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Pina (DVD)

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4.7 Sterne aus 3 Bewertungen

DVD-Start: 30.09.2011
FSK: 12
Genre: Dokumentarfilm
Tags: Tanz, Ballet, Pina Bausch, Berlinale 2011, Choreographin, Wuppertal
 

Tanz auf dem Weg in neue Dimensionen

Sagen wir es doch mal in aller Deutlichkeit. Bislang war nicht alles, was mit dem vollmundigen Marketing-Etikett 3D versehen in die Kinos kam, das erhöhte Eintrittsgeld wert, und manche Ankündigung (wie etwa jene, dass Titanic demnächst im mühsam rekonstruierten 3D-Look in die Kinos kommen soll) entbehrte nicht einer gewissen Komik bzw. dem nicht völlig unbegründeten Verdacht, dass hier mit einem Trend unbestimmter Dauer noch der schnelle Euro oder Dollar gemacht werden soll. Und so ist es kaum verwunderlich, dass man das Treiben im derzeit noch lukrativen Boom-Geschäft mit einigem Misstrauen betrachten sollte – immer auf der Hut vor der nächsten Blase, die mit lautem Knall platzen und auf diese Weise für lange Gesichter sorgen könnte.

Bei Wim Wenders Pina verhält sich das aber ganz anders – selten hat die 3D-Technik im wahrsten Sinne neue Dimensionen eröffnet wie in dieser Hommage an Pina Bausch. Während die Eroberung der dritten Dimension sich häufig auf pure Effekthascherei beschränkt, dient das Verfahren bei Wim Wenders von Anfang an dazu, das Wesen des Tanztheaters von Pina Bausch auf eine neue und vielfach verblüffende Weise sinnlich erfahrbar zu machen und in neue Dimensionen zu führen. Von Beginn an ist der Zuschauer mit auf der Bühne, durchmisst diese gemeinsam mit den Tänzern, meint den Vorhang über das Gesicht streifen und Regentropfen und welke Blätter auf der Haut zu fühlen, hat die Erde eines Bühnenbildes zum Greifen nah vor Augen und ist so in einer Weise Bestandteil des Geschehens, wie dies in der 2D-Version nicht der Fall ist, nicht der Fall sein kann. Die Schwächen bzw. Besonderheiten des Filmens mit 3D-Technik, das längere Einstellungen und mehr Bewegung im Raum erfordern, um die Tiefe der dritten Dimension vollständig zu erfassen, nutzt Wenders für wundervolle Sequenzen, in denen man wie nie zuvor in einem Film als Zuschauer selbst integraler Bestandteil des Geschehens auf der Leinwand, des Agierens der Kamera ist.

Ein Film mit Pina Bausch sollte es eigentlich werden, den der Filmemacher geplant hatte, doch der überraschende Tod der Tänzerin und Choreographin, die Wim Wenders seit 1985 kannte und mit der ihn eine Freundschaft verband, kam dazwischen und sorgte dafür, dass dies nun ein Film für Pina und all ihre Fans, aber auch für jeden Tanzinteressierten geworden ist. Und so sehen wir Aufnahmen Pina Bauschs als eine ferne 2D-Erinnerung, die Wenders kongenial in einer Art dreidimensionale Guckkastenbühne eingebaut hat.

Pina ist nicht nur ein wunderbares Geschenk an die Choreographin, die den modernen Tanz wie keine zweite geprägt hat – der Film zeigt auch, dass die 3D-Technik zu kostbar ist, um sie allein dem Mainstream-Kino zu überlassen. Wenn die Technik auch für Filme mit geringeren Budgets erschwinglich wird, kann man durchaus einige Revolutionen in verschiedensten Genres erwarten, die die Ästhetik und Narration um Facetten und mindestens eine Raumebene erweitern könnten. Insofern ist Pina nicht nur ein berauschender Film, der den Zuschauer wahrhaftig eintauchen lässt in die Welt des Tanztheaters, sondern auch ein Filmkunstwerk mit Pioniercharakter, das Widerstände gegen 3D abbauen sollte und hoffentlich dafür sorgen wird, dass sich auch der anspruchsvolle Film und das engagierte Kino beginnt, sich für die neue Technik zu interessieren.

Wenn man Pina gesehen hat, bekommt man eine Ahnung davon, wie interessant und anregend die Ergebnisse einer solchen Allianz sein könnten. Für alle anderen Zuschauer, die sich vor allem für das Tanztheater und dessen Erneuerin Pina Bausch begeistern, ist der Film vor allem die wohl sinnlichste Tanzerfahrung, die man derzeit im Kino und auf dem heimischen Bildschirm (sofern dieser schon 3D-fähig ist) machen kann.

Pina ist nun zeitgleich in drei unterschiedlichen Editionen auf DVD erschienen. Die DVD Single Disc enthält den Film in den 2D Fassung sowie einen Audiokommentar von Wim Wenders sowie den Kinotrailer. Das 3D und 2D Blu-ray Disc Set (EAN: 5051890042491) beinhaltet einerseits den 2D Film mit Audiokommentar, einem 8-minütigen Behind the Scenes sowie dem Trailer und auf einer zweiten Disc den Film in 3D, den Kommentar von Wim Wenders sowie den Kinotrailer in 3D. Doch es geht immer noch ein bisschen besser – und deshalb wartet die 3D und 2D Deluxe Edition (EAN: 5051890040527) neben den beiden Scheiben der "normalen" Blu-ray noch mit einer dritten Disc auf, die rund eineinhalb Stunden exklusives Bonusmaterial enthält: ein exklusives 3D Making-of gehört ebenso dazu wie deleted Scenes in 3D und 2D, ein Interview mit Wim Wenders, einen Mitschnitt der Pressekonferenz bei der Berlinale 2011, Impressionen vom Roten Teppich und noch manch anderes kleines Schmankerl.

Auch wenn die meisten Glotzen in den Wohnzimmern wohl noch nicht 3D-fähig sein dürften, lohnt sich für Pina-Fans der Kauf der 3D-Fassung vielleicht doch – und zwar nicht nur wegen des Bonusmaterials, sondern auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Home Entertainment Bereichs. In spätestens zwei Jahren, so schätzen Experten, werden 3D-fähige und bezahlbare Fernseher auch die deutschen Wohnzimmer bevölkern. Und dann kann man Pina endlich in der angemessenen Form genießen. Denn selten war bei einem Film die dritte Raumdimension so klug eingesetzt wie bei diesem Meisterwerk.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2011
Länge: 99 (Min.)
Erschienen bei: Warner Home Video
Bildformat: 16:9
Ton/Sprache: Dolby Digital 5.1, Deutsch
DVD-Start: 30.09.2011
Extras: DVD Single Disc: Audiokommentar von Wim Wenders, Kinotrailer 3D und 2D Blu-ray Disc Set: Audiokommentar, Behind the Scenes, Trailer, Film in 3D mit Kommentar von Wim Wenders, Kinotrailer in 3D 3D und 2D Deluxe Edition: Audiokommentar, Film in 3D, Bonus Blu-ray mit 3D Making-of, Deleted Scenes in 3D und 2D, Interview mit Wim Wenders, Pressekonferenz bei der Berlinale 2011, Impressionen vom Roten Teppich

Cast & Crew

Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Wim Wenders, Jörg Widmer
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Toni Froschhammer
Musik: Thom Hanreich

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