Eine Art Heimatfilm
Wenn's nicht läuft, läuft es einfach nicht. Wer selbst schon einmal eine Pechsträhne hatte, weiß selbst genau, dass sich manchmal ein Unglück gerne zum vorigen gesellt. Und genau das widerfährt dem Hamburger Kneipier Zinos (Adam Bousdoukos). Seine Kneipe "Soul Kitchen" im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg läuft mehr schlecht als recht, seine Freundin Nadine (Pheline Roggan) befindet sich auf dem Absprung nach China, um dort als Auslandskorrespondentin zu arbeiten und dann ereilt ihn zu allem Unglück auch noch ein äußerst schmerzhafter Bandscheibenvorfall, der ihn beinahe bewegungsunfähig macht. Besonders blöd ist das natürlich, wenn man wie Zinos nicht einmal krankenversichert ist und sich deshalb in die groben Hände von Heilern wie "Kemal, dem Knochenbrecher" begeben muss. Zu allem Überfluss gibt es zudem noch Zinos' kriminellen Bruder Illias (Moritz Bleibtreu), der unbedingt im Soul Kitchen mitarbeiten will, um seinen Freigang zu verlängern, und Torsten Neumann (Wotan Wilke Möring), einen windigen Freund von früher, der es auf das "Soul Kitchen" abgesehen hat. Und so überschlagen sich alsbald die Ereignisse, zumal dank des cholerischen, aber grenzgenialen neuen Kochs Shayn (Birol Ünel) die üble Absteige quasi über Nacht zum In-Lokal Hamburgs wird.
Man muss sich erst einmal an diesen Film gewöhnen: Ungewohnt leicht, manchmal ein wenig lärmig, dann wieder derb und ungeschliffen kommt Soul Kitchen daher und schlägt Töne an, die man von den letzten Filmen Fatih Akins gar nicht gewohnt ist. Statt ausgeklügelter Figurenzeichnungen und emotionaler Verschränkungen versammelt das Skript allerlei Anzügliches, packt jede Menge wilde Sprünge und Unwahrscheinlichkeiten, Hans-Albers-Songs, Jan-Delay-Lieder und natürlich Soul Music in den Plot und verrührt das Ganze zu einer Ode an das prekäre Dasein Hamburger (Über)Lebenskünstler, die immer wieder straucheln und dann im nächste Moment wieder aufstehen, um irgendwie weiterzumachen.
Sicherlich, Soul Kitchen wird manchen Fan von Fatih Akin irritieren, der sich nach den wuchtigen Dramen Gegen die Wand und Auf der anderen Seite einen ähnlichen Film erwartet hatte. Aber zeichnet nicht gerade das einen guten Filmemacher aus – dass er sich immer wieder weiterbewegt? Nicht das Erwartete und Erwartbare präsentiert, sondern Neues wagt? Mit Soul Kitchen ist Akin das jedenfalls zumindest teilweise gelungen. Wobei vieles, was man hier sieht, nicht wirklich neu ist, sondern schon in früheren Filmen wie Solino zu sehen war. Nur vergisst man das angesichts des übermächtigen Eindrucks von Gegen die Wand und Auf der anderen Seite eben allzu leicht.
Vor allem aber ist Soul Kitchen ein echter Jungs-Film: Statt den Angeboten aus Hollywood zu folgen, hat Fatih Akin allem Anschein nach lieber einen Spaß-Film mit seinen Freunden gedreht. Wie so oft, so spielen auch diese Mal wieder zahlreiche Schauspieler wie Moritz Bleibtreu, Adam Bousdoukos und Demir Gökgöl mit, die schon beinahe zu (lebendigen) Inventar eines Akin-Films gehören.
Wüsste man es nicht besser und wären die Helden und Figuren aus Akins neuem Film im Verlauf ihrer (und seiner) Karriere nicht gemeinsam mit ihm gealtert, würde man Stein und Bein schwören, dass dieser Regisseur maximal Mitte 20 ist und gerade erst seine Karriere beginnt. Wer Akins Kurzfilme wie Getürkt oder Sensin, du bist es! kennt, die vor mehr als zehn Jahren entstanden sind, kann darin durchaus Vorläufer zu diesem neuen Film sehen.
