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The Future (DVD)

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DVD-Start: 25.05.2012
FSK: 12
Genre: Drama
Tags: Beziehung, Katze, Zukunft, Leere

Im Zeichen der Katze

Ungeduldig trippeln die weichen Pfoten auf der Stelle, während die merkwürdig verzerrte, irgendwie schmeichelnde Stimme des Tieres, dessen Gesicht wir nie zu sehen bekommen, als Erzähler fungiert. Eine Katze, die denkt, die fühlt und die vor allen Dingen zum Zuschauer spricht? Dies ist nur eine von zahlreichen Merkwürdigkeiten, mit denen die Multimedia-Künstlerin und Regisseurin Miranda July ihren zweiten Film The Future ausgestattet hat. Wie bereits bei ihrem Erstling Ich und Du und alle, die wir kennen hat sie abermals neben der Regie auch die weibliche Hauptrolle übernommen. Und wie in ihrem Debüt, so geht es auch bei diesem Film über die seltsame Welt der "Thirtysomethings", um Beziehungen, Missverständnisse, um die Liebe, die Hoffnungen und Ängste einer ganzen Generation – kurzum um das ganz normale Leben.

Wobei: Ob das, was Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) führen, wirklich eine ganz normale Beziehung ist, daran kann man schon zweifeln. Seit vier Jahren sind die beiden Hipster-Geeks nun schon ein Paar und bereits die erste Szene, die sie zusammen zeigt, deutet an, dass trotz der offensichtlichen Geistesverwandtschaft die Luft längst raus ist. In ihre Laptops vertieft sitzen sie sich gegenüber und starren auf die Bildschirme, um kurz danach darüber zu diskutieren, wer denn nun aufsteht, um ein Glas Wasser zu holen oder wie man das Aufstehen überhaupt vermeiden könnte. Dann hebt Jason die Hand, nachdem er behauptet hat, allein durch die Kraft seiner Gedanken die Zeit in ihrem Lauf anhalten zu können und selbstverständlich geht Sophie auf das Spiel ein und erstarrt förmlich in ihrer Bewegung – natürlich nur zum Schein. Gewohnheit, Routine, Langeweile, Erstarrung und ebenso großes wie stilles Einverständnis mit dem anderen – das alles und noch vieles andere mehr, was unausgesprochen über den Köpfen der beiden schwebt, wird in dieser Szene greifbar.

Während Sophie kleinen Kindern Tanzunterricht erteilt und dabei selbst die meiste Zeit wie ein vielleicht sechsjähriges Mädchen wirkt, das sich immer wieder in Tagträume, verrückte Projekte und schließlich sogar in eine Affäre stürzt, erledigt Jason mehr oder minder ohne Enthusiasmus seinen Job als Hotline-Supporter, um später als Klinkenputzer für eine Naturschutzorganisation das Baumsterben quasi im Alleingang zu verhindern oder es zumindest zu versuchen. Es sind kleine Fluchten aus dem Beziehungseinerlei, aus einem Alltag, der beiläufig drückend schwer geworden ist.

Um doch noch einmal etwas gemeinsam in Angriff zu nehmen, haben sich die beiden dazu entschlossen, eine kranke Katze aus dem Tierheim – eben jene Erzählstimme, mit der der Film beginnt – zu adoptieren. Doch "Pfötchen", so der Name der Katze, muss noch dreißig Tage im Tierheim bleiben, bis die verletzte Pfote wieder verheilt ist. Dann aber, so sagt die Tierärztin, könne das Tier gut und gerne noch fünf Jahre vor sich haben. Was eigentlich eine gute Nachricht für die werdenden Katzeneltern sein sollte, ruft bei diesen jedoch ein unbestimmte Panikgefühl hervor, denn: "In fünf Jahren, da sind wir 40. Und 40, das ist fast 50. Was danach kommt, ist nur noch das Kleingeld im Leben."

Unter der einerseits drohenden und andererseits herbeigesehnten Verantwortung für das Kätzchen, das die Lücke, das Vakuum zwischen den beiden ausfüllen soll, beginnen die beiden, ihr Leben noch einmal neu zu überdenken und versuchen, sich neu zu definieren. Doch wie werden sich diese Veränderungen auf ihre Beziehung auswirken, haben sie überhaupt noch eine gemeinsame Zukunft? Stehen Sophie und Jason erst am Anfang ihrer Beziehung, wie ein alter Mann es behauptet, oder ist das Ende bereits in Sicht?

Trotz aller Poesie und Zärtlichkeit, trotz bizarrer Einfälle und hinreißender Episoden ist Miranda Julys neuer Film The Future kein Werk, das in erster Linie unterhalten will. Zwar muss man dank vieler schräger Einfälle und liebenswert skurril gezeichneter Figuren desöfteren schmunzeln, doch der Fokus der Regisseurin liegt weniger auf der vermeintlichen Lächerlichkeit eines Lebensentwurfs, sondern vielmehr auf dessen Fragilität. Die Sperrigkeit, die The Future umgibt und die den Charme dieses Films ausmacht, liegt vor allem an Julys Collage-Technik, die unterschiedslos Banales und Tiefsinniges, Albernheiten und Einsichten von beinahe schon philosophischer Tragweite, Surreales, das an manchen Stellen ein wenig an David Lynch erinnert, und Neurosen, die man in solcher Intensität zuletzt vor Ewigkeiten in Woody Allens Filmen der 1970er besichtigen konnte, zusammenbringt. Auf diese Weise entsteht ein Flickenteppich, eine gewaltige Collage in ebenso quietschbunten wie düsteren Farben, die die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers fordert. Ob sich am Ende aus diesem verrückten Werk ein stimmiges Gesamtbild entwickelt, liegt nicht zuletzt auch am Rezipienten selbst und dessen Bereitschaft, sich auf die magisch-poetische, die banal-bizarre Welt der Miranda July einzulassen - und gegebenenfalls über sich selbst zu lachen. Denn als Generationsporträt der internetaffinen Hipster entwickelt der Film neben seiner verträumten Dekonstruktion einer Liebesbeziehung einen Subtext, der durchaus auf der Höhe ist und der zugleich ein Schreckensbild auf die Leinwand zaubert: Als Sophie und Jason an einer Stelle des Films beschließen, bei sich zuhause in einer Stunde das Internet für immer auszuschalten und sich zuvor beeilen, alles Wissenswerte, das man nur im Netz finden kann, noch einmal auf ihre Laptops zu laden, sind sie bereits nach wenigen Minuten fertig mit der Recherche und schließen frustriert ihre MacBooks. Nun, so ahnt man, könnte das wahre Leben beginnen - wenn sie nur wüssten, was das sein soll.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
Länge: 87 (Min.)
Erschienen bei: Alamode Film
Bildformat: 16:9
Ton/Sprache: Dolby Digital 5.1, Deutsch, Englisch
DVD-Start: 25.05.2012
Extras: Deleted Scene, Making Of, Audiokommentar von Miranda July, Trailer

Cast & Crew

Regie: Miranda July
Drehbuch: Miranda July
Kamera: Nikolai von Graevenitz
Schnitt: Andrew Bird
Musik: Jon Brion
Hauptdarsteller: Miranda July, Hamish Linklater, David Warshofsky, Isabella Acres, Joe Putterlik

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