Bye Bye Berlusconi (DVD) - DVD - kino-zeit.de - das Portal für Film und Kino
Zurück zur Übersicht

Bye Bye Berlusconi (DVD)

Meinungen
0

5.0 Sterne aus 1 Bewertungen

DVD-Start: 02.05.2008
FSK: 12

Eine bitterböse Polit-Satire

Unter den Staatsmännern, deren Wirken einer filmischen Aufarbeitung bedarf, ist Silvio Berlusconi, Italiens Noch-Ministerpräsident sicherlich derjenige, der sich die Beschäftigung mit seinem Wirken am meisten „verdient“ hat – durch äußerst fragwürdige Geschäfte, ein Medien- und Meinungsmonopol sowie peinliche Skandale und Fehltritte.

Die Handlung von Bye Bye Berlusconi ist ein wenig verwirrend, weil sie auf mehreren Erzählebenen spielt und diese auch wie ein Zauberkünstler munter durcheinander mischt: Da ist zum einen eine italienische Filmcrew, die einen Spielfilm über den italienischen Ministerpräsidenten drehen will, der entführt werden soll, um endlich für seine Fehltritte und Vergehen vor ein Gericht gestellt zu werden. Doch das Projekt droht daran zu scheitern, dass der allgewaltige Herr über die Medien Italiens den Film jederzeit stoppen lassen kann, sobald auch nur sein Name darin fällt. Also entschließt sich die Crew dazu, den Politiker (täuschend ähnlich dargestellt vom römischen Schuhverkäufer und Berlusconi-Double Maurizio Antonini) in Mickey Louse umzubenennen und die Handlung passend nach Entenhausen zu verlegen. Trotzdem sieht sich die Filmtruppe massivem Widerstand ausgesetzt, so dass die Fertigstellung des Films mehr und mehr in Frage gestellt wird…

Trotz aller guten Absichten: Ganz ernst nehmen kann man den Film leider nicht – viele der Einfälle des Regisseurs und Autors Jan Hendrik Stahlberg lassen eher an pubertäre Späße denn an eine ernsthafte Auseinandersetzung denken. In italo-deutschen Kreisen wird der Film sicherlich sein Publikum finden, ob sich aber "Otto Normalmichel" für die Ereignisse in Italien interessiert, sei dahin gestellt – so lange die Pizza und der Wein gut schmecken. Dabei hat der Film durchaus einiges zu bieten, besonders in seiner bis auf die Spitze getriebenen Aufhebung des Unterschieds zwischen Realität, Dokumentation und Fiktion. Allerdings ist es auch genau dieser Metadiskurs über das Medium Film an sich, der dem Kinozuschauer die Orientierung schwer macht, zumal kaum jemand mit den Feinheiten der italienischen Politik vertraut sein dürfte.

Irgendwie ist es schade, dass Stahlbergs Film so wenig mit bundesdeutschen Befindlichkeiten zu tun hat. Auch wenn Muxmäuschenstill als Film durchaus kontrovers aufgenommen wurde, hatte man wenigstens das Gefühl, dass hier (endlich einmal wieder) Filmemacher einen genauen und politisch provokanten Blick auf die deutsche Gesellschaft werfen. Zur Zeit fehlen aber genau diese deutschen Filme, die sich nicht an der west- oder ost- oder gesamtdeutschen Vergangenheit abarbeiten, sondern die auch mal einen Blick auf das Hier und Jetzt werfen. So droht nun alles im Kuschelkurs der großen Koalition und im Banne der Super-Angie einzuschlafen.

Bye Bye Berlusconi ist zu disparat, um wirklich zu überzeugen, aber wegen seines Wagemuts, sich abseits wohl bekannter Pfade zu bewegen, lohnt er sich allemal.

(Joachim Kurz)

Daten & Fakten

Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2006
Länge: 89 (Min.)
Erschienen bei:
Bildformat: 1,78:1 (anamorph)
Ton/Sprache: Dolby Digital Surround, Deutsch, Italienisch
DVD-Start: 02.05.2008
Extras: Grußwort des "Ministerpräsidenten", Ein Doppelgänger auf der Berlinale, Fotogalerie, Trailer

Cast & Crew

Regie: Jan Henrik Stahlberg
Hauptdarsteller: Jan Henrik Stahlberg, Maurizio Antonini, Lucia Chiarla, Franco Leo, Pietro Contempo

MEINUNGEN

Ihre Meinung zu diesem Film (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)

Partner

  • Deutsche Film- und Medienbewertung
  • Arthaus Filme
  • Filmförderung Baden-Württemberg
  • Filmfest München
  • Festival Scope