Mein Vater, der Nazi
Viel mehr als jene Titel gebenden und an Jean-Luc Godard erinnernden zwei oder drei Dinge sind es tatsächlich nicht, die Malte Ludin, geboren im Jahr 1942, über seinen Vater weiß. Doch das Wenige ist bereits schrecklich genug. Denn Hanns Elard Ludin war glühender Nationalsozialist, Hitlers Gesandter und Bevollmächtigter Minister des Großdeutschen Reiches für die Slowakei und damit verantwortlich für die Deportation der slowakischen Juden. Kein Naziführer der ersten Garde also, aber ein mächtiger und einflussreicher willfähriger Erfüllungsgehilfe.
Im Dezember 1947 wird Hanns Ludin in Bratislava von den Sowjets hingerichtet, sein jüngster Sohn ist zu diesem Zeitpunkt gerade fünf Jahre alt und kennt seinen Vater kaum. Doch die Vergangenheit ließ Malte Ludin nicht los. Obgleich in der Familie nur wenig über den Vater gesprochen wurde, war er doch stets präsent, ein dunkler Schatten, der unheilvoll über den Ludin schwebte. Eine Art Schweigegelübde ließ jede Art von Fragen verstummen, bis sich Malte Ludin ans Werk machte, die Wahrheit über seinen Vater zu ergründen.
Doch während Malte Ludin selbst aus der Distanz gegenüber dem fremden Vater, den er kaum kannte, in der Lage ist, ein differenziertes Bild von Hanns Ludin zu zeichnen, stoßen seine Nachforschungen innerhalb der eigenen Familie auf Widerstände. Immer wieder läuft er gegen Mauern, hört Beschwichtigungen, Mutmaßungen, Erklärungsversuche. In diesen Szenen gleitet der Film beinahe mühelos vom Feld des Privaten ins öffentliche Leben, zeigt er doch Parallelen auf zwischen privatem Verdrängen und gesellschaftlichen Verhaltensweisen, die das gleiche bezwecken. Neben dem Porträt seines Vaters entsteht so quasi nebenbei das Bild einer Familie, wie es sie in Deutschland hundertfach geben dürfte. Denn die Nazi-Diktatur war – auch wenn das kaum jemand wahrhaben will – nicht ausschließlich das Regime eines elitären und hermetisch abgeschlossenen Machtzirkels, sondern eine Diktatur, bei der es unterhalb der Machthaber ein ausgeklügeltes System von Vasallen, Statthaltern und Funktionären des Schreckens gab. Ein Umstand, den die Geschichtsschreibung à la Guido Knopp und Bernd Eichinger gerne in Vergessenheit geraten lässt, in dem sie den Fokus der medialen Aufmerksamkeit immer wieder auf wenige ausgesuchte Nazigrößen setzt. Selbst ein Regime des Schreckens wie das nationalsozialistische braucht eben seine Superstars, um die Massen locken zu können.
Es ist nicht nur die Familie, die Malte Ludin befragt, es sind auch die Opfer seines Vaters, die er aufsucht. Und das sind die bewegendsten Momente in einem Film, der einen niemals kalt lässt, der Vergangenheitsbewältigung auf einer sehr persönlichen Ebene betreibt und deshalb ein wichtiges Stück Erinnerungskultur leistet. Und die ist derzeit mehr denn je bedroht. Denn die Generation derer, die das Dritte Reich selbst mitbekommen haben, geht auf die Achtzig zu. Und wenn sie einmal tot sind, dann bleiben allein solche Filme, um gegen das Vergessen, das Schönreden und die unsäglichen, von Politikern, Intellektuellen und Bischöfen verbreiteten Vergleiche mit der Zeit der Nazi-Diktatur anzukämpfen. Ein exemplarischer Film über Erinnern, Vergessen und den Umgang mit individueller Schuld und politischer Verantwortung.
Im Dezember 1947 wird Hanns Ludin in Bratislava von den Sowjets hingerichtet, sein jüngster Sohn ist zu diesem Zeitpunkt gerade fünf Jahre alt und kennt seinen Vater kaum. Doch die Vergangenheit ließ Malte Ludin nicht los. Obgleich in der Familie nur wenig über den Vater gesprochen wurde, war er doch stets präsent, ein dunkler Schatten, der unheilvoll über den Ludin schwebte. Eine Art Schweigegelübde ließ jede Art von Fragen verstummen, bis sich Malte Ludin ans Werk machte, die Wahrheit über seinen Vater zu ergründen.
Doch während Malte Ludin selbst aus der Distanz gegenüber dem fremden Vater, den er kaum kannte, in der Lage ist, ein differenziertes Bild von Hanns Ludin zu zeichnen, stoßen seine Nachforschungen innerhalb der eigenen Familie auf Widerstände. Immer wieder läuft er gegen Mauern, hört Beschwichtigungen, Mutmaßungen, Erklärungsversuche. In diesen Szenen gleitet der Film beinahe mühelos vom Feld des Privaten ins öffentliche Leben, zeigt er doch Parallelen auf zwischen privatem Verdrängen und gesellschaftlichen Verhaltensweisen, die das gleiche bezwecken. Neben dem Porträt seines Vaters entsteht so quasi nebenbei das Bild einer Familie, wie es sie in Deutschland hundertfach geben dürfte. Denn die Nazi-Diktatur war – auch wenn das kaum jemand wahrhaben will – nicht ausschließlich das Regime eines elitären und hermetisch abgeschlossenen Machtzirkels, sondern eine Diktatur, bei der es unterhalb der Machthaber ein ausgeklügeltes System von Vasallen, Statthaltern und Funktionären des Schreckens gab. Ein Umstand, den die Geschichtsschreibung à la Guido Knopp und Bernd Eichinger gerne in Vergessenheit geraten lässt, in dem sie den Fokus der medialen Aufmerksamkeit immer wieder auf wenige ausgesuchte Nazigrößen setzt. Selbst ein Regime des Schreckens wie das nationalsozialistische braucht eben seine Superstars, um die Massen locken zu können.
Es ist nicht nur die Familie, die Malte Ludin befragt, es sind auch die Opfer seines Vaters, die er aufsucht. Und das sind die bewegendsten Momente in einem Film, der einen niemals kalt lässt, der Vergangenheitsbewältigung auf einer sehr persönlichen Ebene betreibt und deshalb ein wichtiges Stück Erinnerungskultur leistet. Und die ist derzeit mehr denn je bedroht. Denn die Generation derer, die das Dritte Reich selbst mitbekommen haben, geht auf die Achtzig zu. Und wenn sie einmal tot sind, dann bleiben allein solche Filme, um gegen das Vergessen, das Schönreden und die unsäglichen, von Politikern, Intellektuellen und Bischöfen verbreiteten Vergleiche mit der Zeit der Nazi-Diktatur anzukämpfen. Ein exemplarischer Film über Erinnern, Vergessen und den Umgang mit individueller Schuld und politischer Verantwortung.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß (DVD)
Produktionsland:
Deutschland
Produktionsjahr:
2004
Länge:
85 (Min.)
Erschienen bei:
absolut medien
Bildformat:
16:9
Ton/Sprache:
Dolby Digital 2.0, Deutsch
Extras:
Keine
VERÖFFENTLICHUNGEN
DVD-Start:
28.02.2007
CAST & CREW
Regie:
Malte Ludin
FILMBEWERTUNG
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Maria Preuss am: 06.03.10
Durch Zufall habe ich gestern diesen beeindruckenden Film gesehen. Der Name Malte Ludin erinnerte mich an mein Internat Salem, wo ich mit ihm in der Schule war, nur ein jahr älter.






