Welt in Sicht. Filmische Reisen durch Lateinamerika, Afrika und Asien
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Lexikon des vernachlässigten Films
Hollywood und das europäische Autorenkino galten lange Zeit als das Kino schlechthin. Dass andernorts Filme gedreht wurden, hat die Verleiher bis in die 1980er Jahre nur selten interessiert. Wer die Wirklichkeiten jenseits der westlichen Kinowelt kennen lernen wollte, war auf Festivals, Kommunale Kinos oder Filmclubs angewiesen. Dies hat sich zumindest was den Kinoverleih angeht mittlerweile geändert; gerade die Schweizer Stiftung trigon-film ist Vorreiter in Europa, wenn es um das so genannte Weltkino geht, und kümmert sich unter dem Motto "Filme entdecken, entdeckte Filme vermitteln" um das Jahrzehnte lang vernachlässigte Kino. Literatur zum Kino der einen Welt dagegen, ist bisher noch relativ rar. Walter Ruggle hat mit Welt in Sicht. Filmische Reisen durch Lateinamerika, Afrika und Asien nun einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, dass die Filme aus den lateinamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Ländern nicht nur gezeigt, sondern auch in Buchform gesammelt und besprochen werden. Das Buch ist aus dem Engagement der Stiftung trigon-film entstanden und dokumentiert mit den Darstellungen der von trigon-film vertriebenen Filme die Arbeit der Stiftung, die jährlich etwa 20 Filme aus Lateinamerika, Afrika und Asien in ihr Programm aufnimmt. Auch wenn das Buch als detaillierter Filmkatalog verstanden werden könnte, so ist es doch weitaus mehr!
Das Buch erhebe zwar, so betont Ruggle, nicht den Anspruch, ein Lexikon fürs Kino des Südens und des Ostens zu sein. Dennoch ist die Funktion eines Nachschlagewerks genau sein großer Verdienst. Der Titel liefert nach einer Einführung jeweils kurze Übersichten über die verschiedenen Kulturräume und Filmlandschaften sowie einzelne Filmbesprechungen und Interviews mit bedeutenden Filmemachern der Region. Dabei überzeugt Welt in Sicht vor allem durch seine ausführlichen Filmbesprechungen, die zwar bisweilen etwas sehr klangvoll geschrieben sind, in ihrer Detailliertheit meist jedoch eine gute Darstellung der Filme abgeben. Während sich andere Bücher zum Weltkino meist in der Vielfalt der Filme verlieren, konzentriert sich Ruggle auf ausgewählte Werke, die eingehend besprochen und mit Hintergrundinformationen, Daten zur jeweiligen Filmografie oder Anekdoten über den Regisseur bereichert werden. So liefert Ruggle beispielsweise eine gründliche Analyse des Films La vida es silbar von Fernando Pérez, und fügt dem Filmkapitel ein Interview mit dem Regisseur an, das weiter erklärt und den Film in den Kontext seines Werkes stellt. Dass die besprochenen Filme genau die Filme sind, die bei trigon-film vertrieben sind, ergibt sich aus der Entstehung des Buches als Dokumentation zum zwanzigjährigen Jubiläum, hat jedoch den Vorteil, dass der interessierte Leser dadurch auch die Möglichkeit erhält, sich den jeweiligen Filme zu besorgen.
Darüber hinaus gibt das Buch auch einen sorgfältig sortierten Einblick in die Vielfalt der Bilderwelten. Ruggle ist sich einerseits der Unterschiede der Filmländer einer Region bewusst und sagt beispielsweise ganz deutlich: In Lateinamerika gibt es "nicht ein einziges Kino." Er macht aber auch auf die Gemeinsamkeiten aufmerksam und zeigt dem Leser im Überblick wie an Beispielen: Ausgeprägt ist in ganz Lateinamerika das Bewusstsein ums Politische. Auch für Afrika stellt Ruggle fest, dass im Kino gerne explizit politische Fragen gestellt werden, während sich Asien tendenziell eher mit existenziellen Fragen beschäftigt. Gemeinsam sei den Filmlandschaften aller drei Kontinente die Absage an nordamerikanische Erzählmuster sowie das Bewusstsein fürs Eigene, das sich formal zeigen kann, im Rhythmus einer Erzählung, in den Traditionen vor Ort. So findet sich beispielsweise die lange Einstellung in vielen Filmen des Südens, vor allem aber auch im asiatischen Kino und bringe ein völlig anderes Zeit-Bewusstsein auf die Leinwand als das westliche Kino. Immer wieder macht Ruggle deutlich: Es lohnt sich, sich mit den Filmwelten der bislang unterschätzten Regionen zu beschäftigen. Es lohnt sich auf jeden Fall, so das Fazit zu Ruggles Welt in Sicht, einen Blick in das Buch zu werfen, sich durchs Weltkino zu blättern und neugierig zu werden auf den einen oder anderen Film aus Ländern, in denen man bislang kein eigenes Kino vermutet hätte.
