Underdogs im britischen Arbeitermilieu
Drei Filme des international renommierten britischen Ausnahme-Regisseurs bilden die Edition Ken Loach – Arthaus Close-Up: Neben dem zutiefst bewegenden Drama Ladybird Ladybird (1993), das bereits Anfang des Jahres im Rahmen der Arthaus Collection British Cinema erhältlich war, erscheinen nun Raining Stones (1993) und Riff Raff (1991) erstmals in Deutschland auf DVD. Nachdem Riff Raff bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit dem FIPRESCI Preis sowie unter anderem mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde, stieg das Ansehen des politisch engagierten Filmemachers auch in weltweiten Filmkreisen ganz gewaltig an. In der Tat stellt diese sensibel inszenierte, im rauhen Arbeitermilieu angesiedelte Liebesgeschichte mit ihrer sanften und doch rebellischen Komik einen beeindruckenden Film dar, der durch seine unaufdringliche Sozialkritik berührt.
Gerade aus dem Knast entlassen und mit seiner spärlichen Habe ohne Unterkunft heuert der junge Steve (Robert Carlyle) bei einem bunt zusammengewürfelten Arbeitstrupp an, der abgewrackte Gebäude saniert. Die Männer, die hier bei miserabler Bezahlung unter strengem Regiment schuften, befinden sich ähnlich wie Steve überwiegend in desolaten Situationen ohne soziale Absicherung, und die Sicherheitsvorkehrungen auf der Baustelle werden permanent vernachlässigt. Bei allen räudigen kleinen Geschäften untereinander, die sich vor allem um die Einlösung der Gehaltsschecks drehen, der für illegal Beschäftigte schwer möglich ist, herrscht auch eine förderliche Solidarität unter den Arbeitern, die Steve gleich am Anfang zu spüren bekommt: Kurzerhand besetzt eine kleine Crew eine verlassene Wohnung mit ihm und „organisiert“ auch gleich Wasser und Strom für sein neues Zuhause.
Als Steve auf dem Bau eine Handtasche findet, führt dies zur Bekanntschaft mit der vereinsamten und verunsicherten Susan (Emer McCourt), die sich mehr schlecht als recht als wenig talentierte Sängerin durchschlägt. Recht zögerlich lässt sich die labile junge Frau auf den unerschütterlichen Steve ein, der es sich zur Aufgabe macht, sie in allen Dingen zu ermutigen und zu unterstützen. Schließlich zieht Susan bei Steve ein, doch der gemeinsame Alltag führt bald zu zermürbenden Streitigkeiten, da Susan offensichtlich viel stärker in ihrem selbstzerstörerischen Schlamassel steckt, als Steve geahnt hat – als er seine Freundin mit einer Spritze im Arm erwischt, schmeißt er sie gnadenlos aus der Wohnung. Und dann kommt es auf der Baustelle auf Grund eines schlecht gesicherten Gerüsts zu einem schrecklichen Unfall ...
Mit unbarmherzigem Realismus begleitet die Kamera von Barry Ackroyd, der neben Riff Raff, Raining Stones und Ladybird Ladybird bei zahlreichen weiteren Filmen mit Ken Loach kooperierte, die unbeugsamen Helden einer unwegsamen Männerwelt, die sich bemühen, unter widrigen Umständen ihre Würde zu wahren. Der starke Charakter des jungen Steve – ebenso unspektakulär wie absolut überzeugend von Robert Carlyle verkörpert – steht für einen gestrauchelten Underdog, der um sein Standing kämpft und es sich dennoch nicht nehmen lässt, Respekt für die um ein erträgliches Leben ringende menschliche Existenz einzufordern. In diesem Aspekt manifestiert sich auch die zentrale Aussage von Regisseur Ken Loach, dessen politisch-philosophische Nähe zur unterprivilegierten Arbeiterschaft hier einen prägnanten Ausdruck gewinnt. Dass es am Ende kräftig knallt, deutet sich immer wieder leise im Verlauf der Dramaturgie an und erscheint als schlüssige Konsequenz der grausamen Trägheit eines maroden Systems, das sich dem Minimum an achtsamer Menschlichkeit verweigert.
