Ein kurioser Kult-Klassiker
Als der US-amerikanische Filmemacher Quentin Tarantino nach seinem fulminanten Spielfilmdebüt Reservoir Dogs von 1992 zwei Jahre später im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes mit Pulp Fiction sein neues Projekt präsentierte, durchströmte eine warme Welle entwaffneter Begeisterung die Filmwelten. Was sich da in zusammenhängenden Episoden mit frecher Leichtigkeit in unorthodoxer Chronologie auf der Leinwand ereignete, stellte eine Innovation, wenn nicht Revolution innerhalb der üblichen filmischen Erzählstrukturen dar, die einen illustren sowie höchst unterhaltsamen Schatz an Reminiszenzen, Referenzen und Zitaten zirkulieren ließ. Der Goldenen Palme folgten etliche weitere Auszeichnungen inklusive einem Academy Award für das Beste Drehbuch, ein enormer Erfolg in den Kinos und eine frenetische Fangemeinde – das Genre des Gangsterfilms war um eine gleichermaßen coole wie drastische Dimension gewachsen.
Beginnend mit dem geradezu putzigen Gangster-Pärchen Honey Bunny (Amanda Plummer) und Pumpkin (Tim Roth), das während eines Aufenthalts in einem Restaurant beschließt, künftig – und zwar sofort – nicht mehr Spirituosen-Geschäfte, sondern Speiselokale auszurauben, erzählt der Film mehrere sich kreuzende Episoden bedeutsamer Tage aus dem Alltag einiger professioneller Krimineller. Der lässige Vincent Vega (John Travolta), der gerade drei Jahre in Amsterdam im Einsatz war, ist mit dem redseligen Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) unterwegs, um für den Gangster-Boss Marsellus Wallace (Ving Rhames) einen äußerst wertvollen Koffer abzuholen. Diese Aktion, bei der Jules wie ein wortgewaltiger, wahnsinniger Prediger auftritt, wird kräftig eskalieren und in die so bezeichnete „Bonnie Situation“ im Hause von Jimmie (Quentin Tarantino) münden, bei dem der bestens sortierte „Reinigungsexperte“ Winston Wolf (Harvey Keitel) ein Blutbad beseitigen wird. Am Tag darauf wird Vincent einen denkwürdigen Abend mit Marsellus’ exzentrischer Frau Mia (Uma Thurman) verbringen, und in der nächsten Episode wird der Boxer Butch (Bruce Willis) nicht wie mit Marsellus verabredet bei einem Kampf zu Boden gehen, sondern seinen Gegner für immer ausknocken und seine Flucht verschieben, um die in seiner Wohnung vergessene Uhr seines Vaters zu holen, um auf dem Rückweg dann zufällig ausgerechnet Marsellus zu begegnen ...
In nur scheinbar wilder Folge nehmen die Ereignisse ihren schrägen, immer wieder überraschenden Lauf, und am Ende dieser schockierenden Schicksalshaftigkeiten bleibt das Bedürfnis, sich alles noch einmal in Ruhe anzuschauen, diese skurrilen Typen erneut zu betrachten, ihre abgefahrenen, fluchtträchtigen Gespräche zu belauschen und diese derben, dreckigen Schund-Geschichten wiederum zu konsumieren, innerhalb welcher sich die gnadenlose Gangster-Welt auf eiskalt-satirische Weise ihre eigenartigen Moralitäten erschafft. Pulp Fiction stellt ganz großes Kino und ein ebensolches Vergnügen dar, dessen Zitaten-Schatz so einige Kapitel der Filmgeschichte zu einem stimmungsvollen Soundtrack Revue passieren lässt. Als Bonus auf der DVD präsentiert Quentin Tarantino persönlich aus dem Film geschnittene Szenen, wobei der Eindruck entsteht, dass dieser Film noch locker ein paar Zugaben hätte vertragen können. War Pulp Fiction seinerzeit eine Sensation, deren erste Sichtung zahlreiche Filmfans mit einer ganz persönlichen eigenen Geschichte verbinden – sei es nun mit dem Besuch des Internationalen Filmfestivals von Locarno oder dem eines Open-Air Kinos im Sinai –, ist es heute ein kurioser Kult-Klassiker, der das Genre des modernen Gangster-Films markant und nachhaltig geprägt hat.