(Verena Schmöller)
Das Buch erhebe zwar, so betont Ruggle, nicht den Anspruch, ein Lexikon fürs Kino des Südens und des Ostens zu sein. Dennoch ist die Funktion eines Nachschlagewerks genau sein großer Verdienst. Der Titel liefert nach einer Einführung jeweils kurze Übersichten über die verschiedenen Kulturräume und Filmlandschaften sowie einzelne Filmbesprechungen und Interviews mit bedeutenden Filmemachern der Region. Dabei überzeugt Welt in Sicht vor allem durch seine ausführlichen Filmbesprechungen, die zwar bisweilen etwas sehr klangvoll geschrieben sind, in ihrer Detailliertheit meist jedoch eine gute Darstellung der Filme abgeben. Während sich andere Bücher zum Weltkino meist in der Vielfalt der Filme verlieren, konzentriert sich Ruggle auf ausgewählte Werke, die eingehend besprochen und mit Hintergrundinformationen, Daten zur jeweiligen Filmografie oder Anekdoten über den Regisseur bereichert werden. So liefert Ruggle beispielsweise eine gründliche Analyse des Films La vida es silbar von Fernando Pérez, und fügt dem Filmkapitel ein Interview mit dem Regisseur an, das weiter erklärt und den Film in den Kontext seines Werkes stellt. Dass die besprochenen Filme genau die Filme sind, die bei trigon-film vertrieben sind, ergibt sich aus der Entstehung des Buches als Dokumentation zum zwanzigjährigen Jubiläum, hat jedoch den Vorteil, dass der interessierte Leser dadurch auch die Möglichkeit erhält, sich den jeweiligen Filme zu besorgen.
Darüber hinaus gibt das Buch auch einen sorgfältig sortierten Einblick in die Vielfalt der Bilderwelten. Ruggle ist sich einerseits der Unterschiede der Filmländer einer Region bewusst und sagt beispielsweise ganz deutlich: In Lateinamerika gibt es "nicht ein einziges Kino." Er macht aber auch auf die Gemeinsamkeiten aufmerksam und zeigt dem Leser im Überblick wie an Beispielen: Ausgeprägt ist in ganz Lateinamerika das Bewusstsein ums Politische. Auch für Afrika stellt Ruggle fest, dass im Kino gerne explizit politische Fragen gestellt werden, während sich Asien tendenziell eher mit existenziellen Fragen beschäftigt. Gemeinsam sei den Filmlandschaften aller drei Kontinente die Absage an nordamerikanische Erzählmuster sowie das Bewusstsein fürs Eigene, das sich formal zeigen kann, im Rhythmus einer Erzählung, in den Traditionen vor Ort. So findet sich beispielsweise die lange Einstellung in vielen Filmen des Südens, vor allem aber auch im asiatischen Kino und bringe ein völlig anderes Zeit-Bewusstsein auf die Leinwand als das westliche Kino. Immer wieder macht Ruggle deutlich: Es lohnt sich, sich mit den Filmwelten der bislang unterschätzten Regionen zu beschäftigen. Es lohnt sich auf jeden Fall, so das Fazit zu Ruggles Welt in Sicht, einen Blick in das Buch zu werfen, sich durchs Weltkino zu blättern und neugierig zu werden auf den einen oder anderen Film aus Ländern, in denen man bislang kein eigenes Kino vermutet hätte.
(Verena Schmöller)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Welt in Sicht. Filmische Reisen durch Lateinamerika, Afrika und Asien
Erscheinungsort:
Ennetbaden
Erscheinungsdatum:
2008
Seiten:
504
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