Requiem (DVD) - DVD - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
Zurück zur Übersicht

Requiem (DVD)

Meinungen
0

4.6 Sterne aus 5 Bewertungen

DVD-Start: 08.09.2006
FSK: 12

Die wahre Geschichte einer Teufelsaustreibung

Die Berlinale 2006 sollte eine Feuerwerk des deutschen Films werden. Vier Beiträge im Wettbewerb und unzählige Produktionen in den anderen Sektionen sollten die Stärke und Prominenz des hiesigen Filmlandes zeigen. Das ging, zumindest im Wettbewerb, ein wenig daneben. Doch dann kam Requiem und die Kritiker begannen zu diskutieren. Für einen Film die höchste Auszeichnung.

Der Film von Hans-Christian Schmid (23, Crazy, Nach Fünf im Urwald) beginnt mit dem Hinweis, dass die Geschichte zwar von einer wahren Begebenheit inspiriert ist, aber diese nicht exakt nachstellt. Begrenzt authentisch inszeniert der Regisseur ein paar Monate im Leben einer jungen Frau, die zwischen Familie, Glaube und Krankheit zerrissen ist. Die Theaterschauspielerin Sandra Hüller begeisterte in ihrem Leinwanddebüt die Zuschauer und wurde für ihre Rolle der Michaela mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Michaela ist 20 und verlässt ihr streng katholisches Elternhaus in der schwäbischen Provinz, um an der Universität Tübingen ein Studium zu beginnen. Ihr großer Traum: Lehrerin werden. In der neuen Umgebung genießt sie ihre Freiheit und steht zum ersten Mal in ihrem Leben auf eigenen Füßen. Mit ihrer Kommilitonin Hanna entdeckt sie eine ihr gänzlich unbekannte Welt, lernt auf einer Party den Chemiestudenten Stefan kennen. Die beiden werden ein Paar und das Elternhaus rückt in weite Ferne. Doch die Vergangenheit lässt Michaela nicht los. Sie ist Epileptikerin, die während ihrer Schulzeit oft monatelang in Krankenhäusern therapiert wurde. In Tübingen fühlt sie sich zunehmend von inneren Stimmen verfolgt, die sie nicht mehr loslassen. Sie glaubt, von Dämonen besessen zu sein und sucht Hilfe beim Pfarrer ihres Heimatortes. Der Geistliche glaubt ihr nicht, bestreitet die Existenz von Teufel und Fratzen, die Michaela sieht. Wieder bekommt sie Tabletten gegen Epilepsie. Dass sie psychisch krank ist, fällt niemandem auf. An Heiligabend eskaliert ein Streit mit ihrer Familie. Für diese und den Priester ist klar, dass ihr nur durch Exorzismus geholfen werden kann. Auf grausame Art und Weise versuchen sie den Teufel auszutreiben.

Schmid, der schon mit Lichter ein packendes gesellschaftliches Drama inszenierte, zeigt eine problembelastete Familie, in der alles andere als Nächstenliebe herrscht. Besonders die Beziehung Michaelas zu ihren Eltern ist speziell und heikel. Mit einer unglaublichen Sorgfalt für Ort, Zeit und Atmosphäre des Films schafft es der Regisseur trotz einiger Längen und Grausamkeit der Handlung den Zuschauer zu fesseln. In einer starken Schlusssequenz entlädt sich die Spannung. Die Schauspieler, allen voran Sandra Hüller, sind ein unglaublicher Gewinn für den Film im 70-er Jahre-Look. Am Ende steht die Frage, ob nicht die eigene Umgebung die junge Frau krank gemacht hat und wie ihr besser hätte geholfen werden können. Ein Film, der lange nachwirkt.

(Gesine Grassel)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2005
Länge: 89 (Min.)
Erschienen bei: Warner Home Video
Bildformat: 16:9
Ton/Sprache: Dolby Digital 5.1, Deutsch
DVD-Start: 08.09.2006
Extras: Audiokommentar von Regisseur Hans-Christian Schmid und Hauptdarstellerin Sandra Hüller, Biographien von Stab und Besetzung, Fotogalerie, Interviews mit Regisseur Hans-Christian Schmid und Hauptdarstellerin Sandra Hüller. Making Of , Nicht verwendete Szenen, Trailer

Cast & Crew

Regie: Hans-Christian Schmid
Hauptdarsteller: Burghart Klaußner, Sandra Hüller, Imogen Kogge, Friederike Adolph, Anna Blomeier

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München
  • Festival Scope