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We feed the World

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Kinostart: 03.07.2006

Alles andere als Schonkost

Du bist was du isst – lautet ein altes Sprichwort. Doch wer weiß heute noch, was er sich da tagtäglich auf den Teller lädt. Nur wer sein Gemüse selbst anbaut und den Salat im eigenen Garten zieht, kann das von sich behaupten. Alle anderen, die ihr täglich Brot im Supermarkt oder beim Bäcker erstehen, sind darauf angewiesen den spärlichen Angaben Glauben zu schenken, die die Hersteller bereit sind zu geben. Wie viel Schindluder aber allein mit solchen Angaben getrieben wird, und dass das nur die Spitze des Eisbergs ist, das lernt man in eindrucksvollen Bildern in We feed the World - Essen Global. Dieser schockierende und ernüchternde Dokumentarfilm ist mit großem Erfolg in den deutschen Kinos gelaufen. Jetzt folgt das gleichnamige Buch zum Film.

Erwin Wagenhofer (der Regisseur und Autor des Films) und Max Annas stellen in ihrem Buch die Hintergründe zu den im Film beleuchteten Ungeheuerlichkeiten der globalen Lebensmittelproduktion zusammen, beschreibt Erlebnisse der Recherche, geben Zahlen und Hintergründe bekannt und widmen dabei jedem Lebensmittel ein ganzes Kapitel. So führen sie dem Leser drastisch vor Augen, dass man egal was man auch zu sich nimmt, nie wirklich weiß, was man da eigentlich isst. Da kann einem schnell einmal der Appetit vergehen. Die Tatsache, dass nicht alles Bio ist wo Bio drauf steht, wirkt in diesem Zusammenhang eher wie ein Kabinettstück. Sogar die Tatsache, dass spanische Tomaten nicht unbedingt in Spanien gewachsen sein müssen und Freiland-Hühner nicht immer unter idyllischen Bedingungen aufwachsen, schockieren im Grunde kaum noch. Doch wie abartig das ganze Lebensmittelgeschäft tatsächlich ist, das stellt We feed the World in Buch und Film gleichermaßen schonungslos offen. Alles ist ganz und gar auf Profit, noch mehr Gewinn und damit auch mit der Ausbeutung der Armen und noch Ärmeren verbunden. Die Perversionen unserer technisierten und industrialisierten Welt, unserer globalisierten Gesellschaft, schlägt einem auch in Buchform auf den Magen. Zumal eine Bilderstrecke in der Mitte des Buchs ihres tut.

Um aber wirklich zu beschreiben, was dieses Buch leistet, ist es am besten, einfach ein paar Passagen zu zitieren: „Das heute erzeugte Gemüse wird zumeist in Labors entwickelt, es wächst nicht einmal mehr in der Erde, es schmeckt nach nichts – der Überschuss wird subventioniert nach Afrika exportiert, und damit wird den kleinen Bauern vor Ort, die ihr Gemüse tatsächlich noch traditionell anbauen, die Lebensgrundlage geraubt.“ Und um dem ganzen noch einen drauf zu setzen: „Durch die Produktion von Nahrungsmitteln für die reichen Länder der Erde sterben viel mehr Menschen weltweit als durch den unmittelbaren Einsatz von Feuerwaffen und anderen Kriegsgeräten.“

We feed the World ist genau das richtige Buch für all jene, die sich um eine bewusste Ernährung bemühen und dabei nicht nur nach einem guten Preis, sondern auch nach ethischer Unbedenklichkeit suchen. Für diejenigen darunter, die außerdem wissen möchten, wann eine Tomate eigentlich noch eine Tomate ist, wann sie einfach nur noch ein rot gefärbtes Stück Hybridsamen ist und was eigentlich ein Hybridsamen ist, für die haben sich die Autoren die Mühe gemacht in einem Glossar ausführlich auch watteweiche Begriffe wie Aquakultur, Subsistenzwirtschaft, Cash Corps, transgen oder Veredelung zu erläutern. Passenderweise meldet sich dann auch noch die ehemalige Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast zu einem Vorwort und fasst in diesem noch einmal die Parole für alle politisch Korrekten zusammen: „Es ist eigentlich ganz banal: Wir sind, was wir tun – all unser Handeln wirkt auf uns selbst zurück. Deshalb sind wir auch, wie wir essen.“

(Jasmin Haery)

Daten & Fakten

Titel: We feed the World
Autor: Erwin Wagenhofer, Max Annas
Erscheinungsort: Freiburg
Erscheinungsdatum: 2006
Seiten: 192
Verlag: Orange Press
ISBN: 3-936086-26-3

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