Das Beste kommt zum Schluss (DVD)

DVD-Start: 30.05.2008
Leserbewertung:
Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen

Schöner sterben mit Jack und Morgan

Wenn man einer Statistik Glauben schenken darf, die auch im Laufe des Films zitiert wird, würde es die überwältigende Mehrheit der Menschen ablehnen, im Voraus den genauen Zeitpunkt des eigenen Todes zu erfahren. So viel Glück der Unwissenheit ist dem Milliardär Edward Cole (Jack Nicholson) und dem braven Automechaniker Carter Chambers (Morgan Freeman) nicht vergönnt. Die beiden grundverschiedenen Männer lernen sich eher unfreiwillig im Krankenhaus kennen, wo sie mit denkbar schlechter Prognose ein Zimmer miteinander teilen. Beide haben Krebs und nur noch wenige Monate, maximal ein Jahr zu leben. Aus einer Laune heraus fertigt Carter eine "Löffelliste" an, die all die Dinge aufzählt, die er noch erleben möchte, bevor er "den Löffel abgibt". Aus der intellektuellen Spielerei wird Ernst, als Edward die Liste in die Hand bekommt und seinen Leidensgenossen dazu überredet, die einzelnen Punkte auf der Liste abzuhaken, solange man dazu noch in der Lage ist. Also machen sich die beiden, begleitet von Edwards Assistenten Thomas (Sean Hayes), zum Entsetzen von Carters Ehefrau Virginia (Beverly Todd) auf den Weg, um den Glücksmomenten nachzujagen, die sie für unverzichtbar halten. Doch bald schon zeigt sich, dass manche der selbst gestellten Aufgaben sich auch mit Edwards Reichtum nicht erkaufen lassen…

In den Achtzigern und Neunzigern zählte der Regisseur Rob Reiner mit Filmen wie Stand by me – Geheimnis eines Sommers / Stand by me (1985), Harry und Sally / When Harry meets Sally (1989), Misery (1990), Eine Frage der Ehre / A Few Good Men (1992) zu den erfolgreichsten Filmemachern Hollywoods. In den letzten Jahren ist es etwas ruhiger um Reiner geworden, doch nun sorgt sein neuer Film in den USA für gespannte Erwartung und einige Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis an den Kinokassen, was nicht nur an den beiden Hauptdarstellern Jack Nicholson und Morgan Freeman liegt, sondern auch an dem Stoff, der auf den ersten Blick ebenso ernsthaft wie lustig erscheint. In den USA startet der Film passend zum Thema in der Woche vor Weihnachten und könnte einer der Renner des Weihnachtsgeschäfts werden.

Ob dies allerdings in den deutschen Kinos wiederholbar ist, erscheint mehr als fraglich, was mehrere Gründe hat: Da sind zunächst einmal die beiden Hauptdarsteller, die wie gewohnt agieren – während Jack Nicholson das berühmte wölfische Grinsen selbst beim Kotzen nach der Chemotherapie kaum ablegen kann, ist Morgan Freeman der Inbegriff des aufrecht, lebensklugen und moralisch gefestigten einfachen Mannes, der im Leben alles richtig gemacht hat und der selbst angesichts der nahenden Todes nicht im Traum daran denkt, seine Frau zu betrügen. Dass Carter also derjenige sein wird, der die Reise, in deren Verlauf die Löffelliste abgearbeitet werden soll, als erster abbricht, ist mehr als logisch, schließlich hat er ein Zuhause, eine Familie oder mit anderen Worten: Er hat etwas wirklich Bleibendes hinterlassen – eine Erfahrung, die Edward Cole erst noch machen muss. Dass es ausgerechnet dem schroffen Milliardär vergönnt ist, die Liste mit den vermeintlich schwierigsten Aufgaben zu vollenden, folgt ganz der Logik des Films, dass Carter der wirklich Reiche der beiden ist und Edward ein emotionaler armer Schlucker. Angesichts von Neiddebatten und einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen arm und reich wirkt das wie purer Sozialkitsch der naivsten Sorte, der suggeriert, dass nicht nur das Beste, sondern dass auch die Abrechnung ganz zum Schluss kommt.

Keine Frage: Das Beste kommt zum Schluss / The Bucket List ist perfekt gemachtes Hollywood-Kino mit einwandfreier Moral und – zumindest im Original – teilweise treffenden und witzigen Dialogen. All dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rob Reiners Tragikomödie sattsam bekannte Muster routiniert abspult und selbst Leinwand-Titanen wie Jack Nicholson und Morgan Freeman auf Stereotypen reduziert, die hier nicht wirklich gefordert werden. Angesichts des durchaus ernsten Themas, das beispielsweise vor einigen Jahren Isabel Coixet mit Mein Leben ohne mich / My Life without Me auf sehenswerte und ganz und gar unkitschige Weise aufgriff, ist Reiners Film akzeptabel, mehr aber auch nicht.

(Joachim Kurz)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Das Beste kommt zum Schluss (DVD)
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
Länge: 93 (Min.)
Erschienen bei: Warner Home Video
Bildformat: 16:9
Ton/Sprache: Dolby Digital 5.1, Deutsch, Englisch
Extras: Musikvideo "say" von John Mayer

VERÖFFENTLICHUNGEN

DVD-Start: 30.05.2008

Trailer

Fotogalerie

 (7 Bilder)

FILMBEWERTUNG

Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.

WEITERE INHALTE AUF kino-zeit.de

MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
   
DVD STARTS
09.02 Die Anonymen Romantiker (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jean-Pierre Améris
09.02 Love Life - Liebe trifft Leben (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Reinout Oerlemans
16.02 Passion Play Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Mitch Glazer
16.02 Sound of Noise (DVD - Limitierte Soundtrack Edition) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Ola Simonsson, Johannes Stjärne Nilsson
17.02 Ein Sommersandtraum (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Peter Luisi
24.02 Paris Express Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Hervé Renoh
BERLINALE 2012
12.02.12 Interview mit "This Ain´t California"-Regisseur Marten Persiel
12.02.12 This Ain´t California
12.02.12 Die Wand
12.02.12 Kleiner Kino-Knigge
12.02.12 Marina Abramović The Artist is Present
DVD VERKAUFSCHARTS
Nach Verkaufszahlen   Quelle: amazon.de
1. Almanya - Willkommen in Deutschland (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 18
2. Unknown Identity (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 19
3. The King's Speech (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 24
4. R.E.D. - Älter. härter. besser. Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 46
5. Vincent will Meer (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 67
6. ICH - Einfach unverbesserlich (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 54
7. Inception (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 63
8. Shutter Island (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 80
9. The Fighter (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 18
10. Four Lions (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Woche 20
LESERCHARTS TOP 5
1. Rockabilly Ruhrpott (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Claudia Bach
2. Restrepo Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Tim Hetherington, Sebastian Junger
3. Four Lions (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Christopher Morris
4. The King's Speech (DVD) Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Tom Hooper
5. Vampire Nation Film Rezension anzeigen Trailer anzeigen Galerie anzeigen In Kinoprogramm finden
  Jim Mickle
PARTNER