Was stimmt denn jetzt? Unzuverlässiges Erzählen in Literatur und Film
Kinostart:
24.08.2005
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Spielarten der Unzuverlässigkeit
Ein Verbrechen ist geschehen. Ein Mann vergewaltigte eine Frau und tötete ihren Gatten. Drei Personen berichten aus ihrer Sicht vom Tathergang. Zuletzt erzählt noch der Geist des Ermordeten seine Fassung. Die Zeugen und Beteiligten stellen die Ereignisse so dar, wie sie ihnen selbst schmeicheln und zum Vorteil gereichen. Am Ende stehen vier Geschichten, vier miteinander unvereinbare Versionen der Tat. Was wirklich geschah, bleibt offen. Rashomon (Japan 1950) von Akira Kurosawa führt die Unzuverlässigkeit im Film exemplarisch vor Augen.
Alles nur Lug und Trug? Soll der Zuschauer durch einen unzuverlässigen Erzähler mit trickreichen Mitteln hinters Licht geführt werden, dann gilt es für ihn, mit detektivischem Spürsinn die Widersprüche aufzudecken, die in die Erzählung eingeflochten sind. Die Drs. Fabienne Liptay (WunderWelten - Märchen im Film) und Yvonne Wolf nahmen die Herausforderung an, veranstalteten 2003 in Mainz die Tagung "Unzuverlässiges Erzählen in Literatur und Film" und veröffentlichen nun mit Was stimmt denn jetzt? einen Band, der die einschlägigen Ergebnisse versammelt.
Was stimmt denn jetzt? erörtert in theoretisch akzentuierten Aufsätzen wie in Fallstudien Fragen zur Unzuverlässigkeit aus film- und literaturwissenschaftlicher Perspektive. Einzelne Beiträge stellen die Unzuverlässigkeit in den größeren Rahmen der Rhetorik und der Psychoanalyse. Andere widmen sich den unterschiedlichen Strategien der Täuschung und Verunsicherung, Signalen erzählerischer Unzuverlässigkeit, falschen Fährten sowie den Bedingungen, unter denen sich Zuschauer und Leser bereitwillig in die Irre führen lassen.
Als entscheidende Differenz zwischen literarischer und filmischer Erzählung erweist sich, dass der literarische Erzähler Informationen vorenthalten, auf später verschieben oder gar fälschen kann, während der filmische Erzähler, der nach derselben Absicht verfährt, in mindestens zwei "Personen" aufgespalten ist: in die der erzählenden Figur und in die der Kamera. Im Wechsel der Einstellungen vermögen die Kameraperspektiven auch den erzählerischen Standpunkt zu variieren. Die Kamera wird zur übergeordneten Instanz, die verschiedene Erzähldiskurse ins Spiel bringt, so dass der Film sich eine freiere Kombination von Erzählsituationen vorbehält, als man es von der Literatur gewohnt ist.
(Stefan Otto)
Alles nur Lug und Trug? Soll der Zuschauer durch einen unzuverlässigen Erzähler mit trickreichen Mitteln hinters Licht geführt werden, dann gilt es für ihn, mit detektivischem Spürsinn die Widersprüche aufzudecken, die in die Erzählung eingeflochten sind. Die Drs. Fabienne Liptay (WunderWelten - Märchen im Film) und Yvonne Wolf nahmen die Herausforderung an, veranstalteten 2003 in Mainz die Tagung "Unzuverlässiges Erzählen in Literatur und Film" und veröffentlichen nun mit Was stimmt denn jetzt? einen Band, der die einschlägigen Ergebnisse versammelt.
Was stimmt denn jetzt? erörtert in theoretisch akzentuierten Aufsätzen wie in Fallstudien Fragen zur Unzuverlässigkeit aus film- und literaturwissenschaftlicher Perspektive. Einzelne Beiträge stellen die Unzuverlässigkeit in den größeren Rahmen der Rhetorik und der Psychoanalyse. Andere widmen sich den unterschiedlichen Strategien der Täuschung und Verunsicherung, Signalen erzählerischer Unzuverlässigkeit, falschen Fährten sowie den Bedingungen, unter denen sich Zuschauer und Leser bereitwillig in die Irre führen lassen.
Als entscheidende Differenz zwischen literarischer und filmischer Erzählung erweist sich, dass der literarische Erzähler Informationen vorenthalten, auf später verschieben oder gar fälschen kann, während der filmische Erzähler, der nach derselben Absicht verfährt, in mindestens zwei "Personen" aufgespalten ist: in die der erzählenden Figur und in die der Kamera. Im Wechsel der Einstellungen vermögen die Kameraperspektiven auch den erzählerischen Standpunkt zu variieren. Die Kamera wird zur übergeordneten Instanz, die verschiedene Erzähldiskurse ins Spiel bringt, so dass der Film sich eine freiere Kombination von Erzählsituationen vorbehält, als man es von der Literatur gewohnt ist.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Was stimmt denn jetzt? Unzuverlässiges Erzählen in Literatur und Film
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
364
Verlag:
edition text + kritik
ISBN:
3-88377-795-1
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