Werner Krauß - Schauspieler in seiner Zeit 1884 bis 1959
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Werner Krauß spielt das jüdische Volk
Er hatte bereits vorher in zahlreichen Filmen gespielt und auf der Bühne schon mehrmals verschiedene Rollen in ein und demselben Stück übernommen. 1922 in Strindbergs Ein Traumspiel, zum Beispiel, den Dekan, den Quarantänemeister, den Kohlenträger, den Polizisten und den Magister. Sein berüchtigster Film entstand jedoch 1940: Jud Süß, und Werner Krauß übernahm in ihm gleich alle jüdischen Nebenrollen.
2006 erinnerte sich Marcel Reich-Ranicki in einer Rede in Berlin an "Krauß, der in diesem Film drei oder vier Juden spielt und deutlich bemüht war, den einen Juden noch widerlicher zu spielen als den anderen."
In seiner Biografie Werner Krauß - Schauspieler in seiner Zeit 1884 bis 1959 schildert Wolff A. Greinert genau das Gegenteil. Krauß habe gleich alle Nebenrollen übernommen, damit verschiedene Darsteller sich nicht im Ausspielen "jüdischer Eigenarten" überböten. Im Spruchkammerverfahren im Zuge der Entnazifizierung nach dem Krieg habe Krauß betont, dass er in Jud Süß bewusst so sauber wie irgend möglich gespielt habe und das zu mildern versucht habe, was im Drehbuch absichtsvoll boshaft und verhetzend angelegt war. Außerdem habe er befürchtet, im KZ zu landen, wenn er im Jud Süß nicht wenigstens eine Rolle gespielt hätte. In der Vergangenheit habe er die NSDAP nämlich mehrfach offen brüskiert und Stellung gegen den Nationalsozialismus bezogen. 1947 schloss sich die Spruchkammer dieser Argumentation an und Krauß wurde später mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und dem Iffland-Ring ausgezeichnet.
Der Film und der "Fall" Jud Süß nimmt etwa ein Zehntel der Seiten in Greinerts Buch ein, bestimmt aber heute den Blick auf Krauß' gesamtes Schaffen. Greinert trägt dem Rechnung, indem er Harlans antisemitischem Propagandafilm das längste Kapitel widmet, und das, obwohl er der langen Filmkarriere Krauß', mit wichtigen Hauptrollen immerhin in Das Cabinet des Dr. Caligari, Scherben, Der brennende Acker und anderen, insgesamt weniger Platz einräumt, als seinen Rollen am Theater. Dabei hätte gerade ein neuer Blick auf Krauß' Darstellungen in Filmen ein anderes Bild ermöglicht, als das Resümieren der Bühnenkarriere im Spiegel von zeitgenössischen Feuilletons und Selbstzeugnissen wie Krauß' Das Schauspiel meines Lebens von 1958.
Greinerts Biografie legt den Schwerpunkt auf Werner Krauß' Wirken am Theater und liest sich auch mehr als eine Theater- und Zeitgeschichte um den Schauspieler herum, denn als eine charakterisierende Lebensbeschreibung.
(Stefan Otto)
2006 erinnerte sich Marcel Reich-Ranicki in einer Rede in Berlin an "Krauß, der in diesem Film drei oder vier Juden spielt und deutlich bemüht war, den einen Juden noch widerlicher zu spielen als den anderen."
In seiner Biografie Werner Krauß - Schauspieler in seiner Zeit 1884 bis 1959 schildert Wolff A. Greinert genau das Gegenteil. Krauß habe gleich alle Nebenrollen übernommen, damit verschiedene Darsteller sich nicht im Ausspielen "jüdischer Eigenarten" überböten. Im Spruchkammerverfahren im Zuge der Entnazifizierung nach dem Krieg habe Krauß betont, dass er in Jud Süß bewusst so sauber wie irgend möglich gespielt habe und das zu mildern versucht habe, was im Drehbuch absichtsvoll boshaft und verhetzend angelegt war. Außerdem habe er befürchtet, im KZ zu landen, wenn er im Jud Süß nicht wenigstens eine Rolle gespielt hätte. In der Vergangenheit habe er die NSDAP nämlich mehrfach offen brüskiert und Stellung gegen den Nationalsozialismus bezogen. 1947 schloss sich die Spruchkammer dieser Argumentation an und Krauß wurde später mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und dem Iffland-Ring ausgezeichnet.
Der Film und der "Fall" Jud Süß nimmt etwa ein Zehntel der Seiten in Greinerts Buch ein, bestimmt aber heute den Blick auf Krauß' gesamtes Schaffen. Greinert trägt dem Rechnung, indem er Harlans antisemitischem Propagandafilm das längste Kapitel widmet, und das, obwohl er der langen Filmkarriere Krauß', mit wichtigen Hauptrollen immerhin in Das Cabinet des Dr. Caligari, Scherben, Der brennende Acker und anderen, insgesamt weniger Platz einräumt, als seinen Rollen am Theater. Dabei hätte gerade ein neuer Blick auf Krauß' Darstellungen in Filmen ein anderes Bild ermöglicht, als das Resümieren der Bühnenkarriere im Spiegel von zeitgenössischen Feuilletons und Selbstzeugnissen wie Krauß' Das Schauspiel meines Lebens von 1958.
Greinerts Biografie legt den Schwerpunkt auf Werner Krauß' Wirken am Theater und liest sich auch mehr als eine Theater- und Zeitgeschichte um den Schauspieler herum, denn als eine charakterisierende Lebensbeschreibung.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Werner Krauß - Schauspieler in seiner Zeit 1884 bis 1959
Autor:
Wolff A. Greinert
Erscheinungsort:
Wien
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
399
Verlag:
Universitas Verlag
ISBN:
978-3-8004-1489-5
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