Sache unter den Tisch zu kehren, denn schon wenig später werden Svensson und seine Freundin ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Ebenfalls involviert in die delikate Angelegenheit ist auch Lisbeth Salander (Noomi Rapace), die Blomkvist bei der Aufklärung des Verschwindens von Harriet Vanger half und dabei auf die dunklen Geheimnisse einer Industriellenfamilie stieß. Dieses Mal aber scheint ihrer Rolle eine andere zu sein, denn Lisbeth, deren Fingerabdrücke am Tatort gefunden wurden, wird erbarmungslos von der Polizei gejagt, auch wenn ihr Motiv für eine solche Tat vollkommen im Dunkeln liegt. Von der Unschuld seiner Freundin überzeugt, macht sich Blomkvist auf die Suche nach ihr und stößt dabei auch auf Lisbeths verhassten Vater Alexander Zalatschenko (Georgi Staykov), einen russischen Spion, der in den Siebzigerjahren nach Schweden übergelaufen war. Der Journalist stößt bei seinen Recherchen auf eine Gruppierung innerhalb der schwedischen Staatspolizei, deren Machenschaften mehr als finster sind und die auch vor Mord und anderen Verbrechen nicht zurückschrecken. Es beginnt ein erbarmungsloser Wettlauf gegen die Zeit...
Wer sich schon beim Lesen des zweiten Buches aus der Millenium-Trilogie an dem Wechsel in Tonfall und Setting und an dem gelegentlichen Abdriften ins Verschwörungstheoretische störte, dem wird es mit dem Film kaum anders gehen. Denn Daniel Alfredson folgt den verzweigten Storylines und Plot points von Stieg Larssons Buchvorlage nahezu bedingungslos, strafft hier, komprimiert dort und lässt vermeintlich oder tatsächlich Überflüssiges unter den Tisch fallen, um so möglichst viel Speed in seine Verfilmung zu bringen. Ein Unternehmen, das dem Film durchaus gelingt.
Bemerkenswert ist dabei vor allem eines: Die radikale Dekonstruktion des sozialdemokratischen Musterlandes Schweden das bislang als Hort einer milde kapitalistischen Utopie eines besseren Zusammenlebens galt. Folgt man Larssons Buch und Alfredsons Verfilmung, so war dies seit jeher nicht viel mehr als ein Deckmantel, in dessen Schutz Institutionen wie die Geheimpolizei und andere Organisationen zum Schutz der Demokratie ihr eigenes, bitteres Süppchen kochten und dabei buchstäblich über Leichen gingen.
Abseits dieser Erkenntnis ist Verdammnis aber vor allem eines: Ein grundsolider und erschreckend düsterer Thriller, dem man kaum ansieht, dass er ursprünglich fürs Fernsehen konzipiert und realisiert worden ist. Zudem zeigt er, dass sich europäisches Genrekino durchaus mit den amerikanischen Vorbildern messen kann. Ein US-amerikanisches Remake ist da nur noch eine Frage der Zeit.
(Joachim Kurz)
Im zweiten Teil der Filmtrilogie kommt der investigative Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) dank seines Kollegen Dag Svensson (Hans-Christian Thulin) einem Ring russisch-schwedischer Mädchenhändler auf die Spur, deren Verbindungen sich bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft ziehen. Und ebene jene Kreise haben anscheinend ein gewaltiges Interesse daran, die ganze Sache unter den Tisch zu kehren, denn schon wenig später werden Svensson und seine Freundin ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Ebenfalls involviert in die delikate Angelegenheit ist auch Lisbeth Salander (Noomi Rapace), die Blomkvist bei der Aufklärung des Verschwindens von Harriet Vanger half und dabei auf die dunklen Geheimnisse einer Industriellenfamilie stieß. Dieses Mal aber scheint ihrer Rolle eine andere zu sein, denn Lisbeth, deren Fingerabdrücke am Tatort gefunden wurden, wird erbarmungslos von der Polizei gejagt, auch wenn ihr Motiv für eine solche Tat vollkommen im Dunkeln liegt. Von der Unschuld seiner Freundin überzeugt, macht sich Blomkvist auf die Suche nach ihr und stößt dabei auch auf Lisbeths verhassten Vater Alexander Zalatschenko (Georgi Staykov), einen russischen Spion, der in den Siebzigerjahren nach Schweden übergelaufen war. Der Journalist stößt bei seinen Recherchen auf eine Gruppierung innerhalb der schwedischen Staatspolizei, deren Machenschaften mehr als finster sind und die auch vor Mord und anderen Verbrechen nicht zurückschrecken. Es beginnt ein erbarmungsloser Wettlauf gegen die Zeit...
Wer sich schon beim Lesen des zweiten Buches aus der Millenium-Trilogie an dem Wechsel in Tonfall und Setting und an dem gelegentlichen Abdriften ins Verschwörungstheoretische störte, dem wird es mit dem Film kaum anders gehen. Denn Daniel Alfredson folgt den verzweigten Storylines und Plot points von Stieg Larssons Buchvorlage nahezu bedingungslos, strafft hier, komprimiert dort und lässt vermeintlich oder tatsächlich Überflüssiges unter den Tisch fallen, um so möglichst viel Speed in seine Verfilmung zu bringen. Ein Unternehmen, das dem Film durchaus gelingt.
Bemerkenswert ist dabei vor allem eines: Die radikale Dekonstruktion des sozialdemokratischen Musterlandes Schweden das bislang als Hort einer milde kapitalistischen Utopie eines besseren Zusammenlebens galt. Folgt man Larssons Buch und Alfredsons Verfilmung, so war dies seit jeher nicht viel mehr als ein Deckmantel, in dessen Schutz Institutionen wie die Geheimpolizei und andere Organisationen zum Schutz der Demokratie ihr eigenes, bitteres Süppchen kochten und dabei buchstäblich über Leichen gingen.
Abseits dieser Erkenntnis ist Verdammnis aber vor allem eines: Ein grundsolider und erschreckend düsterer Thriller, dem man kaum ansieht, dass er ursprünglich fürs Fernsehen konzipiert und realisiert worden ist. Zudem zeigt er, dass sich europäisches Genrekino durchaus mit den amerikanischen Vorbildern messen kann. Ein US-amerikanisches Remake ist da nur noch eine Frage der Zeit.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Verdammnis (DVD)
Originaltitel:
Flickan som lekte med elden
Produktionsland:
Schweden
Produktionsjahr:
2009
Länge:
124 (Min.)
Erschienen bei:
Warner Home Video
Bildformat:
16:9 (2.35:1)
Ton/Sprache:
Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
04.06.2010
CAST & CREW
Regie:
Daniel Alfredson
Drehbuch:
Stieg Larsson, Jonas Frykberg
Kamera:
Peter Mokrosinski
Schnitt:
Mattias Morheden
Hauptdarsteller:
Lena Endre, Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis
FILMBEWERTUNG
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