Zufall und Schicksal – Möglichkeit und Wirklichkeit. Erscheinungsweisen des Zufalls im zeitgenössischen Film
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Wenn das Mögliche eintritt, das eintreten kann, aber nicht muss
Eine U-Bahn wird erreicht oder nicht (in Sliding Doors – Sie liebt ihn, sie liebt ihn nicht von Peter Howitt), Menschen, die miteinander verbunden sind, ohne es zu wissen, begegnen sich (in Die Liebenden des Polarkreises von Julio Medem), ein Unfall passiert und verknüpft die Leben verschiedener Menschen (in Amores Perros von Alejandro González Iñárritu). Zufall oder Schicksal? Die Frage stellt sich – nicht nur in den erwähnten Filmen – immer wieder, wenn das Mögliche eintritt, das eintreten kann, aber nicht eintreten muss. Florian Mundhenke untersucht in seiner Arbeit über die Erscheinungsweisen des Zufalls im Film der Gegenwart zwölf Filme im Zeitraum von 1980 bis 2000, die diese Diskussion um Zufall und Schicksal – Möglichkeit und Wirklichkeit aufnehmen und damit in der Tradition philosophischer Diskurse um das Zufällige im 20. Jahrhundert stehen.
In seinem Theoriekapitel nähert sich Mundhenke zunächst den verschiedenen Begriffen und Diskursen des Zufalls und gibt dabei einen Einblick sowohl in die naturwissenschaftlich-mathematische als auch besonders die philosophische Literatur. Dabei stützt er sich vor allem auf Odo Marquard und Umberto Eco, um den Bogen zum Spielfilm zu schlagen und nach der Funktion des Zufalls für die Handlungen der untersuchten Filmbeispiele zu fragen. Jedoch kommt er zu dem Schluss, dass ein verallgemeinerndes Ergebnis nicht möglich ist. "Zu heterogen sind die Ansätze der Filme wie auch die Überlegungen der zitierten Theoretiker" beziehungsweise: "Es gibt kein einheitliches, allgemein verbindliches Zufallsverständnis."
Ziel der Studie ist es, das Zufällige auf drei Ebenen des Films zu untersuchen: den Zufall auf Ebene der Handlung des Films, den Zufall als übergeordnete Thematik des Films und den Zufall im Bereich der äußeren Gestaltung des Films. Dabei konzentriert sich Mundhenke vor allem auf den Bereich der Handlung einerseits und den Zufall als Hintergrundfolie für die Filme andererseits und macht vier Problembereiche auf, denen er sein Filmkorpus zuordnet: So untersucht Mundhenke zunächst Filme mit alternativen Handlungsverläufen, welche er als "Entweder-Oder-Filme" bezeichnet; dann Filme, die dem Muster des filmischen Reigens folgen; anschließend Filme, welche die metaphysischen Auswirkungen des Zufalls thematisieren; und abschließend Filme, die den Zufalls als Schnittstelle von zwischenmenschlichen Begegnungen zum Gegenstand haben.
Mundhenkes Studie ist eine dichte Arbeit: Sie liefert zum Einen ausführliche Einzelanalysen der ausgewählten Filme, darunter Lola rennt von Tom Tykwer, Short Cuts von Robert Altman, Ein Z und zwei Nullen von Peter Greenaway oder Chunking Express von Wong Kar-Wai. Zum Anderen gelingt es ihm, die zwölf Filme immer wieder – sowohl im Vorfeld, als auch im an die Analysen anschließenden Vergleich – in Beziehung zueinander und zur übergeordneten Thematik zu setzen. So filtert er am Ende der Studie aus der Fülle der Zufallskonzeptionen Tendenzen heraus, die er durch die Analyse festmachen kann: Er konstatiert den Zufall als individuelle Erlebniskategorie, die abhängig von der individuellen Wahrnehmung und der spezifischen Sinngebung sei. Darüber hinaus wird jedoch auch deutlich, dass das Zufällige immer wieder auch als Befreiung sowohl von lebensweltlichen, kulturellen, aber auch von erzählerischen Ordnungen eingesetzt wird und stellt somit die Komplexität der Lebenswirklichkeit dar, wird gar bisweilen – mit Gilles Deleuze gesprochen – "zum einzigen roten Faden".
(Verena Schmöller)
In seinem Theoriekapitel nähert sich Mundhenke zunächst den verschiedenen Begriffen und Diskursen des Zufalls und gibt dabei einen Einblick sowohl in die naturwissenschaftlich-mathematische als auch besonders die philosophische Literatur. Dabei stützt er sich vor allem auf Odo Marquard und Umberto Eco, um den Bogen zum Spielfilm zu schlagen und nach der Funktion des Zufalls für die Handlungen der untersuchten Filmbeispiele zu fragen. Jedoch kommt er zu dem Schluss, dass ein verallgemeinerndes Ergebnis nicht möglich ist. "Zu heterogen sind die Ansätze der Filme wie auch die Überlegungen der zitierten Theoretiker" beziehungsweise: "Es gibt kein einheitliches, allgemein verbindliches Zufallsverständnis."
Ziel der Studie ist es, das Zufällige auf drei Ebenen des Films zu untersuchen: den Zufall auf Ebene der Handlung des Films, den Zufall als übergeordnete Thematik des Films und den Zufall im Bereich der äußeren Gestaltung des Films. Dabei konzentriert sich Mundhenke vor allem auf den Bereich der Handlung einerseits und den Zufall als Hintergrundfolie für die Filme andererseits und macht vier Problembereiche auf, denen er sein Filmkorpus zuordnet: So untersucht Mundhenke zunächst Filme mit alternativen Handlungsverläufen, welche er als "Entweder-Oder-Filme" bezeichnet; dann Filme, die dem Muster des filmischen Reigens folgen; anschließend Filme, welche die metaphysischen Auswirkungen des Zufalls thematisieren; und abschließend Filme, die den Zufalls als Schnittstelle von zwischenmenschlichen Begegnungen zum Gegenstand haben.
Mundhenkes Studie ist eine dichte Arbeit: Sie liefert zum Einen ausführliche Einzelanalysen der ausgewählten Filme, darunter Lola rennt von Tom Tykwer, Short Cuts von Robert Altman, Ein Z und zwei Nullen von Peter Greenaway oder Chunking Express von Wong Kar-Wai. Zum Anderen gelingt es ihm, die zwölf Filme immer wieder – sowohl im Vorfeld, als auch im an die Analysen anschließenden Vergleich – in Beziehung zueinander und zur übergeordneten Thematik zu setzen. So filtert er am Ende der Studie aus der Fülle der Zufallskonzeptionen Tendenzen heraus, die er durch die Analyse festmachen kann: Er konstatiert den Zufall als individuelle Erlebniskategorie, die abhängig von der individuellen Wahrnehmung und der spezifischen Sinngebung sei. Darüber hinaus wird jedoch auch deutlich, dass das Zufällige immer wieder auch als Befreiung sowohl von lebensweltlichen, kulturellen, aber auch von erzählerischen Ordnungen eingesetzt wird und stellt somit die Komplexität der Lebenswirklichkeit dar, wird gar bisweilen – mit Gilles Deleuze gesprochen – "zum einzigen roten Faden".
(Verena Schmöller)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Zufall und Schicksal – Möglichkeit und Wirklichkeit. Erscheinungsweisen des Zufalls im zeitgenössischen Film
Autor:
Florian Mundhenke
Erscheinungsort:
Marburg
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
552
Verlag:
Schüren Verlag
ISBN:
978-389472-628-7
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