Versteinerte Herzen
Sie gelten beide als prägendste Schauspieler ihrer jeweiligen Generation und haben erst einmal zusammengespielt – in The Score (2001) von Frank Oz, bei dem zudem noch Marlon Brando mitwirkte: Die Rede ist natürlich von Robert De Niro und Edward Norton. Für seinen Film Stone, der auf einem Bühnenstück von Angus MacLachlan (Junebug) beruht, hat der Regisseur John Curran die beiden Edelmimen nun erneut gemeinsam vor die Kamera geholt und mit Mila Jovovich als leicht prolliger femme fatale ergänzt.
Jack Mabry (Robert De Niro) hat im Laufe seiner vielen Jahre als Bewährungsbeamter im Gefängnis schon viel gesehen. Er ist derjenige, der darüber entscheidet, ob ein Strafgefangener (meist sind es die schwereren Kaliber, die vor ihm sitzen) vorzeitig aus der Haft entlassen wird oder den Rest seiner Strafe absitzen muss. Vor allem aber – und das weiß kaum jemand außer seiner Frau und eben der Zuschauer, der gleich zu Beginn des Filmes zum Augenzeugen wird – ist Mabry selbst ein Mann mit einem gewaltigen Aggressionspotenzial, das er mühsam unterdrückt und reguliert: In jungen Jahren (in diesem Prolog wird die Figur Jack von Enver Gjokaj gespielt) drohte er seiner Frau Madylyn (Pepper Binkley) recht plastisch damit, die gemeinsame Tochter aus dem Fenster zu werfen, falls ihn seine Gattin wie angekündigt verlassen würde. Nun, nach vielen Jahren sind die beiden immer noch zusammen; während Madylyn (Frances Conroy) versucht, ihr verpfuschtes Leben mittels Whiskey und ausgiebiger Bibellektüre zu meistern, steht der ebenfalls gläubige Jack kurz vor seiner Pensionierung und muss noch einen letzten Fall bearbeiten. Er soll darüber befinden, ob der Brandstifter Gerald "Stone" Creeson (Edward Norton) nach acht Jahren aus der Haft entlassen werden kann oder nicht.
Trotz aller Beteuerungen Stones, dass er sich geändert habe, schenkt Mabry dem Mann keinen Glauben, so dass der Häftling und seine Freundin Lucetta (Milla Jovovich) sich zu einigen Tricks entschließen, um den Bewährungsbeamten doch noch zu überzeugebn. Während Stone nun allem Anschein nach eine Wandlung zum gläubigen Christen durchmacht, zielt Lucettas Strategie eher auf den Unterleib Mabrys, den sie nach allen Regeln der Kunst verführt und gefügig macht. Spät erst, viel zu spät muss Jack erkennen, dass er nur eine Schachfigur war, die in den Händen geschickter Spieler über das Brett bewegt wurde. Sein Sündenfall stellt sein gesamtes bisheriges Leben in Frage.
Trotz der imposanten Besetzung und zweier wahrer Titanen der Schauspielkunst, die allerdings in letzter Zeit wenig Glück bei der Rollenauswahl bewiesen, ist John Currans leises und manchmal etwas dialoglastiges Psychodrama Stone nicht der ganz große Wurf geworden. Und das liegt weniger an den Darstellern, bei denen Mila Jovovich den Kerlen zeigt, dass in ihr einiges mehr steckt, als vielmehr an einem Drehbuch, dem es nicht gelingt, die feinen psychologischen Betrachtungen durchgehend fesselnd zu gestalten. Dies könnte unter anderem auch darin begründet sein, dass der Film mit einer gründlichen Demontage seines Protagonisten beginnt, so dass es schwer fällt, Mabrys Absturz mit Empathie zu verfolgen. Solchermaßen eines Sympathieträgers beraubt, fehlt es dem Film trotz seiner Darsteller und einer gekonnten Inszenierung an der notwendigen Sogkraft, um zu faszinieren und zu begeistern.
Was zudem irritiert an Stone, ist sein recht penetranter religiöser Unterton, der immer wieder auch auf der Soundebene voll durchschlägt, wenn man immer wieder Zeuge von Call-in-Sendungen christlicher Radiosender wird. Als Grundidee interessant, läuft die Allgegenwärtigkeit christlicher Symbole und Motive irgendwann völlig ins Leere, weil Curran und sein Drehbuchautor Angus MacLachlan dies so inflationär einsetzen, dass man sich als Zuschauer förmlich genötigt fühlt, den Kunstgriff zu goutieren. Weil ihnen aber das rechte Maß für den dezenten Einsatz ihrer Motive fehlt, erschlägt die Penetranz der Metaphern am Ende jegliche Freude an der Interpretation.
Immerhin weiß Stone zumindest ansatzweise dank seiner Darsteller und einigen interessanten Fragestellungen zu gefallen. Vom neuerlichen Zusammentreffen zweier Darsteller wie Robert De Niro und Edward Norton hätte man sich aber sicherlich mehr erhofft.