(Marie Anderson)
Gerade aus dem Knast entlassen und mit seiner spärlichen Habe ohne Unterkunft heuert der junge Steve (Robert Carlyle) bei einem bunt zusammengewürfelten Arbeitstrupp an, der abgewrackte Gebäude saniert. Die Männer, die hier bei miserabler Bezahlung unter strengem Regiment schuften, befinden sich ähnlich wie Steve überwiegend in desolaten Situationen ohne soziale Absicherung, und die Sicherheitsvorkehrungen auf der Baustelle werden permanent vernachlässigt. Bei allen räudigen kleinen Geschäften untereinander, die sich vor allem um die Einlösung der Gehaltsschecks drehen, der für illegal Beschäftigte schwer möglich ist, herrscht auch eine förderliche Solidarität unter den Arbeitern, die Steve gleich am Anfang zu spüren bekommt: Kurzerhand besetzt eine kleine Crew eine verlassene Wohnung mit ihm und „organisiert“ auch gleich Wasser und Strom für sein neues Zuhause.
Als Steve auf dem Bau eine Handtasche findet, führt dies zur Bekanntschaft mit der vereinsamten und verunsicherten Susan (Emer McCourt), die sich mehr schlecht als recht als wenig talentierte Sängerin durchschlägt. Recht zögerlich lässt sich die labile junge Frau auf den unerschütterlichen Steve ein, der es sich zur Aufgabe macht, sie in allen Dingen zu ermutigen und zu unterstützen. Schließlich zieht Susan bei Steve ein, doch der gemeinsame Alltag führt bald zu zermürbenden Streitigkeiten, da Susan offensichtlich viel stärker in ihrem selbstzerstörerischen Schlamassel steckt, als Steve geahnt hat – als er seine Freundin mit einer Spritze im Arm erwischt, schmeißt er sie gnadenlos aus der Wohnung. Und dann kommt es auf der Baustelle auf Grund eines schlecht gesicherten Gerüsts zu einem schrecklichen Unfall ...
Mit unbarmherzigem Realismus begleitet die Kamera von Barry Ackroyd, der neben Riff Raff, Raining Stones und Ladybird Ladybird bei zahlreichen weiteren Filmen mit Ken Loach kooperierte, die unbeugsamen Helden einer unwegsamen Männerwelt, die sich bemühen, unter widrigen Umständen ihre Würde zu wahren. Der starke Charakter des jungen Steve – ebenso unspektakulär wie absolut überzeugend von Robert Carlyle verkörpert – steht für einen gestrauchelten Underdog, der um sein Standing kämpft und es sich dennoch nicht nehmen lässt, Respekt für die um ein erträgliches Leben ringende menschliche Existenz einzufordern. In diesem Aspekt manifestiert sich auch die zentrale Aussage von Regisseur Ken Loach, dessen politisch-philosophische Nähe zur unterprivilegierten Arbeiterschaft hier einen prägnanten Ausdruck gewinnt. Dass es am Ende kräftig knallt, deutet sich immer wieder leise im Verlauf der Dramaturgie an und erscheint als schlüssige Konsequenz der grausamen Trägheit eines maroden Systems, das sich dem Minimum an achtsamer Menschlichkeit verweigert.
(Marie Anderson)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Riff Raff
Produktionsland:
Großbritannien
Produktionsjahr:
1991
Länge:
92 (Min.)
Bildformat:
4:3
Ton/Sprache:
Dolby Digital 2.0, Deutsch, Englisch
Extras:
Fotogalerie, Trailer, Presseheft mit Produktionsnotizen und Biographie des Regisseurs
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
15.07.2010
CAST & CREW
Regie:
Ken Loach
Drehbuch:
Lars Jessen
Kamera:
Barry Ackroyd
Schnitt:
Jonathan Morris
Musik:
Stewart Copeland
Hauptdarsteller:
Robert Carlyle, Emer McCourt, Richard Belgrave, Jim R. Coleman, Ricky Tomlinson
FILMBEWERTUNG
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