(Marie Anderson)
Beginnend mit dem geradezu putzigen Gangster-Pärchen Honey Bunny (Amanda Plummer) und Pumpkin (Tim Roth), das während eines Aufenthalts in einem Restaurant beschließt, künftig – und zwar sofort – nicht mehr Spirituosen-Geschäfte, sondern Speiselokale auszurauben, erzählt der Film mehrere sich kreuzende Episoden bedeutsamer Tage aus dem Alltag einiger professioneller Krimineller. Der lässige Vincent Vega (John Travolta), der gerade drei Jahre in Amsterdam im Einsatz war, ist mit dem redseligen Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) unterwegs, um für den Gangster-Boss Marsellus Wallace (Ving Rhames) einen äußerst wertvollen Koffer abzuholen. Diese Aktion, bei der Jules wie ein wortgewaltiger, wahnsinniger Prediger auftritt, wird kräftig eskalieren und in die so bezeichnete „Bonnie Situation“ im Hause von Jimmie (Quentin Tarantino) münden, bei dem der bestens sortierte „Reinigungsexperte“ Winston Wolf (Harvey Keitel) ein Blutbad beseitigen wird. Am Tag darauf wird Vincent einen denkwürdigen Abend mit Marsellus’ exzentrischer Frau Mia (Uma Thurman) verbringen, und in der nächsten Episode wird der Boxer Butch (Bruce Willis) nicht wie mit Marsellus verabredet bei einem Kampf zu Boden gehen, sondern seinen Gegner für immer ausknocken und seine Flucht verschieben, um die in seiner Wohnung vergessene Uhr seines Vaters zu holen, um auf dem Rückweg dann zufällig ausgerechnet Marsellus zu begegnen ...
In nur scheinbar wilder Folge nehmen die Ereignisse ihren schrägen, immer wieder überraschenden Lauf, und am Ende dieser schockierenden Schicksalshaftigkeiten bleibt das Bedürfnis, sich alles noch einmal in Ruhe anzuschauen, diese skurrilen Typen erneut zu betrachten, ihre abgefahrenen, fluchtträchtigen Gespräche zu belauschen und diese derben, dreckigen Schund-Geschichten wiederum zu konsumieren, innerhalb welcher sich die gnadenlose Gangster-Welt auf eiskalt-satirische Weise ihre eigenartigen Moralitäten erschafft. Pulp Fiction stellt ganz großes Kino und ein ebensolches Vergnügen dar, dessen Zitaten-Schatz so einige Kapitel der Filmgeschichte zu einem stimmungsvollen Soundtrack Revue passieren lässt. Als Bonus auf der DVD präsentiert Quentin Tarantino persönlich aus dem Film geschnittene Szenen, wobei der Eindruck entsteht, dass dieser Film noch locker ein paar Zugaben hätte vertragen können. War Pulp Fiction seinerzeit eine Sensation, deren erste Sichtung zahlreiche Filmfans mit einer ganz persönlichen eigenen Geschichte verbinden – sei es nun mit dem Besuch des Internationalen Filmfestivals von Locarno oder dem eines Open-Air Kinos im Sinai –, ist es heute ein kurioser Kult-Klassiker, der das Genre des modernen Gangster-Films markant und nachhaltig geprägt hat.
(Marie Anderson)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Pulp Fiction
Produktionsland:
USA
Produktionsjahr:
1994
Länge:
148 (Min.)
Bildformat:
16:9
Ton/Sprache:
Dolby Digital 5.1, deutsch, Englisch
Extras:
Geschnittene Szenen, Trailer, Wendecover
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
08.12.2011
CAST & CREW
Regie:
Quentin Tarantino
Drehbuch:
Quentin Tarantino
Kamera:
Andrzej Sekula
Schnitt:
Sally Menke
Hauptdarsteller:
Ving Rhames, Bruce Willis, Samuel L. Jackson, John Travolta, Tim Roth, Eric Stoltz, Amanda Plummer
MEINUNGEN
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 4 von insgesamt 4)
Von: Ruce am: 02.11.11
der film ist zu langatmig
Von: Don Travolta am: 04.09.11
langweilig
Von: lycia am: 12.04.06
seit jahren mein ungeschlagener lieblingsfilm. ein genialer tarantino mit viel witz und charme, boshaftigkeit und sensibilitaet. koestlich.
Von: am: 22.02.06
geniale/humorvolle dialoge und gute schauspieler machen pulp fiction zu einem der besten filme die ich je gesehen habe!!
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