Bürgerjustiz
Tumbe und getürkte TV-Formate von Deutschlands Privaten, allesamt im Namen Justitias, von Barbara Salesch bis zu Alexander Holdt entscheiden bis zum Erbrechen seit Jahren über Recht oder Unrecht. Dass die "Fälle" mittlerweile hanebüchen sind, stört keinen. Ob exekutierte Brieftauben des Nachbarn, unbewusster Inzest oder Klagen wegen des übergroßen Gartenzwerges gegenüber: Frappierenden Fälle beglücken und bestätigen nachmittags mitfiebernde Jugendliche, Hausfrauen und Rentner.
Großes Vorbild sind wieder einmal die amerikanischen Sender, in denen derartige Pseudo-Reality-Formate auf eine überlange Historie blicken können. Doch alles unterhält ausschließlich nur dann, wenn inflationär und exzessiv gesteigert wird. In Philippe Martinez Mediensatire Citizen Verdict wird diesen pervertierenden Entwicklungen nun dadurch Einhalt geboten, dass in seinem titelgebenden Fernsehgericht echte Mordfälle verhandelt werden, wobei sensationslüsterne Zuschauer via Telefon-Ted zu Geschworenen mutieren. Dabei geht Martinez ziemlich forsch, kritisch und konsequent zur Sache.
Der bekannte TV-Produzent Marty Rockman (Jerry Springer) überrascht mit einem Konzept für eine neue Show: Citizen Verdict. Wöchentlich wird einem Verbrecher live im Fernsehen der Prozess gemacht. Und die Glotzer werden zu Richtern und Henkern. Wird die finale Todesstrafe verhängt, so kommt man in den "Genuß" der Exekution live. Was ist aber, wenn schon beim ersten Kandidaten jemand unschuldig um Tode verurteilt, die Hinrichtung gar ebenfalls live ausgestrahlt wird?
Der 62jährige in London geborene Gerald Norman "Jerry" Springer war eigentlich Politiker und ehemaliger demokratischer Bürgermeister von Cincinnati, versägte selbst sein Emporsteigen durch einen skandalträchtigen Prostituierten-Skandal. Mittlerweile aber weltweit bekannt mit seiner The Jerry Springer Show: Diese siedelt sich in einem Niveau der untersten Schublade an, wo sich allzu gerne auch die Gäste nicht nur in die Haare geraten, sondern auch kloppen. Diese Schlamm-Catchereien zumeist stark übergewichtiger Kandidaten, die den Titel der größten Möpse für sich beanspruchen, oder femininere Männer als maskulinere Frauen sind, erfreuen heuer in über 40 Ländern Jung bis Alt.
Hierzulande sieht die Tendenz ähnlich munter und dynamisch aus, doch bleibt es noch beim Talk nach Mittag lediglich bei gossensprachig Verbalem. Was nicht ist, kann jedoch noch werden. Die Privaten bräuchten bloß den rekrutierten Piercing-Pickel-Teenies in ihren Buffalos mehr Kohle rüber zu schieben, dann wären sie wesentlich besser "auf Scheibe" und könnten "handtechnisch" nicht nur an sich selbst experimentieren, sondern richtig zulangen.
(Jean Lüdeke)
Großes Vorbild sind wieder einmal die amerikanischen Sender, in denen derartige Pseudo-Reality-Formate auf eine überlange Historie blicken können. Doch alles unterhält ausschließlich nur dann, wenn inflationär und exzessiv gesteigert wird. In Philippe Martinez Mediensatire Citizen Verdict wird diesen pervertierenden Entwicklungen nun dadurch Einhalt geboten, dass in seinem titelgebenden Fernsehgericht echte Mordfälle verhandelt werden, wobei sensationslüsterne Zuschauer via Telefon-Ted zu Geschworenen mutieren. Dabei geht Martinez ziemlich forsch, kritisch und konsequent zur Sache.
Der bekannte TV-Produzent Marty Rockman (Jerry Springer) überrascht mit einem Konzept für eine neue Show: Citizen Verdict. Wöchentlich wird einem Verbrecher live im Fernsehen der Prozess gemacht. Und die Glotzer werden zu Richtern und Henkern. Wird die finale Todesstrafe verhängt, so kommt man in den "Genuß" der Exekution live. Was ist aber, wenn schon beim ersten Kandidaten jemand unschuldig um Tode verurteilt, die Hinrichtung gar ebenfalls live ausgestrahlt wird?
Der 62jährige in London geborene Gerald Norman "Jerry" Springer war eigentlich Politiker und ehemaliger demokratischer Bürgermeister von Cincinnati, versägte selbst sein Emporsteigen durch einen skandalträchtigen Prostituierten-Skandal. Mittlerweile aber weltweit bekannt mit seiner The Jerry Springer Show: Diese siedelt sich in einem Niveau der untersten Schublade an, wo sich allzu gerne auch die Gäste nicht nur in die Haare geraten, sondern auch kloppen. Diese Schlamm-Catchereien zumeist stark übergewichtiger Kandidaten, die den Titel der größten Möpse für sich beanspruchen, oder femininere Männer als maskulinere Frauen sind, erfreuen heuer in über 40 Ländern Jung bis Alt.
Hierzulande sieht die Tendenz ähnlich munter und dynamisch aus, doch bleibt es noch beim Talk nach Mittag lediglich bei gossensprachig Verbalem. Was nicht ist, kann jedoch noch werden. Die Privaten bräuchten bloß den rekrutierten Piercing-Pickel-Teenies in ihren Buffalos mehr Kohle rüber zu schieben, dann wären sie wesentlich besser "auf Scheibe" und könnten "handtechnisch" nicht nur an sich selbst experimentieren, sondern richtig zulangen.
(Jean Lüdeke)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Citizen Verdict
Produktionsland:
USA
Produktionsjahr:
2003
Länge:
94 (Min.)
Erschienen bei:
e-m-s
Bildformat:
16:9
Ton/Sprache:
Dolby Digital 5.1, Deutsch, Englisch
Extras:
Trailer, Making of (englisch)
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
14.09.2006
CAST & CREW
Regie:
Philippe Martinez
Hauptdarsteller:
Armand Assante, Jerry Springer, Roy Scheider, Raffaello Degruttola, Gideon Emery
FILMBEWERTUNG
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