(Joachim Kurz)
Jack Mabry (Robert De Niro) hat im Laufe seiner vielen Jahre als Bewährungsbeamter im Gefängnis schon viel gesehen. Er ist derjenige, der darüber entscheidet, ob ein Strafgefangener (meist sind es die schwereren Kaliber, die vor ihm sitzen) vorzeitig aus der Haft entlassen wird oder den Rest seiner Strafe absitzen muss. Vor allem aber – und das weiß kaum jemand außer seiner Frau und eben der Zuschauer, der gleich zu Beginn des Filmes zum Augenzeugen wird – ist Mabry selbst ein Mann mit einem gewaltigen Aggressionspotenzial, das er mühsam unterdrückt und reguliert: In jungen Jahren (in diesem Prolog wird die Figur Jack von Enver Gjokaj gespielt) drohte er seiner Frau Madylyn (Pepper Binkley) recht plastisch damit, die gemeinsame Tochter aus dem Fenster zu werfen, falls ihn seine Gattin wie angekündigt verlassen würde. Nun, nach vielen Jahren sind die beiden immer noch zusammen; während Madylyn (Frances Conroy) versucht, ihr verpfuschtes Leben mittels Whiskey und ausgiebiger Bibellektüre zu meistern, steht der ebenfalls gläubige Jack kurz vor seiner Pensionierung und muss noch einen letzten Fall bearbeiten. Er soll darüber befinden, ob der Brandstifter Gerald "Stone" Creeson (Edward Norton) nach acht Jahren aus der Haft entlassen werden kann oder nicht.
Trotz aller Beteuerungen Stones, dass er sich geändert habe, schenkt Mabry dem Mann keinen Glauben, so dass der Häftling und seine Freundin Lucetta (Milla Jovovich) sich zu einigen Tricks entschließen, um den Bewährungsbeamten doch noch zu überzeugebn. Während Stone nun allem Anschein nach eine Wandlung zum gläubigen Christen durchmacht, zielt Lucettas Strategie eher auf den Unterleib Mabrys, den sie nach allen Regeln der Kunst verführt und gefügig macht. Spät erst, viel zu spät muss Jack erkennen, dass er nur eine Schachfigur war, die in den Händen geschickter Spieler über das Brett bewegt wurde. Sein Sündenfall stellt sein gesamtes bisheriges Leben in Frage.
Trotz der imposanten Besetzung und zweier wahrer Titanen der Schauspielkunst, die allerdings in letzter Zeit wenig Glück bei der Rollenauswahl bewiesen, ist John Currans leises und manchmal etwas dialoglastiges Psychodrama Stone nicht der ganz große Wurf geworden. Und das liegt weniger an den Darstellern, bei denen Mila Jovovich den Kerlen zeigt, dass in ihr einiges mehr steckt, als vielmehr an einem Drehbuch, dem es nicht gelingt, die feinen psychologischen Betrachtungen durchgehend fesselnd zu gestalten. Dies könnte unter anderem auch darin begründet sein, dass der Film mit einer gründlichen Demontage seines Protagonisten beginnt, so dass es schwer fällt, Mabrys Absturz mit Empathie zu verfolgen. Solchermaßen eines Sympathieträgers beraubt, fehlt es dem Film trotz seiner Darsteller und einer gekonnten Inszenierung an der notwendigen Sogkraft, um zu faszinieren und zu begeistern.
Was zudem irritiert an Stone, ist sein recht penetranter religiöser Unterton, der immer wieder auch auf der Soundebene voll durchschlägt, wenn man immer wieder Zeuge von Call-in-Sendungen christlicher Radiosender wird. Als Grundidee interessant, läuft die Allgegenwärtigkeit christlicher Symbole und Motive irgendwann völlig ins Leere, weil Curran und sein Drehbuchautor Angus MacLachlan dies so inflationär einsetzen, dass man sich als Zuschauer förmlich genötigt fühlt, den Kunstgriff zu goutieren. Weil ihnen aber das rechte Maß für den dezenten Einsatz ihrer Motive fehlt, erschlägt die Penetranz der Metaphern am Ende jegliche Freude an der Interpretation.
Immerhin weiß Stone zumindest ansatzweise dank seiner Darsteller und einigen interessanten Fragestellungen zu gefallen. Vom neuerlichen Zusammentreffen zweier Darsteller wie Robert De Niro und Edward Norton hätte man sich aber sicherlich mehr erhofft.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Stone
Produktionsland:
USA
Produktionsjahr:
2010
Länge:
105 (Min.)
Erschienen bei:
Ascot Elite Home Entertainment
Bildformat:
16:9
Ton/Sprache:
Dolby Digital 5.1, Deutsch, Englisch
Extras:
Featurette, Interviews, Beim Dreh, Trailer
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
15.03.2011
CAST & CREW
Regie:
John Curran
Drehbuch:
Angus MacLachlan
Kamera:
Maryse Alberti
Schnitt:
Alexandre de Franceschi
Hauptdarsteller:
Robert De Niro, Frances Conroy, Milla Jovovich, Edward Norton, Enver Gjokaj, Liam Ferguson
MEINUNGEN
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: hannibal am: 12.03.12
einfach nur pentrant religiös angehaucht undunendlich langweilig
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