Eine große Harmonielehre
Helmut Käutner: ein großer Name, ein großer Regisseur. Romanze in Moll, Große Freiheit Nr. 7, Des Teufels General: große Titel, große Filme. Doch nie zuvor und nie wieder drehte Helmut Käutner (1908 - 1980) noch einen Film, der so herausragend ist wie dieser hier: Unter den Brücken.
Während alliierte Bomberverbände fast täglich Angriffe auf die Reichshauptstadt flogen, inszenierte er seinen Film inmitten stiller, scheinbar idyllischer Flusslandschaften in der Umgebung Berlins. Landschaften, die, ehrlich gesagt, nichts ahnen lassen von Nazis, Krieg, Tod und Zerstörung. Vor diesem Hintergrund war eine geordnete Produktion des Films nicht mehr möglich. Es kam zu Verzögerungen, Ausfällen, die sowohl die Dreharbeiten, als auch den Schnitt und die Nachbearbeitung beeinträchtigten. Als Unter den Brücken endlich fertiggestellt war und im März 1945 von der Zensur freigegeben wurde, war an eine Premiere nicht mehr zu denken. Von der Roten Armee eingekesselt, war Berlin Frontstadt und das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen.
Der Film weicht aus in die Peripherie, um dennoch Berlin als Ort der Sehnsucht einzukreisen. Er erzählt von Hendrik (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth), die Freunde sind, Besitzer und Besatzung eines Schleppkahns auf der Havel. Sie haben Freundinnen in verschiedenen Häfen und träumen von "was Festem". Eines Abends beobachten sie ein Mädchen, das sich offenbar von einer Brücke ins Wasser stürzen will. Sie eilen zu Hilfe und müssen feststellen, dass Anna (Hannelore Schroth) nur ihren Zehnmarkschein in den Fluss geworfen hat, um eine unangenehme Erinnerung loszuwerden. Aber immerhin lässt Anna sich überreden, mit nach Berlin zu fahren, und die Schiffer verlieben sich beide in sie. Sie schließen ein Abkommen: Wer Anna gewinnt, muss auf seinen Anteil am Kahn verzichten.
"Wir lebten verträumt neben der Zeit und lenkten uns durch die Arbeit von all dem Schrecken ab", erzählte Käutner später und schuf 1944 diese unglaublich dichte, atmosphärische Romanze voller filmischer Einfälle und vor allem voller Leichtigkeit, Zartheit und Poesie.
Die DVD bringt den Film in digital restaurierter Fassung nebst der einstündigen Dokumentation Knef - Die frühen Jahre, die nicht so ganz passt, da die junge Knef hier nur eine relativ kleine Nebenrolle spielt.
Und wie sagte Käutner selbst, in einem Interview von Edmund Luft: "Es gibt einen Film von mir, den ich sehr liebe und von dem ich beinah glaube, dass es mein bester ist, das ist Unter den Brücken".
(Stefan Otto)
Während alliierte Bomberverbände fast täglich Angriffe auf die Reichshauptstadt flogen, inszenierte er seinen Film inmitten stiller, scheinbar idyllischer Flusslandschaften in der Umgebung Berlins. Landschaften, die, ehrlich gesagt, nichts ahnen lassen von Nazis, Krieg, Tod und Zerstörung. Vor diesem Hintergrund war eine geordnete Produktion des Films nicht mehr möglich. Es kam zu Verzögerungen, Ausfällen, die sowohl die Dreharbeiten, als auch den Schnitt und die Nachbearbeitung beeinträchtigten. Als Unter den Brücken endlich fertiggestellt war und im März 1945 von der Zensur freigegeben wurde, war an eine Premiere nicht mehr zu denken. Von der Roten Armee eingekesselt, war Berlin Frontstadt und das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen.
Der Film weicht aus in die Peripherie, um dennoch Berlin als Ort der Sehnsucht einzukreisen. Er erzählt von Hendrik (Carl Raddatz) und Willy (Gustav Knuth), die Freunde sind, Besitzer und Besatzung eines Schleppkahns auf der Havel. Sie haben Freundinnen in verschiedenen Häfen und träumen von "was Festem". Eines Abends beobachten sie ein Mädchen, das sich offenbar von einer Brücke ins Wasser stürzen will. Sie eilen zu Hilfe und müssen feststellen, dass Anna (Hannelore Schroth) nur ihren Zehnmarkschein in den Fluss geworfen hat, um eine unangenehme Erinnerung loszuwerden. Aber immerhin lässt Anna sich überreden, mit nach Berlin zu fahren, und die Schiffer verlieben sich beide in sie. Sie schließen ein Abkommen: Wer Anna gewinnt, muss auf seinen Anteil am Kahn verzichten.
"Wir lebten verträumt neben der Zeit und lenkten uns durch die Arbeit von all dem Schrecken ab", erzählte Käutner später und schuf 1944 diese unglaublich dichte, atmosphärische Romanze voller filmischer Einfälle und vor allem voller Leichtigkeit, Zartheit und Poesie.
Die DVD bringt den Film in digital restaurierter Fassung nebst der einstündigen Dokumentation Knef - Die frühen Jahre, die nicht so ganz passt, da die junge Knef hier nur eine relativ kleine Nebenrolle spielt.
Und wie sagte Käutner selbst, in einem Interview von Edmund Luft: "Es gibt einen Film von mir, den ich sehr liebe und von dem ich beinah glaube, dass es mein bester ist, das ist Unter den Brücken".
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Unter den Brücken
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
1945
Länge:
159 (Min.)
Erschienen bei:
Transit Film
Bildformat:
1.33:1 (s/w)
Ton/Sprache:
Dolby Digital 2.0, Deutsch
Extras:
Bio- und Filmographien, Bildergalerie, Dokumentation "Knef - Die frühen Jahre"
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
20.11.2006
CAST & CREW
Regie:
Helmut Käutner
Hauptdarsteller:
Gustav Knuth, Hildegard Knef, Carl Raddatz, Hannelore Schroth, Erich Dunskus
FILMBEWERTUNG
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