The Killing Fields - Schreiendes Land (Special Edition)
DVD-Start:
15.12.2006
FSK:
16
Leserbewertung:
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Nur ein Nebenkriegsschauplatz?
Wer denkt schon an Kambodscha, wenn er Vietnam hört? Hört man Vietnam, assoziiert man damit noch heute den verheerenden Krieg, den die USA in den 60er Jahren dort anzettelten. Dass Kambodscha als „Nebenkriegsschauplatz“ in diesen hineingezogen wurde und in Folge dessen die Roten Khmer unter Pol Pot eine der grausamsten Diktaturen der Geschichte errichteten, ist weitaus weniger präsent im öffentlichen Gedächtnis. Nicht jedoch um politische und militärische Verwicklungen geht es in The Killing Fields/ Schreiendes Land von 1984, sondern um die Konsequenzen, die ein Krieg für die Menschen in einem Land nach sich zieht. Als Killing Fields werden die mit tausenden Totenschädeln und menschlichen Überresten übersäten Felder bezeichnet, auf denen die Roten Khmer die Opfer ihrer Säuberungsaktionen "entsorgten". Der Film des britischen Regisseurs Roland Joffé ist allerdings alles andere als ein Kriegsfilm, sondern erzählt emotional und authentisch die auf wahren Tatsachen basierende Geschichte der Freundschaft zweier Journalisten, die während dieses Krieges entsteht.
Der junge amerikanische Journalist Sydney Schanberg (Sam Waterston) kommt als Auslandskorrespondent der New York Times 1973 nach Kambodscha. Voller Tatendrang und nicht ohne eine gewisse imperialistische Arroganz geht er die Sache an, und es dauert nicht lange, bis er an Barrieren stößt – nicht nur die US-Streitkräfte erteilen ihm eine Lektion in Punkto Grundrechte und Pressefreiheit, als er über die Folgen eines "versehentlich falsch koordinierten" Bombenabwurfs berichten will. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen (u.a. John Malkovich), die angesichts des im Untergang begriffenen Landes einer seltsamen Dekadenz verfallen, nimmt Sydney seinen Job sehr ernst. Dabei hilft ihm der Journalist Dith Pran (Haing S. Ngor), der ihm zunächst nur als Dolmetscher zur Seite steht, aber mehr und mehr sein Freund wird. Als die politische Situation zu eskalieren beginnt, flüchtet Prans Familie, während er bleibt, um Sydney zur Seite zu stehen, was diesem schließlich das Leben retten wird. Doch als die Roten Khmer Phnom Penh einnehmen und alle westlichen Journalisten über die französische Botschaft das Land in letzter Sekunde verlassen dürfen, gelingt es dem verzweifelten Sydney nicht, sich zu revanchieren: Dith Pran muss zurückbleiben und wird einem ungewissen Schicksal in einem der berüchtigten Arbeitslager überlassen.
Wäre The Killing Fields einer dieser pathetischen Kriegsfilme, man wüsste, wie er ausgeht. Ein ungeschriebenes Genre-Gesetz besagt, dass immer einer von den "Guten" am Ende sterben muss, um die tragische Dimension des Films zu intensivieren. Doch hier steht die Evakuierung erst in der Mitte der Geschichte, die noch lange weiter geht. Und das ist einer der Gründe, warum dieser Film so besonders erschütternd und eindringlich wirkt. Der Zuschauer, der den Ausgang nicht kennt, erfährt zumindest einen Bruchteil der psychischen Belastung, die die Ungewissheit im Krieg und die Willkür eines Terrorregimes bedeuten. Dieser Film ist so (an)spannend bis zur letzten Sekunde, dass man ihn vielleicht nicht aushalten würde ohne die für einen solchen Film eher untypisch eingesetzte Filmmusik (komponiert von Mike Oldfield), die einem Spannungsbarometer gleich im unerträglichsten Moment von einem bedrohlichen Sound zu einem hörbaren Hoffnungsschimmer wird: das überlebt er auch noch. Und doch: man kennt die Genre-Regeln nur zu gut...