Und so vereint Soul Kitchen scheinbar Widersprüchliches in sich: Er ist Neubeginn und Rückbesinnung, verhandelt Tiefsinniges wie Liebe, Abschied und Heimat mit Wärme und Albernheit, ist funky, dann wieder spröde und manchmal an der Grenze des Banalen und Platten. In all seiner Vitalität, aber auch seinen Ungereimtheiten und seiner Sprunghaftigkeit wirkt dieser Film wie ein Zwischenschritt; es haftet ihm der Versuch an, sich neu zu erfinden und sich zugleich mit Bekanntem und Vertrautem rückzuversichern. Mit allem Risiken und Nebenwirkungen, die solch ein Prozess beinhaltet.
(Joachim Kurz)
Man muss sich erst einmal an diesen Film gewöhnen: Ungewohnt leicht, manchmal ein wenig lärmig, dann wieder derb und ungeschliffen kommt Soul Kitchen daher und schlägt Töne an, die man von den letzten Filmen Fatih Akins gar nicht gewohnt ist. Statt ausgeklügelter Figurenzeichnungen und emotionaler Verschränkungen versammelt das Skript allerlei Anzügliches, packt jede Menge wilde Sprünge und Unwahrscheinlichkeiten, Hans-Albers-Songs, Jan-Delay-Lieder und natürlich Soul Music in den Plot und verrührt das Ganze zu einer Ode an das prekäre Dasein Hamburger (Über)Lebenskünstler, die immer wieder straucheln und dann im nächste Moment wieder aufstehen, um irgendwie weiterzumachen.
Sicherlich, Soul Kitchen wird manchen Fan von Fatih Akin irritieren, der sich nach den wuchtigen Dramen Gegen die Wand und Auf der anderen Seite einen ähnlichen Film erwartet hatte. Aber zeichnet nicht gerade das einen guten Filmemacher aus – dass er sich immer wieder weiterbewegt? Nicht das Erwartete und Erwartbare präsentiert, sondern Neues wagt? Mit Soul Kitchen ist Akin das jedenfalls zumindest teilweise gelungen. Wobei vieles, was man hier sieht, nicht wirklich neu ist, sondern schon in früheren Filmen wie Solino zu sehen war. Nur vergisst man das angesichts des übermächtigen Eindrucks von Gegen die Wand und Auf der anderen Seite eben allzu leicht.
Vor allem aber ist Soul Kitchen ein echter Jungs-Film: Statt den Angeboten aus Hollywood zu folgen, hat Fatih Akin allem Anschein nach lieber einen Spaß-Film mit seinen Freunden gedreht. Wie so oft, so spielen auch diese Mal wieder zahlreiche Schauspieler wie Moritz Bleibtreu, Adam Bousdoukos und Demir Gökgöl mit, die schon beinahe zu (lebendigen) Inventar eines Akin-Films gehören.
Wüsste man es nicht besser und wären die Helden und Figuren aus Akins neuem Film im Verlauf ihrer (und seiner) Karriere nicht gemeinsam mit ihm gealtert, würde man Stein und Bein schwören, dass dieser Regisseur maximal Mitte 20 ist und gerade erst seine Karriere beginnt. Wer Akins Kurzfilme wie Getürkt oder Sensin, du bist es! kennt, die vor mehr als zehn Jahren entstanden sind, kann darin durchaus Vorläufer zu diesem neuen Film sehen.
Und so vereint Soul Kitchen scheinbar Widersprüchliches in sich: Er ist Neubeginn und Rückbesinnung, verhandelt Tiefsinniges wie Liebe, Abschied und Heimat mit Wärme und Albernheit, ist funky, dann wieder spröde und manchmal an der Grenze des Banalen und Platten. In all seiner Vitalität, aber auch seinen Ungereimtheiten und seiner Sprunghaftigkeit wirkt dieser Film wie ein Zwischenschritt; es haftet ihm der Versuch an, sich neu zu erfinden und sich zugleich mit Bekanntem und Vertrautem rückzuversichern. Mit allem Risiken und Nebenwirkungen, die solch ein Prozess beinhaltet.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Soul Kitchen (DVD)
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2009
Länge:
99 (Min.)
Erschienen bei:
Alive AG
Bildformat:
16:9
Ton/Sprache:
Dolby Digital 5.1, Deutsch
Extras:
Making Of, Audiokommentar von Fatih Akin, "Identity" Kurzfilm von Anna Bederke, "Disco" Musikvideo von Jan Delay, nicht verwendete Szenen
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
25.08.2010
CAST & CREW
Regie:
Fatih Akin
Drehbuch:
Fatih Akin, Adam Bousdoukos
Kamera:
Rainer Klausmann
Schnitt:
Andrew Bird
Hauptdarsteller:
Wotan Wilke Möhring, Birol Ünel, Moritz Bleibtreu, Adam Bousdoukos, Pheline Roggan
MEINUNGEN
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