Die Schattenseiten der Migration
Die Verleihlandschaft in Deutschland ist manchmal schon eine seltsame Branche: Da gewinnt ein deutscher Film den Silbernen Leoparden beim renommierten Festival von Locarno, die Presse jubelt kurz und anschließend gerät der Film in Vergessenheit. So geschehen mit Yilmaz Arslans düsterem und bewegenden Drama Brudermord - Fratricide, der im Eigenverleih des Regisseurs in den Kinos zu sehen war und der nun auf DVD erschienen ist. Bereits für seinen Debütfilm Der lange Gang (1992) wurde Yilmaz Arslan beim Filmfest San Sebastián mit dem Preis für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet. Und auch sein nächster Film Yara (1998) erhielt auf diversen Festivals Auszeichnungen.
Der junge Kurde Azad (Erdal Celik) verlässt schweren Herzens seine ärmliche Heimat, um in Deutschland Asyl zu beantragen und sein Glück zu machen. Sein Bruder Semo (Nurettin Celik) ist bereits in Berlin und schlägt sich als Lude auf dem Straßenstrich mühsam durch. Doch solche schmutzigen Geschäfte kommen für den anständigen Azad nicht in Frage. Stattdessen verdingt er sich auf dem Klo türkischer Imbissbuden als Barbier und stutzt seinen Landsleuten den Bart und die Nasenhaare. Dabei wird er unterstützt von dem kleinen Ibo (Xewat Gectan), mit dem sich Azad ein Zimmer in der Asylbewerberunterkunft teilt. Als die beiden eines Tages in der U-Bahn auf die jungen Türken Achmet (Oral Uyan) und Zeki (Bülent Büyükasik), geraten die Parteien in Streit und beleidigen sich aufs Übelste, was nicht ohne Folgen bleibt. Das archaische und verhängnisvolle Räderwerk von Ehrverletzung und Rache, Gewalt und Gegengewalt setzt sich in Gang, so dass auch Azad gezwungen ist, seine defensive Haltung aufzugeben.
Migration und Integration sind seit jeher die Themen des in Mannheim lebenden kurdischen Filmemachers Yilmaz Arslan. Oberflächlich mag man sich von der Thematik zwar an Gegen die Wand erinnert fühlen, doch Brudermord - Fratricide geht viel mehr ans Eingemachte und verweist auf die Rituale und Mechanismen einer Jahrhunderte währenden Feindschaft zwischen Kurden und Türken. So tauchen denn auch konsequenterweise Deutsche in diesem Film, der in Deutschland spielt kaum auf. Und wenn, dann stehen sie im Abseits und müssen hilflos zuschauen, wie beide Parteien mit rabiatesten Mitteln versuchen, ihre befleckte Ehre wiederherzustellen. Das Projekt Integration, so scheint es, ist gescheitert, ein pessimistischer Einblick in die Parallelgesellschaft der Migranten und ein hartes, schroffes, düsteres, mitunter auch sehr gewalttätiges Drama mit ausgezeichneten Laiendarstellern. Die Verlierer in diesem Kampf, der unter der Oberfläche brodelt, sind die Kinder, und das macht den Film so bewegend. Definitiv nichts für zart besaitete Zuschauer.
(Joachim Kurz)
Der junge Kurde Azad (Erdal Celik) verlässt schweren Herzens seine ärmliche Heimat, um in Deutschland Asyl zu beantragen und sein Glück zu machen. Sein Bruder Semo (Nurettin Celik) ist bereits in Berlin und schlägt sich als Lude auf dem Straßenstrich mühsam durch. Doch solche schmutzigen Geschäfte kommen für den anständigen Azad nicht in Frage. Stattdessen verdingt er sich auf dem Klo türkischer Imbissbuden als Barbier und stutzt seinen Landsleuten den Bart und die Nasenhaare. Dabei wird er unterstützt von dem kleinen Ibo (Xewat Gectan), mit dem sich Azad ein Zimmer in der Asylbewerberunterkunft teilt. Als die beiden eines Tages in der U-Bahn auf die jungen Türken Achmet (Oral Uyan) und Zeki (Bülent Büyükasik), geraten die Parteien in Streit und beleidigen sich aufs Übelste, was nicht ohne Folgen bleibt. Das archaische und verhängnisvolle Räderwerk von Ehrverletzung und Rache, Gewalt und Gegengewalt setzt sich in Gang, so dass auch Azad gezwungen ist, seine defensive Haltung aufzugeben.
Migration und Integration sind seit jeher die Themen des in Mannheim lebenden kurdischen Filmemachers Yilmaz Arslan. Oberflächlich mag man sich von der Thematik zwar an Gegen die Wand erinnert fühlen, doch Brudermord - Fratricide geht viel mehr ans Eingemachte und verweist auf die Rituale und Mechanismen einer Jahrhunderte währenden Feindschaft zwischen Kurden und Türken. So tauchen denn auch konsequenterweise Deutsche in diesem Film, der in Deutschland spielt kaum auf. Und wenn, dann stehen sie im Abseits und müssen hilflos zuschauen, wie beide Parteien mit rabiatesten Mitteln versuchen, ihre befleckte Ehre wiederherzustellen. Das Projekt Integration, so scheint es, ist gescheitert, ein pessimistischer Einblick in die Parallelgesellschaft der Migranten und ein hartes, schroffes, düsteres, mitunter auch sehr gewalttätiges Drama mit ausgezeichneten Laiendarstellern. Die Verlierer in diesem Kampf, der unter der Oberfläche brodelt, sind die Kinder, und das macht den Film so bewegend. Definitiv nichts für zart besaitete Zuschauer.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Brudermord - Fratricide (DVD)
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2005
Länge:
96 (Min.)
Erschienen bei:
Alamode Film
Bildformat:
1:1,85 (anamorph)
Ton/Sprache:
Deutsch, Kurdisch
Extras:
Pressekonferenz in Locarno mit Regisseur Yilmaz Arslan, Deleted Scene, Trailer
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
07.09.2007
CAST & CREW
Regie:
Yilmaz Arslan
Hauptdarsteller:
Xewat Gectan, Erdal Celik, Bülent Büyükasik, Nurettin Celik, Oral Uyan
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