The Killing Fields konzentriert sich jedoch nicht allein auf den Freundschaftsplot, sondern vermittelt ein nahe gehendes und – sofern man dies als jemand, der niemals einen Krieg erlebt hat, beurteilen kann – authentisches Bild dessen, was gerne als Kollateralschaden bezeichnet und mittels Zahlen (z.B. bis zu 2 Millionen Ermordete durch die Roten Khmer) und Statistiken ausgedrückt wird: Die Leiden der Bevölkerung. Dabei wird sich nicht auf ein oder zwei Bilder von blutenden Bombenopfern, schreienden Kindern und verstümmelten Leichen beschränkt, um eine Kriegsatmosphäre als Hintergrund für die Handlung zu etablieren, ähnlich, wie man es auch aus den Zeitungen und Nachrichtensendungen kennt. Nein, man sieht mit den Augen der Beteiligten das, was auch diese immer wieder von neuem sehen müssen. Erlebt die Betroffenheit eines humanistisch gesinnten Journalisten, dem es nicht um die Sensation geht, sondern um Aufklärung der Bevölkerung in seinem eigenen Land, und der letztlich auch weiß, dass seine Kamera nur einen Bruchteil dessen dokumentiert, was insgesamt geschieht.
Man könnte nun die Warnung aussprechen, dass ein solcher Film gewiss nichts für zimperliche Gemüter ist und die eine oder andere wirklich schockierende Szene beinhaltet. Man käme dann allerdings ziemlich schnell zu der Frage, warum man sich einen solchen Film überhaupt antun sollte, wo man doch theoretisch weiß, wie schlimm Kriege sind und dieser noch dazu historisch ist. Die Antwort darauf könnte lauten: Erstens nimmt im Krieg auch niemand Rücksicht auf zimperliche Gemüter. Zweitens kennen wir als ein eigentlich friedens- und demokratieverwöhntes Publikum auch die aktuelle Situation in, beispielsweise, Nordkorea theoretisch und aus den Nachrichten (und finden diese selbstverständlich schlimm), ohne ein Bild dessen zu haben was dort wirklich geschieht und welchen Risiken sich Journalisten in Krisengebieten aussetzen. Drittens schließlich handelt es sich um einen großartigen und verdientermaßen preisgekrönten Film (u.a. drei Oscars), der vielleicht nicht die Welt, aber zumindest das Bewusstsein Einzelner verändert.
Die DVD-Version lohnt sich zudem, weil sie einen äußerst informativen Audiokommentar des Regisseurs Roland Joffé enthält, in dem dieser auch erzählt, wie es zu dem Film kam und was er ihm persönlich bedeutet. Ein weiteres DVD-Extra ist eine ausführliche Reportage, die bereits anlässlich der Filmpremiere entstand und interessante Einblicke gewährt in die Produktion eines auf einer wahren Geschichte beruhenden Films und die Möglichkeiten einer authentischen Darstellungsweise. Dabei kommen nicht nur die Schauspieler zu Wort, sondern auch die "echten" Beteiligten, der Pulitzer-Preisträger Sydney Schanberg ebenso wie seine Kollegen.
(Simin Littschwager)
Der junge amerikanische Journalist Sydney Schanberg (Sam Waterston) kommt als Auslandskorrespondent der New York Times 1973 nach Kambodscha. Voller Tatendrang und nicht ohne eine gewisse imperialistische Arroganz geht er die Sache an, und es dauert nicht lange, bis er an Barrieren stößt – nicht nur die US-Streitkräfte erteilen ihm eine Lektion in Punkto Grundrechte und Pressefreiheit, als er über die Folgen eines "versehentlich falsch koordinierten" Bombenabwurfs berichten will. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen (u.a. John Malkovich), die angesichts des im Untergang begriffenen Landes einer seltsamen Dekadenz verfallen, nimmt Sydney seinen Job sehr ernst. Dabei hilft ihm der Journalist Dith Pran (Haing S. Ngor), der ihm zunächst nur als Dolmetscher zur Seite steht, aber mehr und mehr sein Freund wird. Als die politische Situation zu eskalieren beginnt, flüchtet Prans Familie, während er bleibt, um Sydney zur Seite zu stehen, was diesem schließlich das Leben retten wird. Doch als die Roten Khmer Phnom Penh einnehmen und alle westlichen Journalisten über die französische Botschaft das Land in letzter Sekunde verlassen dürfen, gelingt es dem verzweifelten Sydney nicht, sich zu revanchieren: Dith Pran muss zurückbleiben und wird einem ungewissen Schicksal in einem der berüchtigten Arbeitslager überlassen.
