Chen Mo und Meiting
DVD-Start:
14.12.2007
FSK:
6
Leserbewertung:
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Lost in Peking
Entwurzelte, verlorene Seelen in der Anonymität und Hoffnungslosigkeit des urbanen Raums sind das Thema des Debütfilms des chinesischen Regisseurs Liu Hao, der ohne Genehmigung der zuständigen Behörden entstand. Durch die Unterstützung des Internationalen Forums konnte der Film noch rechtzeitig zur Uraufführung auf der Berlinale 2002 heimlich in seiner Rohfassung nach Deutschland gebracht und dort fertig gestellt werden, der chinesischen Zensur entronnen. Stellt man die Frage nach der Brisanz der kühlen kleinen Geschichte, so lässt sich stark vermuten, dass es der kritische Blick auf die städtische Gesellschaft der Metropole Peking ist, dessen Ausstrahlung die chinesische Regierung zu vermeiden sucht – eine gesellschaftspolitische Komponente, die beinahe schon banal wäre, würde es sich um einen finnischen oder französischen Film handeln.
Fallen ihre ersten Begegnungen auch eher unerfreulich aus, so entspannt sich zwischen Chen Mo (Wang Lingbo) und Meiting (Du Huanan), zwei jungen Leuten in Peking, die völlig auf sich allein gestellt sind, doch eine zunehmend engere Bindung. Chen Mo ist aus einer ländlichen Region in die Großstadt gezogen, um Geld für eine dringend notwendige Operation seines Bruders zu verdienen, doch er überlebt am Rande der Legalität mehr schlecht als recht, und Meiting arbeitet als Friseurin zu einem Hungerlohn in einem schlecht laufenden Laden, wo sie auch übernachtet, nachdem sie sich aus der Obhut ihres übel gesinnten Onkels befreit hat – beiden gemeinsam ist die abgrundtiefe Einsamkeit in der Millionenstadt.
Bald teilt Chen Mo seine lausige Unterkunft mit Meiting, und die beiden beginnen, in einer familienähnlichen Beziehung zärtlich miteinander umzugehen, was bei Zeiten wie die spielerische Nachahmung einer Fürsorge wirkt, die sie kaum erfahren haben und die ihnen so entsetzlich fehlt. Es entsteht die Atmosphäre einer trügerischen Geborgenheit, und obwohl sich beide darin wohl fühlen, bricht Meiting doch eines Tages aus, und mit seiner Freundin verlässt Chen Mo auch das kleinste bisschen Glück – er wird um sein mühsam erspartes Geld betrogen und auch noch lebensgefährlich verletzt. Währenddessen verdingt sich Meiting als Prostituierte, und als die Sehnsucht sie zu ihrem einzigen Freund zurücktreibt, findet sie diesen kaum noch lebendig vor ...
Trotz seiner inoffiziellen Entstehung mit wenigen, einfachsten Mitteln und eines Themas, das in europäischen Filmen nicht selten zu Gast ist, ist Chen Mo und Meiting / Chen Mo he Meiting ein ebenso karges wie authentisches kleines Erstlingswerk, das mit seiner minimalistischen Sicht auf große gesellschaftliche Themen wie Verarmung, Vereinzelung und Verlorenheit im unbarmherzigen Dickicht stetig anwachsender Millionenstädte zu überzeugen weiß. Regisseur Liu Hao, der damit eine seltene chinesische Perspektive auf diese Zustände präsentiert, enthält sich jeglicher Moralisierung oder Schuldzuweisung und lässt die Geschichte mit ihren häufig beinahe distanziert wirkenden Bildern ganz für sich sprechen, was den Zuschauer stärker berührt als mitgelieferte Vorschläge oder Urteile dies vermöchten.
(Marie Anderson)
Fallen ihre ersten Begegnungen auch eher unerfreulich aus, so entspannt sich zwischen Chen Mo (Wang Lingbo) und Meiting (Du Huanan), zwei jungen Leuten in Peking, die völlig auf sich allein gestellt sind, doch eine zunehmend engere Bindung. Chen Mo ist aus einer ländlichen Region in die Großstadt gezogen, um Geld für eine dringend notwendige Operation seines Bruders zu verdienen, doch er überlebt am Rande der Legalität mehr schlecht als recht, und Meiting arbeitet als Friseurin zu einem Hungerlohn in einem schlecht laufenden Laden, wo sie auch übernachtet, nachdem sie sich aus der Obhut ihres übel gesinnten Onkels befreit hat – beiden gemeinsam ist die abgrundtiefe Einsamkeit in der Millionenstadt.
Bald teilt Chen Mo seine lausige Unterkunft mit Meiting, und die beiden beginnen, in einer familienähnlichen Beziehung zärtlich miteinander umzugehen, was bei Zeiten wie die spielerische Nachahmung einer Fürsorge wirkt, die sie kaum erfahren haben und die ihnen so entsetzlich fehlt. Es entsteht die Atmosphäre einer trügerischen Geborgenheit, und obwohl sich beide darin wohl fühlen, bricht Meiting doch eines Tages aus, und mit seiner Freundin verlässt Chen Mo auch das kleinste bisschen Glück – er wird um sein mühsam erspartes Geld betrogen und auch noch lebensgefährlich verletzt. Währenddessen verdingt sich Meiting als Prostituierte, und als die Sehnsucht sie zu ihrem einzigen Freund zurücktreibt, findet sie diesen kaum noch lebendig vor ...
Trotz seiner inoffiziellen Entstehung mit wenigen, einfachsten Mitteln und eines Themas, das in europäischen Filmen nicht selten zu Gast ist, ist Chen Mo und Meiting / Chen Mo he Meiting ein ebenso karges wie authentisches kleines Erstlingswerk, das mit seiner minimalistischen Sicht auf große gesellschaftliche Themen wie Verarmung, Vereinzelung und Verlorenheit im unbarmherzigen Dickicht stetig anwachsender Millionenstädte zu überzeugen weiß. Regisseur Liu Hao, der damit eine seltene chinesische Perspektive auf diese Zustände präsentiert, enthält sich jeglicher Moralisierung oder Schuldzuweisung und lässt die Geschichte mit ihren häufig beinahe distanziert wirkenden Bildern ganz für sich sprechen, was den Zuschauer stärker berührt als mitgelieferte Vorschläge oder Urteile dies vermöchten.
(Marie Anderson)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Chen Mo und Meiting
Produktionsland:
Deutschland, China
Produktionsjahr:
2002
Länge:
75 (Min.)
Erschienen bei:
Arthaus
Bildformat:
1,66:1 (Letterbox)
Ton/Sprache:
Dolby Digital Mono, Mandarin
Extras:
Liu Hao über seinen Film (Texttafeln), Produktionsnotizen, Das chinesische Kino nach der fünften Generation, Trailer
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
14.12.2007
FILMBEWERTUNG
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