Wäre The Killing Fields einer dieser pathetischen Kriegsfilme, man wüsste, wie er ausgeht. Ein ungeschriebenes Genre-Gesetz besagt, dass immer einer von den "Guten" am Ende sterben muss, um die tragische Dimension des Films zu intensivieren. Doch hier steht die Evakuierung erst in der Mitte der Geschichte, die noch lange weiter geht. Und das ist einer der Gründe, warum dieser Film so besonders erschütternd und eindringlich wirkt. Der Zuschauer, der den Ausgang nicht kennt, erfährt zumindest einen Bruchteil der psychischen Belastung, die die Ungewissheit im Krieg und die Willkür eines Terrorregimes bedeuten. Dieser Film ist so (an)spannend bis zur letzten Sekunde, dass man ihn vielleicht nicht aushalten würde ohne die für einen solchen Film eher untypisch eingesetzte Filmmusik (komponiert von Mike Oldfield), die einem Spannungsbarometer gleich im unerträglichsten Moment von einem bedrohlichen Sound zu einem hörbaren Hoffnungsschimmer wird: das überlebt er auch noch. Und doch: man kennt die Genre-Regeln nur zu gut...
The Killing Fields konzentriert sich jedoch nicht allein auf den Freundschaftsplot, sondern vermittelt ein nahe gehendes und – sofern man dies als jemand, der niemals einen Krieg erlebt hat, beurteilen kann – authentisches Bild dessen, was gerne als Kollateralschaden bezeichnet und mittels Zahlen (z.B. bis zu 2 Millionen Ermordete durch die Roten Khmer) und Statistiken ausgedrückt wird: Die Leiden der Bevölkerung. Dabei wird sich nicht auf ein oder zwei Bilder von blutenden Bombenopfern, schreienden Kindern und verstümmelten Leichen beschränkt, um eine Kriegsatmosphäre als Hintergrund für die Handlung zu etablieren, ähnlich, wie man es auch aus den Zeitungen und Nachrichtensendungen kennt. Nein, man sieht mit den Augen der Beteiligten das, was auch diese immer wieder von neuem sehen müssen. Erlebt die Betroffenheit eines humanistisch gesinnten Journalisten, dem es nicht um die Sensation geht, sondern um Aufklärung der Bevölkerung in seinem eigenen Land, und der letztlich auch weiß, dass seine Kamera nur einen Bruchteil dessen dokumentiert, was insgesamt geschieht.
Man könnte nun die Warnung aussprechen, dass ein solcher Film gewiss nichts für zimperliche Gemüter ist und die eine oder andere wirklich schockierende Szene beinhaltet. Man käme dann allerdings ziemlich schnell zu der Frage, warum man sich einen solchen Film überhaupt antun sollte, wo man doch theoretisch weiß, wie schlimm Kriege sind und dieser noch dazu historisch ist. Die Antwort darauf könnte lauten: Erstens nimmt im Krieg auch niemand Rücksicht auf zimperliche Gemüter. Zweitens kennen wir als ein eigentlich friedens- und demokratieverwöhntes Publikum auch die aktuelle Situation in, beispielsweise, Nordkorea theoretisch und aus den Nachrichten (und finden diese selbstverständlich schlimm), ohne ein Bild dessen zu haben was dort wirklich geschieht und welchen Risiken sich Journalisten in Krisengebieten aussetzen. Drittens schließlich handelt es sich um einen großartigen und verdientermaßen preisgekrönten Film (u.a. drei Oscars), der vielleicht nicht die Welt, aber zumindest das Bewusstsein Einzelner verändert.
Die DVD-Version lohnt sich zudem, weil sie einen äußerst informativen Audiokommentar des Regisseurs Roland Joffé enthält, in dem dieser auch erzählt, wie es zu dem Film kam und was er ihm persönlich bedeutet. Ein weiteres DVD-Extra ist eine ausführliche Reportage, die bereits anlässlich der Filmpremiere entstand und interessante Einblicke gewährt in die Produktion eines auf einer wahren Geschichte beruhenden Films und die Möglichkeiten einer authentischen Darstellungsweise. Dabei kommen nicht nur die Schauspieler zu Wort, sondern auch die "echten" Beteiligten, der Pulitzer-Preisträger Sydney Schanberg ebenso wie seine Kollegen.
(Simin Littschwager)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
The Killing Fields - Schreiendes Land (Special Edition)
Produktionsland:
Großbritannien
Produktionsjahr:
1984
Länge:
136 (Min.)
Erschienen bei:
Arthaus
Bildformat:
1,85:1 (anamorph)
Ton/Sprache:
Dolby Digital 5.1, Deutsch, Englisch
Extras:
Dokumentation über die Dreharbeiten (ca. 54 Min.), Audiokommentar des Regisseurs (mit deutschen UT), Fotogalerie, Trailer
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
15.12.2006
CAST & CREW
Regie:
Roland Joffé
Hauptdarsteller:
John Malkovich, Julian Sands, Sam Waterston, Haing S. Ngor
FILMBEWERTUNG
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